SVP-Präsidium: Werner Salzmann ist Favorit des engsten Zirkels - kommt es zum Duell mit Alfred Heer?

Einziger offiziell bekannter Kandidat für das SVP-Präsidium ist nach wie vor Alfred Heer. Doch in der nächsten Woche führt die Findungskommission eine Reihe von Gesprächen. Auch mit Ständerat Werner Salzmann.

Othmar von Matt
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Im Duell? Der Berner Ständerat Werner Salzmann (links) und der Zürcher Nationalrat Alfred Heer.

Im Duell? Der Berner Ständerat Werner Salzmann (links) und der Zürcher Nationalrat Alfred Heer.

Keystone/Montage CH Media

Die Aussage «Ich will» sei typische Zürcher Art, heisst es in Berner SVP-Kreisen. Die Anspielung bezieht sich auf das Vorpreschen von Alfred Heer. Die SVP des Kantons Zürich hat ihn als bisher einzigen offiziellen Kandidaten für das SVP-Präsidium gemeldet.

In Bern hingegen übt man sich gerne in nobler Zurückhaltung. So, wie das Werner Salzmann vormachte. «Die Priorität liegt nicht bei mir. Ich trete nicht an», hatte der Berner Ständerat gegenüber dem Newsportal Nau.ch gesagt.

«Die Priorität liegt nicht bei mir»: Die Botschaft hinter dem Satz

Die Findungskommission unter Präsident Caspar Baader, die dem Parteileitungsausschuss einen Vorschlag für das Präsidium unterbreiten wird, hat den Kern der Botschaft von Salzmann richtig verstanden. «Die Priorität liegt nicht bei mir» heisst so viel wie: «Wenn es mich braucht, dann bin ich - unter gewissen Bedingungen - durchaus bereit für das Präsidium.» Das bestätigen mehrere Insider.

Deshalb hat die Findungskommission Salzmann für nächste Woche zu einem Gespräch eingeladen. Er ist Favorit des engsten Zirkels, wie ebenfalls mehrere Quellen bestätigen.

Werner Salzmann und das KKK-Prinzip

Das hängt stark damit zusammen, dass Salzmann Oberst im Heeresstab ist und damit das KKK-Prinzip - kommandieren, kontrollieren, korrigieren - im Schlaf beherrscht. Das KKK-Prinzip ist aus Sicht des engsten SVP-Zirkels wichtig, weil sich rund ein Drittel der SVP-Sektionen in einem sehr schlechten Zustand befindet. Das hat eine interne Analyse gezeigt.

Mit dem Sprung in den Ständerat hat Salzmann im Kanton Bern aber auch eine kleine Sensation geschafft. Zudem konnte er als Kantonalpräsident den Anteil der Berner SVP bei 30 Prozent halten - auch wenn sie 3,1 Prozent verlor.

Salzmann führt die Partei seriös und engagiert und war als Präsident in fast allen der 230 Berner Ortssektionen unterwegs, um zu erfahren, wo der Schuh drückt. Das sagen Beobachter. Salzmann wäre zudem nicht der erste Ständerat, der SVP-Präsident würde: Hans Uhlmann (TG) war im Oktober 1987 in den Ständerat (bis 1999) und im Jahr darauf zum SVP-Präsidenten (bis 1996) gewählt worden.

Das Lob für Alfred Heer

Vieles deutet darauf hin, dass es in der Findungskommission zu einem Duell zwischen Salzmann und Alfred Heer kommt. Auch dieser ist zu einem Gespräch aufgeboten. Heer erhält viel Lob von einem Nationalrat, der bis vor kurzem als Kronfavorit galt auf das SVP-Präsidium: Marcel Dettling.

Er könne sich Heer durchaus als SVP-Präsident vorstellen, sagt der Schwyzer Nationalrat. Heer sei «sehr intelligent, intern gut verankert und kommunikativ», betont Dettling. «Er war der erfolgreichste Präsident der SVP des Kantons Zürich überhaupt. Und er spricht 4 bis 5 Sprachen, darunter italienisch und französisch.»

Auch Dettling selbst ist für ein Gespräch vor der Findungskommission aufgeboten. «Meine Position ist immer noch dieselbe», betont er. Er könne sich ein Präsidium aus zeitlichen Gründen fast nicht vorstellen wegen der Familie und wegen des Betriebs.

Wann Glarner antritt - und wann nicht

Nationalrat Andreas Glarner (SVP).

Nationalrat Andreas Glarner (SVP).

Keystone

Gespräche hat die Findungskommission auch mit den Nationalräten Franz Grüter (LU) und Andreas Glarner (AG) vereinbart. Auch Grüter kann sich kaum vorstellen, dass er von seinem Entscheid abrückt, nicht zu kandidieren. «Ich müsste zu viel in meinem Leben preisgeben, vor allem bei Green», hatte er gesagt.

Glarner wiederum betont, er würde antreten, sollte die Findungskommission Kandidaten vorschlagen, «die für mich ein No go sind». Sicher nicht antreten würde er aber bei einem Kandidaten Marcel Dettling. «Der neue Präsident muss in erster Linie ein Motivator sein», sagt Glarner. «Er darf nicht einfach befehlen.» Was als Spitze gegen Oberst Salzmann verstanden werden kann.

Definitiv abgesagt hat inzwischen Nationalrätin Sandra Sollberger (BL). «Ich habe mich nach langen Gesprächen im Zusammenhang mit unserem Geschäft dazu entschieden, auf eine Kandidatur zu verzichten», sagt die Malermeisterin. ««Geschäft und Präsidium haben nicht gemeinsam Platz.»

Ist die Kandidatensuche gesteuert?

Viele stellen sich die Frage, ob die Kandidatensuche gesteuert ist und SVP-Doyen Christoph Blocher letztlich einen Präsidenten aus dem Hut zaubert. Das glaubt der Schwyzer Nationalrat Marcel Dettling nicht. «Der Ablauf entspricht dem Drehbuch, wie es die Statuten für eine Präsidentenwahl vorsehen», sagt er. «Das ist eine ganz normale, offene Wahl.» Blocher und seine Tochter Magdalena Martullo hielten sich zurück. «Sie haben sich nach innen wie nach aussen sehr bedeckt gehalten, wen sie als Präsidenten bevorzugen würden.»

Die Findungskommission führe «im Verlaufe der nächsten Wochen Gespräche mit verschiedenen Interessenten, die sich selber gemeldet haben oder gemeldet wurden», sagt Präsident Caspar Baader. «Wir behalten es uns vor, auch Kandidaten anzuhören, die wir selber eruieren.»

Nationalrätin Céline Amaudruz (SVP).

Nationalrätin Céline Amaudruz (SVP).

Keystone

Ob die Kommission dem Parteileitungsausschuss einen Einer- oder einen Zweiervorschlag unterbreite, sei noch nicht entschieden, sagt Baader. Noch nicht diskutiert hat die Kommission auch die Frage, ob ein Co-Präsidium denkbar ist, wie es die SP zurzeit installiert. Der Vorschlag dazu kam von Nationalrätin Céline Amaudruz (GE). Auch sie dürfte noch einen Termin bei der Findungskommission erhalten.