STUDIE: Fake-News-Debatte nützt den Medien

Das Vertrauen in die Medien steigt. Bürger hoffen auf die vierte Gewalt im Staat.

Kari Kälin
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Ein Mann hält ein Tablet mit einer App zur Überprüfung von Fake News in den Händen. (Bild: Silas Stein / EPA)

Ein Mann hält ein Tablet mit einer App zur Überprüfung von Fake News in den Händen. (Bild: Silas Stein / EPA)

Vertrauen Alt Bundesrat Kurt Furgler ist tot: 1991 vermeldete die Nachrichtenagentur SPK diesen Primeur. Es war ein vermeintlicher. Ein Anrufer hatte der SPK vorgegaukelt, er sei der Generalsekretär der CVP. Die falsche Nachricht wurde ungeprüft in die mediale Umlaufbahn geschleudert. Der St. Galler CVP-Magistrat starb aber erst 2008.

Fake News, wie unwahre Berichte auf Neudeutsch heissen, sind kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Der neue US-Präsident Donald Trump hat die Debatte um angeblich falsche Medienberichte aber mit neuer Wucht auf die ­Tagesagenda katapultiert. Was bedeutet das lärmige Schlechtmachen des Journalismus für die Schweizer Medien? Nimmt deren Ruf Schaden?

Das Gegenteil ist der Fall. Die aktuelle Umfrage «Sicherheit 2017» der ­Militärakademie der Universität Zürich zeigt, dass das Vertrauen in die Medien gegenüber dem Vorjahr signifikant gestiegen ist, von 5,1 auf 5,5 Punkte in einer Skala von 1 bis 10. Die Schweizer Stimmbürger sind also mit der Leistung der Medien zufriedener geworden und attestieren ihnen mehr Legitimation.

Bürger hoffen auf die vierte Gewalt im Staat

Mark Eisenegger ist Präsident des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich, das sich mit Fragen des Medienwandels und der Medienqualität beschäftigt. Das Ergebnis der ETH-Umfrage kommt für Eisenegger nicht überraschend. Zahlreiche andere Studien würden zu ähnlichen Schlüssen gelangen, sagt er. Für ihn ist klar: Die von Trump befeuerte Fake-News-Debatte hat in der Gesellschaft das Bewusstsein geschärft, wie wichtig ein professioneller Informationsjournalismus ist, der Desinformationskampagnen und Verschwörungstheorien auf der Basis von profunder Recherche kontert.

Auch die zunehmenden autokratischen Tendenzen in eigentlich demokratischen Staaten stärkt laut Eisenegger das Vertrauen in die Medien. «In vielen Teilen der Erde scheinen demokratische Grundwerte für die Menschen in Fluss zu geraten», sagt Eisenegger. Viele Bürger würden deshalb die Hoffnung hegen, dass die Medien als vierte Gewalt im Staat den Trumps, Erdogans und Putins Einhalt gebieten. «Die Leute werden sich wieder stärker bewusst, dass eine Demokratie ohne die Kontrollfunktion professioneller Medien nicht möglich ist», sagt Eisenegger. Dass die internationale politische Grosswetterlage einen Einfluss auf das Vertrauen in Schweizer Medien hat, kommt nicht von ungefähr. Hiesige ­Medien geben der Auslandberichterstattung seit jeher grosses Gewicht. Erfreut, aber ebenso wenig überrascht über den Vertrauensgewinn wie Eisenegger zeigt sich Andreas Häuptli. Die Schlagzeilen über angebliche Fake News hätten die Bürger zwar aufgeschreckt, sagt der Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien. «Umso mehr informieren sie sich jetzt aber bei bewährten Medien, von denen sie wissen, dass sie seriös recherchieren und journalistische Grundsätze befolgen.» Die Fake-News-Debatte biete den traditionellen Medien die Chance, ihre Glaubwürdigkeit zu stärken.

Am meisten Vertrauen geniesst die Polizei

In soziale Medien wie Facebook und Twitter haben die Bürger nämlich in der Tat deutlich weniger Vertrauen. Die Erwartung, diese Kommunikationskanäle würden bei schlechter Berichterstattung traditioneller Medien ein Korrektiv bilden, hat sich derweil zerschlagen. Viel mehr zeigt sich, dass dort Gleichgesinnte Informationen austauschen, welche sie in ihrer vorgefassten Meinung bestärken. «Auch deshalb wächst die Einsicht, wie nötig ein professioneller Journalismus ist, der Qualitätsstandards einhält, Faktenchecks und vertiefte Abklärungen macht», sagt Mark Eisenegger.

Bei aller Freude über den Vertrauensgewinn gibt es auch einen Wermutstropfen. Von den öffentlichen Institutionen schneiden die Medien in der ETH-Umfrage zusammen mit den politischen Parteien immer noch am schlechtesten ab. Das Parlament und der Bundesrat geniessen zum Beispiel mehr Vertrauen. Ganz an der Spitze steht die Polizei.

Kari Kälin