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SVP: In der Romandie ist der Parmelin-Rausch verflogen

Von der Wahl ihres ersten Westschweizer Bundesrates erhoffte sich die SVP einen Aufschwung in der Romandie. Doch der bleibt aus: Noch immer dominiert ennet der Saane das Misstrauen gegenüber der «Deutschschweizer Partei».
Dennis Bühler, Antonio Fumagalli
Galt als SVP-Hoffnungsträger für die Romandie: Bundesrat Guy Parmelin. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Nyon, 17. Dezember 2015))

Galt als SVP-Hoffnungsträger für die Romandie: Bundesrat Guy Parmelin. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Nyon, 17. Dezember 2015))

Dennis Bühler, Antonio Fumagalli

Es ist mehr als die Wahl eines Waadtländers: Als Guy Parmelin am 9. Dezember 2015 seine Konkurrenten Thomas Aeschi und Norman Gobbi aussticht und in den Bundesrat gewählt wird, freut sich die gesamte Westschweizer SVP. Der Neuenburger Parteipräsident Yvan Perrin jubelt vor dem TV im Berner Hotel Ambassador mit Vertretern der Waadtländer Sektion, später trinkt man an der Fraktionssitzung Petite Arvine aus dem Wallis. Als Parmelin einige Tage später zur Wahlfeier in die Heimat reist, stoppt der Sonderzug für einen Zwischenhalt in Freiburg. Überall in der Romandie hoffen Parteivertreter, der Aufstieg des Weinbauern in die Landesregierung stelle eine Zeitenwende dar: Die SVP, die in der Romandie bei den Nationalratswahlen einen um zwölf Prozentpunkte geringeren Wähleranteil erreicht hat als in der Deutschschweiz (21 statt 32,9 Prozent), soll endlich auch im französischsprachigen Landesteil den endgültigen Durchbruch schaffen.

Der damalige Parteipräsident Toni Brunner prognostiziert: Landesvater Parmelin werde der Volkspartei ennet der Saane einen Wählerzuwachs von vier Prozent bringen. Auch SVP-Vordenker Christoph Blocher jubelt: «Unsere Strategie ist aufgegangen: Endlich haben wir einen Romand im Bundesrat!»

Niederlagen in drei Kantonen

Seit diesen Szenen sind anderthalb Jahre vergangen. Und längst sind die euphorischen Töne Katzenjammer gewichen. Ob in Freiburg, im Wallis oder am vergangenen Sonntag in Neuenburg – wo immer zuletzt in der Westschweiz gewählt wurde, verfehlte die SVP ihre Ziele: Im Freiburger Grossen Rat konnte sie ihre 21 Sitze immerhin halten, blieb aber drittstärkste Kraft hinter SP und CVP und schaffte den Einzug in die Exekutive nicht; im Wallis gewann sie zwar zwei Parlamentssitze hinzu, verlor aber das Staatsratsmandat von Oskar Freysinger; und nun in Neuenburg büsste sie 11 ihrer 20 Parlamentssitze ein und verpasste den Sprung in die Regierung klar.

In der nationalen Parteileitung ist man alarmiert. «Die Verluste sind nicht schönzureden: Sie sind dramatisch», sagt Generalsekretär Gabriel Lüchinger. Dass dieser Landesteil der SVP Schweiz alles andere als egal ist, sieht man nur schon im Organigramm. In der Parteileitung gibt es eigens einen Vertreter für die französischsprachige Schweiz. Es ist dies der perfekt zweisprachige Jurassier Didier Spies. Seine Aufgabe ist es, Befindlichkeiten aus den Westschweizer Sektionen in die nationale Parteileitung zu tragen. Spies weiss also, wie die Romandie tickt. Doch primär will er sich als Generalsekretär der SVP Jura äussern. «Westschweizer und Deutschschweizer, das sind zwei verschiedene Persönlichkeiten», sagt er. Romands seien viel sensibler. «Brüskieren geht gar nicht.» Spies denkt etwa an die Burka-Kampagne vor der Abstimmung zur Drittgenerationseinbürgerung im Februar, die ein Komitee rund um SVP-Nationalrat Andreas Glarner verantwortete. «In der Romandie kommen solche Plakate nicht gut an», sagt er. Vertreter der Westschweiz hätten die Parteileitung deshalb schon vor einiger Zeit gebeten, vor jeder nationalen Abstimmungskampagne die Sujets mit ihnen auf «kulturelle Vereinbarkeit» zu prüfen. Ohnehin würden Westschweizer alles, was von ennet des Röstigrabens kommt, «zuerst mal hinterfragen», so Spies. Die SVP werde noch immer als Partei wahrgenommen, in der Deutschschweizer den Ton angeben. Dies zu ändern brauche Zeit. «Die SVP-Ideologie muss wachsen, man kann sie nicht auf Biegen und Brechen in die Köpfe hämmern.»

Hoffen auf Heimspiel des welschen Bundesrates

Der definitive Lackmustest steht der Westschweizer SVP noch bevor: Ende Monat wählt die Waadt Parlament und Regierung neu. In Ersterem hat die SVP derzeit 27 von 150 Sitzen, doch das ist ihr nicht genug. «Unser Ziel sind 30», sagt Jacques Nicolet, Präsident der Kantonalpartei. Er zählt dabei nicht zuletzt auf die Zugkraft der «Persönlichkeit unseres Bundesrats». Wenigstens im Heimatkanton, hofft die ganze Partei, soll der Parmelin-Effekt spielen.

Bild: Grafik sbu

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