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STUDIUM: SVP geht auf Nationalfonds los

Vom Numerus clausus für Geisteswissenschaften will die SVP nichts mehr wissen. Jetzt will sie den Nationalfonds an die kurze Leine nehmen.
Sermîn Faki

Vor drei Monaten wollte die SVP einen Numerus clausus (NC) für geistes- und sozialwissenschaftliche Studienfächer einführen. Dies, weil laut Fraktionschef Adrian Amstutz «viel zu viele Psychologen, Ethnologen, Soziologen, Historiker und Kulturwissenschaftler ausgebildet werden», wie er damals dem «Blick» sagte. Von dieser Forderung rückt die SVP nun ab, wie aus dem Fraktionsvorstoss hervorgeht, der am Montag eingereicht werden soll und welcher der «Zentralschweiz am Sonntag» vorliegt. Zwar hat es für die Partei noch immer zu viele Ethnologen. Aber so einfach ist die Einführung eines NC nicht – diese liegt nämlich in der Kompetenz der Kantone oder, wie in Basel, sogar in jener der Universität selbst. «Ich gehe davon aus, dass verschiedene SVP-Sektionen entsprechende Vorstösse in den kantonalen Parlamenten einreichen», sagt Amstutz nun.

Vom Ziel, die Zahl der Studienplätze in den Geisteswissenschaften zu halbieren und jene in den Natur- und technischen Wissenschaften zu verdoppeln, rückt die Mutterpartei aber nicht ab. Vehikel dafür soll der Schweizerische Nationalfonds sein, der die wissenschaftliche Forschung fördert. Die Partei fordert die Landesregierung auf, über den Nationalfonds «einen reduzierenden Einfluss» auf die Studentenzahlen in den Geisteswissenschaften auszuüben.

Produkte-Forschung fördern

Linke Bildungspolitiker schütteln darüber den Kopf: «Der Nationalfonds fördert Forschung und hat mit dem Studium nichts zu tun», sagt die grüne Nationalrätin Aline Trede. Das lässt Amstutz nicht gelten. «Der Bundesrat kann den Nationalfonds zum Beispiel verpflichten, seine Forschungsprojekte auf jene Schwerpunktfächer zu konzentrieren, die wir brauchen. Statt millionenteure Studien in Auftrag zu geben, die die Geschichte einer Unterwäsche-Fabrik erforschen, soll er Forschung für markttaugliche Produkte unterstützen», findet er. «Wir bilden für Unsummen viel zu viele Leute in den Geisteswissenschaften aus, die die Wirtschaft nicht braucht», sagt er. Diese würden dann beim Staat Unterschlupf finden, was den Steuerzahler zusätzlich zur Ausbildung nochmals belaste. Eine weitere Folge dieser Politik sei, dass man die benötigen Fachkräfte in den «vernachlässigten» technischen und Naturwissenschaften aus dem Ausland rekrutieren müsse.

Schwerpunkt in Naturwissenschaft

Doch von Vernachlässigung könne keine Rede sein, sagt Aline Trede und verweist auf den aktuellen Jahresbericht des Nationalfonds: Demnach geht lediglich ein Viertel der Fördergelder in die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, der grosse Batzen fliesst in die Naturwissenschaften. «Typisch SVP», urteilt Trede. «Populistische Forderungen aufstellen, ohne sich vorher kundig zu machen, wie eigentlich die Realität aussieht.» Auch Matthias Aebischer, SP-Nationalrat und Präsident der Bildungskommission, findet nur wenig schmeichelhafte Worte für die SVP. «Ja, wir haben Probleme mit dem Nachwuchs in bestimmten Studienrichtungen. Aber mit politisch motivierten Vorstössen lösen wir diese nicht.»

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