SVP-Präsidium: Die Findungskommission will Franz Grüter doch noch von einer Kandidatur überzeugen

Andreas Glarner (AG) und Alfred Heer (ZH) heissen die beiden offiziellen Kandidaten für das SVP-Präsidium. Die Findungskommission ist damit aber noch nicht zufrieden. Sie möchte drei Kandidaten haben.

Othmar von Matt
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Der Luzerner Nationalrat Franz Grüter sagte schon mehrfach Nein zu einer Kandidatur. Die Findungskommission will doch noch einmal mit ihm reden.

Der Luzerner Nationalrat Franz Grüter sagte schon mehrfach Nein zu einer Kandidatur. Die Findungskommission will doch noch einmal mit ihm reden.

Keystone

Wird Alfred Heer bald SVP-Präsident? Am Sonntag spielte sich im «SonnTalk» auf «TeleZüri» folgender Dialog ab zwischen Moderator Oliver Steffen und Gast Heer:

Oliver Steffen: Ist Deine Lust der Woche vielleicht, dass die Chancen mit jedem Tag steigen, SVP-Präsident zu werden?

Alfred Heer: Das weiss ich nicht. Da musst Du die Findungskommission fragen. Ich bin nicht zuständig dafür, wer Präsident wird.

Steffen: Aber nach den vielen Absagen ...

Heer: Ja, gut. Sie werden so lange suchen, bis sie einen anderen finden. Die Gefahr ist relativ klein.

Ein Misstrauensvotum gegen Heer und Glarner?

Diese Aussagen bringen die Stimmung bei den Nationalräten Alfred Heer (ZH) und Andreas Glarner (AG), den einzigen Kandidaten für das SVP-Präsidium, auf den Punkt. Heer wie Glarner spüren, dass die Findungskommission weitersucht. Sie empfinden das als Misstrauensvotum.

Als in der Sommersession plötzlich der Name von Nationalrätin Martina Bircher als neue Kandidatin auftauchte, waren Heer wie Glarner versucht, den Bettel hinzuschmeissen. Sie machten aber doch weiter.

Nach der Absage von Bircher will die Findungskommission nun nochmals das Gespräch mit Nationalrat Franz Grüter suchen. Quellen bestätigen das. Grüter hat die SVP des Kantons Luzern als Präsident wieder aufgebaut und dabei viele Ortssektionen gegründet.

Schon Ueli Maurer versuchte Grüter zu überzeugen

Grüters Name stand schon mehrfach zur Diskussion für das Präsidium. Selbst Bundesrat Ueli Maurer hat den Luzerner SVP-Nationalrat schon von einer Kandidatur zu überzeugen versucht. Bisher blieb Grüter stets hart und sagte Nein. Er prägt die Green-Gruppe, die er mit seinem Bruder gegründet hat, als Verwaltungsratspräsident noch immer stark mit.

Der Findungskommission gefällt es, wie Grüter die Luzerner SVP geführt hat. Sie hegt eine gewisse Hoffnung, dass sich der Nationalrat doch noch freischaufeln und sie ihn damit zu einer Kandidatur bewegen kann.

Die SVP hat Grüter bereits enger eingebunden. Ende März teilte die Parteileitung mit, der Luzerner Nationalrat sei per sofort Stabschef und nehme mit beratender Stimme Einsitz im Parteileitungsausschuss, dem zentralen Führungsgremium der SVP. Als Stabschef ist Grüter für die Kantone zuständig. Er hat in seiner neuen Funktion schon einzelne Kantone besucht.

Grüter: «Präsidium ist für mich kein Thema»

Mit ihm habe in den letzten Tagen niemand von der Findungskommission gesprochen, sagt Franz Grüter selbst. Er weilt zurzeit in den Ferien. «Das Präsidium ist für mich nach wie vor kein Thema», betont er. «Ich bin bei der Green-Gruppe noch immer stark engagiert.»

Zurzeit bleiben Glarner und Heer somit die einzigen Kandidaten für den Präsidentenposten der SVP. Insider sagen, die Findungskommission möchte dem Parteileitungsausschuss aber drei Kandidaten für den Präsidentenposten präsentieren können.

Die Befürchtung, dass Glarner Heer im Duell schlägt

Nationalrat Andreas Glarner (AG).

Nationalrat Andreas Glarner (AG).

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Es existieren aber offenbar auch Befürchtungen, dass Glarner eine Ausmarchung gegen Heer am 22. August vor den SVP-Delegierten in Brugg gewinnen würde. So, wie er den Kampf um das Präsidium der SVP des Kantons Aargau gewann.

Nationalrat Alfred Heer (ZH).

Nationalrat Alfred Heer (ZH).

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Nationalrat Glarner war als klarer Aussenseiter in die Ausmarchung mit Grossrat Rolf Jäggi gestiegen, schlug ihn aber dank einer «Brandrede» vor den Delegierten deutlich.

Das könnte sich wiederholen. Auch weil es in der Findungskommission so aussah, dass Glarners Motivation, SVP-Präsident zu werden, höher sei als jene von Heer. Damit hätte die SVP einen Präsidenten, der sehr stark provoziert und polarisiert.

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