TABAK: «Nur 10 Rappen mehr schmerzen nicht»

Immer weniger Schweizer rauchen. Der Präsident der Kommission für Tabakprävention erklärt, weshalb er Zigaretten dennoch massiv verteuern möchte.

Interview Kari Kälin
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Immer weniger Schweizer rauchen. (Bild: Keystone)

Immer weniger Schweizer rauchen. (Bild: Keystone)

Bruno Meili, im Jahr 2001 rauchten 33 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung, unterdessen sind es noch 24,8 Prozent. Weshalb braucht es überhaupt noch Preiserhöhungen?

Bruno Meili*: Der Bund will den Anteil der Rauchenden bis 2016 auf 23 Prozent senken, wie man im nationalen Programm Tabak des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) nachlesen kann. Das entspricht den Zielen der umliegenden Länder. Es braucht viel Prävention, um diesen Wert langfristig zu erreichen. Eine zielführende Massnahme ist ein höherer Tabakpreis. Deshalb schlägt die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention (EKTP) vor, dem Bundesrat die Kompetenz zu geben, den Zigarettenpreis um bis zu 20 Prozent zu erhöhen. Mit der Revision des Tabaksteuergesetzes, die noch in diesem Jahr in die Vernehmlassung gehen soll, bietet sich die passende Gelegenheit.

Mit Ihrem Vorschlag würde der Preis für ein Päckchen Zigaretten von heute 8.20 Franken auf fast 10 Franken ­steigen. Soll der Bundesrat den Tabak auf einen Schlag derart stark verteuern?

Meili: Ich würde den Preis für ein Päckchen Zigaretten in Tranchen um jeweils 10 Prozent erhöhen. Dies entspricht den Empfehlungen der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach Erhöhungen im Bereich von 10 Prozent am wirksamsten sind. Den Preis nur um 10 Rappen zu erhöhen, wie es der Bundesrat letztmals im April tat, bringt wenig. Das schmerzt finanziell nicht und entfaltet keine präventive Wirkung.

Stark abhängige Raucher legen den Glimmstängel doch auch nicht zur Seite, wenn sie für ein Päckchen 10 Franken hinblättern müssen.

Meili: Es ist in der Tat schwierig, Tabakabhängige via Preis von ihrer Sucht zu befreien. Wir wollen mit unserem Vorschlag vor allem die Prävention bei den Jugendlichen verstärken. Wenn Zigaretten plötzlich 9 oder sogar 10 Franken kosten, fangen viele erst gar nicht mit Rauchen an. Internationale Studien belegen, dass Jugendliche sehr sensibel auf den Preis reagieren. Und wer bis zu einem Alter von 20 Jahren keine Zigaretten ansteckt, dem kann auch die Werbung nichts mehr anhaben.

Kevin Suter, Pressesprecher der Firma Japan Tobacco International mit Sitz in Dagmersellen, hat gegenüber der «Aargauer Zeitung» gesagt, es gebe keinen Beweis, dass wegen höherer Zigarettenpreise weniger geraucht werde. In Irland zum Beispiel habe dies keinen Einfluss auf den Konsum gehabt. Ihr Kommentar?

Meili: Dieses Argument bringt die Tabakindustrie immer wieder auf den Tisch. Stützt man sich auf Studien, die von unabhängiger Seite erstellt wurden, sieht man eindeutig, dass der Zigarettenkonsum bei höheren Preisen zurück-geht. Die WHO zum Beispiel kommt zum Schluss, dass die Nachfrage um 4 Prozent sinkt, wenn ein Päckchen Zigaretten auf einen Schlag 10 Prozent mehr kostet.

2012 nahm die Zahl der Schmuggelfälle um 39 Prozent auf 1584 zu, wie die Eidgenössische Zolldirektion festhält. In Österreich, Italien und Deutschland sind Zigaretten im Vergleich um die 2 Franken billiger als in der Schweiz. Steigt der Zigarettenpreis abermals, reiben sich die Schmuggler die Hände.

Meili: Ihr Einwand tönt wie der Refrain der Tabakindustrie. Es kann ja auch sein, dass die Zollbeamten 2012 besser aufpassten als im Vorjahr und deshalb mehr Schmuggelfälle entdeckten. Zudem handelte es sich bei den «Schmugglern» in den meisten Fällen um Einzelpersonen, die sich im Ausland mit billigen Zigaretten eindeckten. Ich bin überzeugt, dass wir in der Schweiz kein Schwarzmarktproblem haben und nicht Zigaretten in grösserem Umfang illegal ins Land geschleust werden.

Was macht Sie so sicher?

Meili: Gemäss einer Studie des europäischen Dachverbandes der Krebsligen befeuern insbesondere drei Elemente den Zigarettenschmuggel: erstens ein industrieller Zulieferer für den Schwarzmarkt – in der Vergangenheit war das die Tabakindustrie selber –, zweitens korrupte Strukturen und das organisierte Verbrechen und drittens eine schwache Zollorganisation. Zweifellos erfüllt die Schweiz keine dieser Bedingungen auch nur annähernd.

Hinweis

* Bruno Meili (67) ist Präsident der Eidgenös- sischen Kommission für Tabakprävention.