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TESSIN: Lombardis geplatzter Traum

Lange wurden Filippo Lombardi Bundesratsambitionen nachgesagt. Doch die Landesregierung scheint für den Tessiner ausser Reichweite – unabhängig davon, ob Ignazio Cassis am Mittwoch gewählt wird.
Tobias Bär
246 Parlamentarier würden gerne Bundesrat werden, sagte Lombardi einst – er wird es wohl nicht mehr. (Bild: Benedetto Galli/Ti-Press/Keystone)

246 Parlamentarier würden gerne Bundesrat werden, sagte Lombardi einst – er wird es wohl nicht mehr. (Bild: Benedetto Galli/Ti-Press/Keystone)

Tobias Bär

Nachdem Didier Burkhalter während der Sommersession über­raschend seinen Rücktritt angekündigt hatte, war CVP-Ständerat Filippo Lombardi auffallend schlecht gelaunt. So erzählen es Beobachter. Natürlich muss der Abgang des FDP-Bundesrates nicht zwingend der Grund für Lombardis Verstimmung gewesen sein. Doch plausibel wäre es. Denn unmittelbar nach Burk­halters Ankündigung einigte man sich in Bern auf einen Kron­favoriten für dessen Nachfolge, auf Ignazio Cassis nämlich.

Cassis ist FDP-Fraktionschef, vor allem aber Tessiner, wie Lombardi. Zwei Tage vor der Wahl spricht weiterhin alles für Cassis. Damit wäre eine Kandidatur von Lombardi ausgeschlossen, wenn es um die Nachfolge von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard geht, die spätestens im Herbst 2019 zurücktreten will.

Zu wenig Rückhalt in der eigenen Fraktion

Doch zieht es den 61-Jährigen überhaupt in den Bundesrat? «Nicht mehr» – so lautet der Tenor, wenn man sich in der CVP-Fraktion umhört. Dass Lombardi mit einem Sitz in der Landes­regierung liebäugelte, ist ein offenes Geheimnis. So sagte er vor zweieinhalb Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung sibyllinisch: «246 Parlamentarier würden das Amt gerne übernehmen.»

Inzwischen hat der langjährige Ständerat seine Bundesratsambitionen offenbar begraben, und das hängt nicht nur mit ­Cassis zusammen. Vielmehr fehlt es ihm an der nötigen Unter­stützung in den eigenen Reihen. «Lombardi würde es nicht auf das CVP-Ticket schaffen», sagt ein Fraktionsmitglied. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil der Tessiner der Chef der CVP-National- und Ständeräte ist. Doch gerade an seiner Arbeit als Fraktionspräsident wird interne Kritik laut. Lombardi führe nicht, lese sich nur noch oberflächlich in die Geschäfte ein, setze falsche Prioritäten. Es sind die Punkte, die bereits im Vorfeld von Lombardis Wahl zum Fraktionschef im Januar 2014 zur Sprache kamen. Zwar gibt es auch CVP-Parlamentarier, welche die «engagierte Arbeit» ihres Chefs loben. Doch die Kritik lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: «Ich bin enttäuscht von ihm», sagt ein Fraktionsmitglied.

Lombardi ist ein auffallender Politiker, dies nur schon wegen seiner beeindruckenden Erscheinung und seiner tiefen Stimme. Einer, der es gut mit Menschen kann, ein begnadeter, mehr­sprachiger Kommunikator. Als er 2013 den Ständerat präsidierte, stellte er einen neuen Reiserekord auf, besuchte über 20 Länder – mit den entsprechenden Konsequenzen für das Bundesbudget. Lombardi tendiert zur Masslosigkeit. «Ich bin ein ­bisschen zu lateinisch», sagte er vor Jahren in einem Fernseh­interview. Lombardi sitzt im ­Ver­waltungsrat mehrerer Tessiner Medienunternehmen, dazu ­kommen weitere Ämter wie das Präsidium des Eishockeyclubs Ambri-Piotta, gemäss Parlamentsseite sind es insgesamt 18 Mandate. Auf die Frage, wie er auf derart vielen Hochzeiten tanzen könne, sagte Lombardi einst in Anlehnung an den deutschen Kaiser Wilhelm I.: «Ich habe ­keine Zeit, müde zu sein.»

Die Junge CVP hält zu Lombardi

Nachdem die FDP vor zehn ­Tagen ihr Dreierticket bestimmt hatte, meldete sich der CVP-Nachwuchs zu Wort: «Die Junge CVP will Filippo Lombardi als Bundesrat.» Die Forderung ist nicht ernst zu nehmen, der Anspruch der FDP auf zwei Sitze in der Landesregierung wird von keiner Partei bestritten.

Doch es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass Lombardis Name im Zusammenhang mit Bundesratswahlen aufgetaucht ist. Die bundespolitische Karriere des 61-Jährigen scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die Frage, ob er 2019, nach 20 Jahren im Ständerat, noch einmal kandidieren werde und wie lange er das Amt des Fraktionspräsidenten noch ausfüllen wolle, beantwortet Lombardi mit einem einzigen, knappen Satz: «Es gibt, zum Glück, auch ein Leben ausserhalb der Politik.»

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