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Gerichtsstreit um Projektwoche:
Eltern verurteilt

Ein Schüler schwänzte ein Schulprojekt, weil er kein Asylheim besuchen wollte. Seine Eltern, die ihn unterstützten, wurden vom Bezirksgericht Bremgarten verurteilt und müssen nun büssen.
Toni Widmer

Noch zwei Wochen Schule, dann konnte ein neues Leben beginnen. Der 16-jährige Aargauer hatte sich bestens geschlagen, die Abschlussnote von 5,1 ist Beleg dafür. Doch zum Jubeln war ihm und seinen Eltern im Sommer 2018 dennoch nicht zumute.

Es ging um eine Projektwoche. Geplant waren ein Besuch der Schule für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) in Aarau, am darauffolgenden Tag dessen Aufarbeitung sowie am dritten Tag der Gegenbesuch der jungen Asylsuchenden in Wohlen.

Negative Erfahrungen mit Asylbewerbern

Laut den Eltern hatte ihr Sohn ­negative Erfahrungen mit Asyl­bewerbern gemacht und deshalb den Sinn einer Beschäftigung mit diesem Thema nicht eingesehen. Eine politische Komponente wiesen die Eltern von sich: «Es ging auch darum, dass andere Klas- sen attraktivere Projektwochen durchführten. Da hat sich unser Sohn benachteiligt gefühlt.»

Auf Gespräche folgten Briefwechsel und die Ablehnung eines Dispensationsgesuches. Trotzdem blieb der 16-Jährige in der Projektwoche zu Hause. «Er hat Anstand und zeigt Einsatz, hat aber auch eine ausgeprägte eigene Meinung. Die soll etwas gelten, und deshalb haben wir ihn gestützt», sagte der Vater, ein SVP-Politiker. «Für uns kam aber auch nicht in Frage, dass er sich nun eine Woche ausruhte. Er hat einen Sozialeinsatz im Reusspark geleistet und zwei Tage lang bei mir im Geschäft arbeiten müssen.»

Eltern für Fernbleiben der Kinder bestraft

Bleiben Kinder dem Unterricht fern, macht die Schulpflege eine Anzeige und die Eltern werden bestraft. 700 Franken Busse plus 600 Franken Strafbefehlsgebühr für den Vater und die gleichen Beträge für die Mutter lautete in diesem Fall das Verdikt der Staatsanwaltschaft. Drei weitere Elternpaare, deren Kinder nicht an der Projektwoche teilnahmen, sind gleich bestraft worden.

Der Verteidiger des Elternpaares plädierte vor dem Bezirksgericht Bremgarten auf Freispruch: «Es geht hier um einen selbstbewussten jungen Mann mit besten Schulnoten, der beschlossen hat, er wolle an dieser Projektwoche nicht teilnehmen. Seine Eltern haben ihn in seinem Vorgehen lediglich unterstützt und dürfen dafür sicher nicht bestraft werden.» Gerichtspräsident Lukas Trost sah es anders und sprach das Ehepaar der Widerhandlung gegen das Schulgesetz schuldig: «Es geht hier nicht um Politik und es geht auch nicht dar­um, ob die Projektwoche gut war oder weniger gut.» Es gehe um die Einhaltung des Schulgesetzes.

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