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STRASSENVERKEHR: Schon mit 17 auf die Strasse

Der Bundesrat will die Fahrpraxis von Neulenkern verbessern. Die Alterslimite für den Lernfahrausweis soll deshalb sinken. Ausserdem sollen die umstrittenen Weiterbildungen verkürzt werden.
Tobias Bär
Der Bundesrat will, dass sich junge Personen ein Jahr früher ans Steuer setzen können. (Bild: Christian Beutler/KEY (Zürich, 22. Februar 2017))

Der Bundesrat will, dass sich junge Personen ein Jahr früher ans Steuer setzen können. (Bild: Christian Beutler/KEY (Zürich, 22. Februar 2017))

Tobias Bär

Das Diagramm, das Jürg Röthlisberger den Medien gestern präsentierte, zeigt eine erfreuliche Entwicklung. Die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten im Strassenverkehr sei über die Jahre stetig gesunken, obwohl der Verkehr zugenommen habe, sagte der Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra). Ist damit alles paletti? «Leider nicht.» Es sind die Junglenker, die den Behörden weiterhin Sorgen bereiten. Gemäss dem jüngsten Strassenverkehrs-Report der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) sind 18- bis 24-Jährige fast doppelt so häufig alleinige Verursacher von schweren Unfällen wie Personen ab 25.

Dabei wurden die Bestimmungen für Neulenker vor zwölf Jahren verschärft. Den Führerschein gibt es seither während dreier Jahre nur noch auf Probe. Der Ausweis wird annulliert, wenn ihn der Lenker in dieser Zeit zweimal wegen eines Delikts abgeben muss. Zudem müssen Neulenker während der Probezeit zwei ganztätige Weiterbildungskurse besuchen. Diese Kurse waren seit ihrer Einführung umstritten. Moniert wurden etwa die hohen Kosten für die Junglenker. Beim Touring Club Schweiz (TCS), einem der führenden Anbieter, kosten die beiden Kurstage zusammen 730 Franken. Zweifel gab es aber auch am Nutzen. Die FDP forderte im Parlament in Bern erfolglos die Aufhebung der Kurspflicht. Am 21. Mai entscheidet das Urner Stimmvolk darüber, ob sich der Bund erneut mit der Abschaffung befassen muss.

Der Bundesrat hat nun bereits reagiert: Statt zwei Ausbildungstage soll in Zukunft nur noch ein siebenstündiger Kurs Pflicht sein. Einige Kursinhalte sollen gestrichen, andere gestrafft werden. Die Neulenker sollen die siebenstündige Weiterbildung dafür zwingend im ersten halben Jahr der Probezeit besuchen. Damit soll sich endlich der gewünschte Sicherheitseffekt einstellen, den das Astra bislang noch nicht nachweisen konnte.

Anbieter wie der TCS müssen ihr Angebot damit zurückfahren. Ein TCS-Sprecher wollte sich gestern nicht zu den Plänen des Bundesrates äussern, dafür sei es noch zu früh. Ein positives Echo löst die vorgeschlagene Neuerung dafür beim Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen aus: «Es wäre schöner, wenn beide Kurstage abgeschafft würden, doch ich kann damit leben.» Auch SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher (TG) begrüsst die geplante Verkürzung der Weiterbildung, schliesslich habe diese für viel Unmut gesorgt.

Fahrlehrer sind dagegen

Wohlwollend beurteilen Wasserfallen und Graf-Litscher auch die zweite gewichtige Neuerung des Revisionspakets: Künftig sollen bereits 17-Jährige mit einem Lernfahrausweis auf der Strasse Fahrpraxis sammeln können. Heute ist dies erst ab 18 Jahren möglich. Personen unter 25 Jahren sollen aber erst dann zur praktischen Fahrprüfung antreten können, wenn sie den Lernfahrausweis seit mindestens einem Jahr besitzen. «Ziel ist es, dass die Junglenker mehr Fahrpraxis sammeln, bevor sie alleine am Strassenverkehr teilnehmen», sagte Röthlisberger. Mit der Senkung der Alterslimite können jene wenig anfangen, die auf dem Beifahrersitz Platz nehmen: die Fahrlehrer. Man lehne die vorgezogene Ausbildung ab, schreibt der Schweizerische Fahrlehrerverband. Das geltende Mindestalter von 18 Jahren sei «weiterhin sinnvoll und dem Reifegrad der Jugendlichen angemessen». Die bfu hat hingegen keine grundsätzlichen Einwände gegen das Autofahren mit 17, da sich während der begleiteten Fahrten praktisch keine schweren Unfälle ereigneten.

Geht es nach dem Bundesrat, sollen Lernfahrer neu zwingend zwei Lektionen mit einem Fahrlehrer absolvieren müssen. Heute ist keine Mindestzahl festgeschrieben. In dieser Grundschulung sollen die Lernfahrer unter anderem die Vollbremsung üben, die heute viele Neulenker nicht beherrschten, so das Astra. Die bfu hätte es «begrüsst, wenn mehr Stunden vorgeschrieben wären», wie Sprecher Marc Bächler sagt. Auch Edith Graf-Litscher plädiert für zusätzliche Lektionen. Christian Wasserfallen seinerseits spricht sich vehement gegen obligatorische Fahrstunden aus: «Das Bremsverhalten lässt sich sehr gut mit einer Begleitperson üben, dafür braucht es keinen Fahrlehrer.»

Die Vorlage, die bis im Oktober in der Vernehmlassung ist, sieht zudem eine Anpassung der Fahrprüfung vor. «Fahren Sie zum Bahnhof. Unterwegs parkieren Sie in der Nähe eines Kioskes.» So könnte die Anweisung des Prüfers gemäss den Unterlagen des Astra in Zukunft lauten. Die Route sollen die Prüflinge weitgehend selber festlegen.

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