STREIK: Ärzte legen das Skalpell nieder

Aus Protest gegen den vom Bundesrat gesenkten Ärztetarif nehmen Genfer Ärzte nicht mehr alle Operationen vor. Der Dachverband FMH bekundet Verständnis.
Eva Novak
Diverse Operationen werden neu ambulant durchgeführt. (Bild: Dominik Hodel (Baar, 12. September 2014))

Diverse Operationen werden neu ambulant durchgeführt. (Bild: Dominik Hodel (Baar, 12. September 2014))

Streikende Ärzte haben Seltenheitswert. Doch die von Gesundheitsminister Alain Berset verfügte Senkung des Tarifs für den ambulanten Bereich (Tarmed) auf Anfang dieses Jahres hat einige Spezialistengruppen im Kanton Genf zu ebendiesem Schritt bewogen.

Allen voran die Handchirurgen: Seit Jahresbeginn nehmen sie keine Wahleingriffe mehr vor – also Operationen, welche aufgeschoben werden können, ohne dem Patienten zu schaden. Bald 500 Eingriffe wurden bisher auf unbestimmte Zeit verschoben, bestätigt Stéphane Kämpfen vom Genfer Handchirurgie- und Therapiezentrum CH8 einen Bericht der Tageszeitung «La Liberté». «Wir wollen damit vor allem ein Alarmsignal aussenden», begründet er die Protestaktion.

Einkommenseinbusse von 20 bis 30 Prozent

Bei den Handchirurgen habe die Tarifsenkung zu einer Einkommenseinbusse von mindestens 20 bis 30 Prozent geführt, sekundiert Mario A. Bonaccio, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Handchirurgie. Für die Operation des Karpaltunnelsyndroms (Einengung des Handmittelnervs) zum Beispiel, einen gut halbstündigen Eingriff, hätten die Genfer Kollegen bis Ende letzten Jahres 169 Franken verrechnen können. Jetzt seien es noch 104 Franken. In einigen Deutschschweizer Kantonen gebe es dafür noch knapp 90 Franken.

«Damit kommt man definitiv an die Schmerzgrenze, wo der Arzt draufzulegen beginnt», sagt Urs Stoffel vom Zentralvorstand des Ärztedachverbands FMH. Denn abgegolten werde nur die reine Operationsleistung, nicht die Fahrt der Belegärzte von der Praxis ins Spital und wieder zurück. Die FMH signalisiert denn auch «ein gewisses Verständnis» für die Aktion.

Dem Beispiel sind in Genf inzwischen auch die Gynäkologen, Urologen und Orthopäden gefolgt. Auf andere Kantone hat der Protest bisher nicht übergegriffen. Doch je nach Ergebnis der Gespräche mit den Krankenkassen könnte sich das ändern. Für den 23. Februar hat die Gesellschaft für Handchirurgie eine ausserordentliche Generalversammlung anberaumt. Dann sollen laut Bonaccio die weiteren Schritte beschlossen werden.

Eva Novak

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