TARIFE: ÖV-Preise drohen zu steigen

Die Kosten für den Regionalverkehr laufen bis 2021 aus dem Ruder. Deshalb stehen happige Tariferhöhungen bevor. Die Kantone warnen vor Verlagerungen auf die Strasse.

Tobias Gafafer
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Symbolbild Keystone / Gaetan Bally

Symbolbild Keystone / Gaetan Bally

Ende 2018 plant der Zürcher Verkehrsverbund den grössten Ausbau seiner Geschichte. Auch in der Zentralschweiz ist das ÖV-Angebot laufend verbessert worden. Die immer dichteren Fahrpläne haben ihren Preis: Die Kosten für den Betrieb des Regionalverkehrs explodieren in den nächsten Jahren. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) rechnet von 2018 bis 2021 mit 880 Millionen Franken zusätzlich. Dies schrieb das BAV letzten November in einer Mitteilung, die wenig beachtet wurde, obwohl sie Zündstoff birgt – für die Passagiere, Kantone und Bahnen.

Aktuell zahlen Passagiere die Hälfte

Bund und Kantone zahlen im Regionalverkehr je etwa einen Viertel der Kosten und die Nutzer die Hälfte. Das BAV sieht für die fragliche Vierjahresperiode 160 Millionen Franken zusätzlich vor. Mehr liegt nicht drin: Der Bedarf übersteigt die Mittel bei weitem, zumal der Bund sein Ausgabenwachstum bremsen muss. Weitere 160 Millionen dürften gemäss dem Schlüssel die Kantone übernehmen.

Die verbleibenden 560 Millionen sollen zu Lasten der Bahnen und Passagiere gehen. Diesen Grundsatzentscheid fällte der Bundesrat unlängst. Die Botschaft ans Parlament folgt dieses Jahr, die Zahlen sind also noch nicht definitiv. Die bundesrätliche Variante führt laut Branchenkennern von 2018 bis 2021 zu Mehrkosten von rund 400 Millionen Franken für die Kunden. Denn die Bahnen können höchstens einen Teil mit Effizienzsteigerungen auffangen. Für die Nutzer hiesse das, dass die Tarife allein wegen des Regionalverkehrs im Schnitt jährlich um etwa 3 Prozent steigen.

Kosten steigen bereits 2017

Branche und Bund versuchen den Ball vorerst flach zu halten. Über Tariferhöhungen entscheidet letztlich der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV). «Wir hätten es lieber, wenn sich die öffentliche Hand stärker beteiligen würde», sagt Direktor Ueli Stückelberger. Er warnt aber vor Panikmache. «Wir rechneten bereits 2017 mit einem Problem.» Für dieses Jahr dürften die Mittel knapp reichen. BAV-Sprecher Andreas Windlinger sekundiert, bei den 880 Millionen handle es sich um ein Maximum. «In den letzten Jahren entwickelten sich die Nachfrage und die Einnahmen besser als prognostiziert.» Zudem ermöglichen Projekte wie die Durchmesserlinie der AB einen effizienteren Betrieb.

Doch auch für Stückelberger ist klar, dass die Kunden mehr bezahlen müssen. Nach einer Nullrunde geht der VÖV bereits für 2017 von einer Tarifrunde von rund 3 Prozent aus; dies vorerst nicht primär für den Regionalverkehr, sondern für den Ausbau des Bahnnetzes im Rahmen der Fabi-Vorlage.

Tarifrunden nur bei Mehrwert

Zentral sei ein besseres Angebot, sagt der Zuger Regierungsrat Matthias Michel (FDP), Präsident der kantonalen ÖV-Direktoren. «Der Nutzer ist bereit, mehr zu bezahlen, wenn er einen Mehrwert hat.» Das ist in vielen Regionen der Schweiz der Fall. «Weite Kreise teilen die Ansicht, dass die Mobilität zu günstig ist.» Der Staat solle diese nicht steuerlich begünstigen. Nach dem Bund haben denn auch Kantone den Pendlerabzug begrenzt.

Und doch beobachten die Kantone die Entwicklung mit Sorge, zumal sie ebenfalls sparen müssen. Der Bund solle sich solidarisch an den höheren Kosten beteiligen, sagt Michel und fordert gleich lange Spiesse: «Die Tariferhöhung muss auf die Beiträge der Strassenbenutzer abgestimmt sein.» Es dürfe nicht zu Verlagerungen kommen. Nötig sei eine bessere Abstimmung des Netzausbaus und des Budgets für den Betrieb. Immerhin: Laut BAV haben sich die Kantone beim Ausbauschritt 2030 auf eine Mitfinanzierung verpflichtet.

Tobias Gafafer