Wahlkampf

Sucht die SVP ihre Kandidaten auch im Ausland?

Nicht nur «Bagger»-Päuli alias Paul Accola oder Gölä stehen auf der Liste für die Wahlen 2011. Offenbar auch diverse im Ausland wohnhafte Schweizer.

Claudia Landolt
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Sind das die neuen Aushängeschilder der SVP?
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Jacques de Haller Hat auch sein Interesse an der FDP angemeldet: Der FHM-Präsident.
Gölä gibt gern seine autoritären Erziehungstipps weiter. Könnte durchaus mit der SVP sympathisieren: Der Mundartrocker Gölä.
Paul Accola (re., hier mit Alberto Tomba) «Bagger-Päuli» machte aus seinen treuschweizerischen Gefühlen nie einen Hehl
Chris von Rohr Aus dem linken Rocker wurde ein gezähmter Staatsbürger, der es insbesondere Christoph Blocher angetan hat.
Serge Demuth Gilt als neue Hoffnung der SVP.
Benjamin von Wyl Jüngstes Mitglied auf der Kandidatenliste der SP Aargau.
Viviane Hösli Die Buchhändlerin ist in Zofingen daheim und dort auch im Einwohnerrat tätig.
Flurin Burkard Er ist bereits Mitglied des Grossrats, nun will er in den Nationalrat.

Sind das die neuen Aushängeschilder der SVP?

Keystone

Nicht anders lässt es sich erklären, dass namens der Verwaltungsdirektion Hansjärg Walter (SVP/TG) heute morgen bekanntgab, dass eine Vorlage ans Parlametn gelange, wonach National- und Ständeräte, die im Ausland wohnhaft seien, zusätzlich zu den normalen Mandatsentschädigungnen Anspruch auf bis zu 80 000 Franken hätten.

Die Entschädigung richte sich nach der Entfernung des Wohnorts von Bern, und würden im Hinblick auf die Wahlen vom Herbst 2011 erfolgen, wo doch etliche Personen aus dem Ausland kandideren würden, wie Walter weiter sagte.

Wen hat die SVP da wohl im Visier? Immerhin versuchte die Bauernpartei schon einmal, die Fühler auszustrecken, um bekannte Persönlichkeiten vor ihren Wahlkarren zu spannen. Konkret ging es um Gölä, Chris von Rohr und Paul Accola, denen der Hof gemacht wurde.

Alle drei machten in der Vergangenheit keinen Hehl aus ihren politischen Überzeugungen, die dem Gedankengut der SVP so fremd nicht sind. Unisono bekräftigten auch Christoph Mörgeli, Toni Brunner und Christoph Blocher, sie würden sich für eine eventuelle Kandidatur dieser drei Prominenten stark machen.

Accola, Golä und von Rohr

Doch Accola, Gölä und von Rohr wohnen nicht im Ausland. Grund also für diese Offensive in Richtung erweitertes Honorar für im grenznahen Ausland wohnhaften Politiker könnte ganz woanders liegen - bei den Auslandschweizern nämlich.

Mehr als 120'000 Auslandschweizer sind in Stimmregistern eingetragen und beteiligen sich aktiv am politischen Leben unseres Landes. Bei Abstimmungen und Wahlen kann dieses Wählersegment das Zünglein an der Waage spielen.

Eine Untersuchung des Auslandschweizerrates (ASR) zur Beteiligung der Auslandschweizer an den Parlamentswahlen 2007 fällt positiv aus, doch nach Ansicht des ASR ist die Wahlbeteiligung der Auslandschweizer noch ungenügend. Um dies zu ändern, soll die Sensibilisierung des Wählersegments der Auslandschweizer sowohl im In- wie auch im Ausland (Eintrag in Stimmregister) intensiviert werden. Und was könnte hier besser funktionieren als die Wahl eines Auslandschweizers ins Parlament? Die perfekte Integrationsfigur für Auslandschweizer wäre gegeben.

Finanziell lohnen würde sich dies auf jeden Fall: Laut Walter sollen Parlamentsmitglieder im nahen Ausland demnach 5000 bis 15 000 Franken Zusatzentschädigung erhalten, jene im übrigen Euroipa zwischen 20 000 und 40 000 und die in der übrigen Welt 40 000 bis 80 000 Franken. Die Vorlage geht nun an den Ständerat.