TAXI: Umstrittener Taxi-Dienst strebt nach mehr in der Schweiz

Billiger als ein herkömmliches Taxi: Die US-Firma Uber drängt in den Schweizer Taxi-Markt. Es dürfte nicht dabei bleiben.

Dominik Buholzer
Merken
Drucken
Teilen
Ein Fahrzeug des Taxi-App-Dienstes Uber (Archiv) (Bild: Keystone)

Ein Fahrzeug des Taxi-App-Dienstes Uber (Archiv) (Bild: Keystone)

Rasoul Jalali übt sich nicht in Bescheidenheit. «Wir hatten in Zürich einen fulminanten Start. Wir sind selber überrascht, wie gut es läuft», sagt der General Manager von Uber Zürich.

Seit 2009 bietet Uber in Zürich einen Limousinen-Dienst und seit gut einer Woche mit UberX nun auch herkömmliche Taxifahrten an. Damit schickt sich das Unternehmen aus San Francisco an, den Schweizer Taxi-Markt aufzumischen. Das besondere an Uber ist, dass der gesamte Service-Vorgang von der Bestellung des Wagens bis zur Bezahlung über eine Smartphone-App abläuft. Da auf fixe Standplätze verzichtet wird, will Uber nach eigenen Angaben 30 bis 40 Prozent günstiger sein als eine herkömmliche Taxifahrt.

«Wir erleben einen Ansturm»

Der Start in der Schweiz ist, glaubt man dem Unternehmen, geglückt. Überprüfen lässt sich dies nicht. Wenn es um Zahlen geht, ist Uber äusserst knausrig. «Es entspricht nicht unserer Firmenpolitik, dass wir Zahlen öffentlich bekannt geben», sagt Jalali. So bleibt denn ein gut gehütetes Geheimnis, wie viele Fahrer Uber in Zürich im Einsatz hat. Die «NZZ am Sonntag» hat sich bei Fahrern rumgehört und ist auf 75 gekommen. Jalali will diese Zahl weder bestätigen noch dementieren. Er sagt lediglich: «Die Anzahl Fahrer steigt täglich. Wir erleben einen wahren Ansturm.»

Wütende Taxifahrer

In der Branche sieht man den neuen Mitspieler nicht gerne. Weltweit weht dem Start-up, das in 37 Ländern aktiv ist, ein rauer Wind entgegen. Erst vor wenigen Tagen blockierten in ganz Europa Taxifahrer aus Protest gegen Uber die Strassen. Die Taxiunternehmen sehen durch die neuen Anbieter ihr Geschäft bedroht. Aus ihrer Sicht entsteht ein unfairer Wettbewerb, weil der neue Mitstreiter aus dem Internet mit seiner App die strikten Regeln des Taxigewerbes aushebelt. Die Zürcher Taxi Sektion moniert, dass es bei den Fahrern der Billigkonkurrenz vor allem um Privatleute handelt, die nicht kontrolliert würden. Zudem würden diese keine regelmässigen Gesundheitschecks absolvieren.

Jalali nimmt die Kritik gelassen. «Wir mischen das Geschäft auf. Das ist gut so. Lassen wir doch den Markt spielen», sagt er. Die ersten Reaktionen zeigten, dass viele in Zürich auf ein Angebot wie Uber gewartet hätten, so der General Manager. «Taxifahren war in Zürich ja fast nicht mehr bezahlbar.» Und zum Vorwurf, Uber-Fahrer würden nicht kontrolliert, sagt Jalali: «Das ist nicht haltbar. Für uns sind nur professionelle Fahrer, die über die entsprechende Ausbildung und Lizenzen verfügen, im Einsatz.»

Zuerst Zürich, Genf, dann Luzern?

Bei Zürich soll es nicht bleiben. Die Expansion nach Genf steht fest, Stelleninserate sind bereits geschaltet. Ein fixes Startdatum will Jalali aber nicht nennen. «Das wäre unseriös. Aber allzu lange wird es nicht mehr gehen», betont er. Und dann soll der Expansionskurs möglichst schnell fortgesetzt werden. Luzern und Zug sind mögliche Kandidaten. Rasoul Jalali: «Gerade aus Luzern bekommen wir sehr viele Anfragen, ob wir unseren Dienst nicht auch dort anbieten.» Nicht nur deswegen denkt Uber über einen Gang in die Innerschweiz nach: «Luzern ist eine Touristenstadt und deshalb für uns von besonderem Interesse.»

Entschieden ist noch nichts, genauso wie nicht festgelegt ist, ob Uber ins Logistikgeschäft einsteigen wird. Erste Anzeichen dafür gibt es aber. In New York arbeitet das Unternehmen mit Velokurieren zusammen. Genauso wie über die App ein Taxi bestellt und bezahlt werden kann, lässt sich in New York über die App ein Velokurier buchen. Wird Uber damit schon bald in der Schweiz auffahren? Rasoul Jalali will dies nicht grundsätzlich ausschliessen. «Wir prüfen dauernd, wie wir unser Angebot ausbauen können», sagt er. Aktuell steht das Projekt aber nicht auf der Agenda – noch nicht.