Kommentar

Technokraten gegen den Dreck der Erde

Die Genossenschaft Migros Basel errichtet zusammen mit dem Technologie-Unternehmen «Growcer» bis Mitte Jahr die erste «Robotic Vertical Farm» der Schweiz. Technokraten mit Informatikabschlüssen werden als die besseren Bauern gehandelt. 

Anna Miller
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Jetzt hat also bald auch die Schweiz ihre erste vertikale Anbaufarm. Im Grunde ist das – verdrängt man mal ganz kurz, dass Roboter das Essen ernten und wir nicht wissen, was sterile Ernährung mit uns machen wird – eine doch sehr interessante Vision für die Zukunft.

Denn die neue Anbaumethode, die kaum Wasser braucht, total gleichmässig wachsen lässt und pestizidfreie Lebensmittel produziert, garantiert in ein paar Jahren, wenn die Ressourcen knapp würden, Essen für viele. Die Methode ist umweltschonend und vielleicht sogar irgendwann auch kostengünstig. Im Moment jedoch ist Vertical Farming noch sehr teuer, sehr futuristisch – und in einem Land wie der Schweiz, wo noch genügend Ackerfläche und Landwirtschaft da sind, um uns zu ernähren, eher ein Tech-Hype als reale Notwendigkeit.

Für einen Planeten, der von Naturkatastrophen heimgesucht wird, auf welchem Menschen vorwiegend in Megacities leben und pro Kopf viel zu viel konsumiert wird, mag Vertical Farming uns tatsächlich retten. Schade aber, dass es so weit kommen muss. Ist Nähe zur Natur, so dreckig und erdig und unperfekt und unkontrollierbar sie sein mag, doch etwas, was das Leben lebenswert macht. Doch leider werden Technokraten mit Informatikabschlüssen als die besseren Bauern gehandelt. Denn wo Digitalisierung draufsteht, rennen die Leute vermeintlich ganz viel Inhalt hinterher – ob vollwertig oder nicht.