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Tarifverbund bremst Bergbahnen aus: «Das ist reine Machtpolitik zum Schaden des Gastes»

Im Bergbahnenstreit setzen sich die grossen Anbieter durch. Das Stanserhorn, das Brunni und das Schilthorn dürfen künftig keine Touristen mehr zum Pauschaltarif transportieren. Unfair und anmassend sei das, ärgern sich die betroffenen Bahnen.
Roger Braun
Von den Titlisbahnen ausgebootet: Die Brunnibahnen unterliegen im Streit um das Touristen-GA. Bild: Urs Flüeler/Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018)

Von den Titlisbahnen ausgebootet: Die Brunnibahnen unterliegen im Streit um das Touristen-GA. Bild: Urs Flüeler/Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018)

Für ausländische Touristen ist der Swiss-Travel-Pass eine schöne Sache. Für einen attraktiven Pauschalpreis können sie den öffentlichen Verkehr der Schweiz unbeschränkt nutzen. Was die Touristen freut, vergiftet indes die Stimmung in der Branche.

Im Kreuzfeuer der Kritik stehen die Schilthornbahn im Berner Oberland sowie die Stanserhorn- und die Brunnibahnen in der Zentralschweiz. Die drei Unternehmen akzeptieren seit Anfang 2018 das Touristen-GA und haben damit den Zorn ihrer Mitbewerber auf sich gezogen. Insbesondere die regional bedrängten Jungfraubahnen sowie die Titlisbahnen werfen den drei kleineren Bergbahnen vor, mit «Dumpingpreisen» den Markt kaputtzumachen. Vergangenen Juni verboten sie den drei Bergbahnen, das Touristen-GA ­weiterhin anzuerkennen. Diese wehrten sich mit Erfolg beim Bundesamt für Verkehr, das den Entscheid rückgängig machte.

Preisdumping oder gesunde Konkurrenz?

Nun legt die Gruppe der grossen Anbieter nach. Diese Woche entschied die Tarifgemeinschaft «Direkter Verkehr Schweiz» auf Antrag der Jungfraubahnen, dass die Bergbahnen künftig nicht mehr frei sind, das Touristen-GA anzuerkennen. Will eine Bahn beim Swiss-Travel-Pass mitmachen, muss sie auch allen Besitzern von regulären GA freie Fahrt gewähren. «Indem wir klare Kriterien für die Teilnahme aufstellen, verhindern wir, dass wir den Swiss-Travel-Pass an die Wand fahren», begründet der Sprecher von «Direkter Verkehr Schweiz», Thomas Ammann, den Entscheid. Die Befürchtung des Tarifverbunds: Wenn immer mehr Bergbahnen das Touristen-GA anerkennen, schrumpft die Ausschüttung aus dem Abo-Topf pro Fahrt. Und erhöht man alternativ den Preis des Passes, wird er für Touristen zu teuer. Für die Bergbahnen am Schilthorn, Brunni und Stanserhorn ist der Entscheid einschneidend. Da sie das reguläre GA nicht anerkennen, dürfen sie künftig keine Touristen mehr zu einem Pauschaltarif befördern. Der Direktor der Schilthornbahn, Christoph Egger, ärgert sich:

«Das ist reine Machtpolitik zum Schaden des Gastes. Die Grossen haben rücksichtslos alle Register gezogen, um ihre Konkurrenten loszuwerden, das ist sehr bedauerlich.»

Mit Bitterkeit kommentiert auch der Geschäftsführer der Brunnibahnen, Thomas Küng, den Entscheid. «Die Grossen haben uns die Teilnahme missgönnt und sind deswegen auf allen Ebenen gegen uns vorgegangen», sagt er.

Gegen den einstigen Rauswurf aus dem Tarif hatten sich die drei Bergbahnen noch juristisch gewehrt. Nun scheinen sie das Verdikt zu akzeptieren. Die Ausgangslage ist denn auch nicht mehr dieselbe. Vergangenen Juni zielte der Entscheid in diskriminierender Art auf die drei aufmüpfigen Bergbahnen, da einzig «Zahnrad-, Luftseil- und Standseilbahnen ohne Erschliessungsfunktion» betroffen waren. «Mit der GA-Anerkennung gibt es nun immerhin ein eindeutiges Kriterium, das nicht mehr willkürlich für einzelne Transportmittel gilt», anerkennt der Direktor der Stanserhornbahnen, Jürg Balsiger. Der Entscheid dieser Woche ist auch besser abgestützt. Kam der Rauswurf im Juni plötzlich und ohne Absprache, geht der Tarifverbund nun behutsamer vor. Der Entscheid des strategischen Ausschusses wird als Nächstes den rund 250 Transportunternehmen zur Abstimmung vorgelegt. Nur wenn eine Mehrheit zustimmt, wird der Zugang zum Swiss-Travel-Pass eingeschränkt.

Die Zustimmung dürfte derweil reine Formsache sein, weil viele Unternehmen nicht direkt betroffen sind und ein Interesse daran haben, dass sich nicht zu viele Betriebe aus dem Topf des Swiss-Travel-Passes bedienen. Die Vertreter der drei unterlegenen Bahnen wollen den Entscheid noch im Detail studieren, bevor sie einen definitiven Entscheid fällen. Ein erneuter Rechtsstreit ist allerdings unwahrscheinlich.

Bald freie Fahrt für GA-Besitzer aufs Brunni?

Theoretisch hätten die drei Bahnen die Möglichkeit, weiterhin mit dem Swiss-Travel-Pass zu arbeiten, wenn sie das reguläre GA anerkennen. Nicht in Frage kommt das fürs Schilthorn: «Die Einnahmenverluste wären viel zu gross für uns», sagt Egger. Balsiger vom Stanserhorn ist ebenfalls kritisch:

«Gerade an sonnigen Tagen würden wir in einen Kapazitätsengpass geraten, wenn für GA-Besitzer freie Fahrt gälte.»

Leise Hoffnung dürfen sich GA-Halter am Brunni machen. Eine alleinige Anerkennung des GA lohne sich für die Bahn nicht, sagt Küng. «Wenn wir allerdings im Gegenzug den Swiss-Travel-Pass berücksichtigen können, könnte es unter dem Strich aufgehen.»

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