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STREIK: Auf dem Lago Maggiore stehen die Schiffe still

Alle 34 Schweizer Mitarbeiter der Schifffahrtsgesellschaft Lago Maggiore haben ihre Arbeit niedergelegt. Sie kämpfen gegen ihre Entlassung auf Ende Jahr.
Gerhard Lob, Locarno
Schiffsanlagestelle in Locarno: Der Arbeitskampf am Lago Maggiore dauert seit Sonntag. (Bild: Samuel Golay/Ti-Press (25. Juni 2017))

Schiffsanlagestelle in Locarno: Der Arbeitskampf am Lago Maggiore dauert seit Sonntag. (Bild: Samuel Golay/Ti-Press (25. Juni 2017))

Gerhard Lob, Locarno

Überall an der Schifflände Lo­carno hängen Transparente. Das Wort «Sciopero» – Streik – lernen viele Touristen kennen, die ein Linienboot der Schifffahrtsgesellschaft Lago Maggiore (NLM) nehmen wollen. Seit Sonntag geht nichts mehr. Die Angestellten im Schweizer Becken des Lago Maggiore protestieren ge­gen ihre Entlassung auf Ende Jahr. Sie wollen den Arbeitskampf auch heute fortsetzen. Die italienische Gesellschaft, die zur staatlichen Gestione Governativa Navigazione Laghi gehört, hatte dies Mitte Juni kollektiv mitgeteilt. Inzwischen hat jeder Einzelne einen blauen Brief erhalten: 14 Ganzjahresangestellte und 20 Saisonangestellte. Die Streikenden verlangen eine Rücknahme der Entlassungen.

Hintergrund ist ein hohes Betriebsdefizit im Schweizer Seebecken, das die italienische Gesellschaft nicht länger tragen will. Die Rede ist von 500 000 Franken. Obwohl die Gesellschaft einen öffentlichen Liniendienst erbringt, hat sie von Schweizer Seite keine finanzielle Unterstützung erhalten. Hingegen wurde sie ständig kritisiert, etwa wegen der alten Schiffe und der Tatsache, dass Halbtax-Abos und GA nicht anerkannt werden. Daher hat die Gesellschaft die Reissleine gezogen.

Ein neues Konsortium soll gegründet werden

Die Situation ist vertrackt. Im Mai 2016 hatten Verkehrsministerin Doris Leuthard und ihr italie­nischer Amtskollege Graziano Delrio im Vorfeld der Gotthard-Basistunneleröffnung eigentlich eine Absichtserklärung unterzeichnet, gemäss der sich beide Staaten für eine attraktivere Schifffahrt auf dem Lago Maggiore einsetzen wollen. Im Dezember 2016 erhielten die beiden Schifffahrtsgesellschaften auf dem Lago Maggiore (NLM) und dem Lago di Lugano (SNL) die Konzessionen für die nächsten zehn Jahre. Ein Staatsvertrag ­regelt, dass der Schiffsverkehr für den Luganersee von einer Schweizer Gesellschaft, für den Lago Maggiore von einer italienischen Gesellschaft erbracht wird.

Momentan ist allerdings unklar, wie mehr Attraktivität erreicht werden kann. Es soll ein neues Konsortium gegründet werden, gemeinsam mit der Schifffahrtsgesellschaft SNL von Lugano, die im Schweizer Becken des Lago Maggiore aktiv ist. «Doch das Ganze bleibt nebulös», sagt Angelo Stroppini von der Gewerkschaft SEV. Auch ein Treffen mit dem Tessiner Staatsrat am Montagabend brachte nicht mehr Klarheit. Denn Garantien wollte und konnte Regierungspräsident Manuele Bertoli (SP) nicht geben.

Mitten in der Hochsaison

Der Streik fällt aus touristischer Sicht in einen heiklen Moment. Momentan ist Hochsaison im Locarnese. Wichtige Ziele wie die Brissago-Inseln mit dem dorti­gen Botanischen Garten können nicht erreicht werden. VR-Präsident Paolo Senn beziffert den Einnahmeausfall auf 3000 bis 5000 Franken pro Tag. Weitere touristische Angebote wie der Lago-Maggiore-Express, der eine Bahnfahrt von Locarno nach Domodossola und Stresa mitsamt Rückfahrt auf dem Seeweg beinhaltet, lassen sich momentan nicht verkaufen. «Und dies alles in einem Moment, in dem der Tourismus gerade wieder ein wenig angezogen hat», sagt Luisa Guaglieri, die normalerweise in den Bars auf den Linienschiffen arbeitet.

Ironie des Schicksals: Auf der italienischen Seite läuft der Schiffsverkehr normal. Im Bundesamt für Verkehr (BAV) verfolgt man die Vorgänge «mit Sorge», wie Sprecher Gregor Saladin sagt. Zugleich betont er, dass das BAV bei dieser Angelegenheit nicht in der ersten Reihe stehe.

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