Tessiner Studie zeigt: Elf Prozent der Bevölkerung mit Coronavirus infiziert

Eine grossangelegte Antikörperstudie zeigt, dass sich wahrscheinlich rund elf Prozent der Tessiner Bevölkerung mit dem Coronavirus angesteckt haben. Damit wäre nur jeder zehnte Fall registriert worden.

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Das Tessin war von der Pandemie besonders stark betroffen: Als die erste Welle ihren Höhepunkt erreichte, lagen Hunderte im Spital.

Das Tessin war von der Pandemie besonders stark betroffen: Als die erste Welle ihren Höhepunkt erreichte, lagen Hunderte im Spital.

Keystone

(wap) Kein anderer Kanton wurde von der Pandemie derart hart getroffen wie das Tessin. Am Dienstag hat der Kanton erste Ergebnisse einer gross angelegten Antikörperstudie veröffentlicht. Diese zeigt, dass 11 Prozent der untersuchten Personen zwischen 20 und 64 Jahren Antikörper gegen das Coronavirus im Blut hatten. Hochgerechnet bedeutet das: Im Südkanton sind etwa 23'000 Personen mit dem Virus infiziert worden. Registriert worden waren im Tessin bisher nur etwas mehr als 2000 Fälle.

Die Tessiner Daten liegen damit deutlich über jenen, die dieselbe Untersuchungsmethode für andere Schweizer Kantone ergeben hat. Im ebenfalls stark betroffenen Waadtland hatten sieben Prozent der Bevölkerung Kontakt mit dem Virus, in Basel vier Prozent und in Zürich drei Prozent. Ähnliche hohe Werte wie im Tessin wurden bisher nur im Kanton Genf gemessen, dies im Rahmen einer Studie des Genfer Unispitals.

Frauen zwischen 20 und 35 Jahren am häufigsten angesteckt

Die Tessiner Studie zeigt ausserdem, dass sich das Virus sich nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleichmässig verteilt hat. Besonders oft mit dem Virus in Kontakt kamen nach den ersten Resultaten Frauen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. In dieser Gruppe wurden bei 18 Prozent der Probandinnen Antikörper gefunden, wie es in der Mitteilung heisst.

Auch regionale Unterschiede stellten die Forscher fest. Am stärksten ausgebreitet hat sich das Virus in Locarno, wo über 15 Prozent der Erwachsenen Antikörper aufwiesen, am wenigsten in Bellinzona, wo der entsprechende Wert bei rund 10 Prozent lag.

In einer weiteren Studie soll nun die Situation bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren und bei älteren Menschen über 64 Jahren untersucht werden. Verwendet wird dabei ein vom Universitätsspital Lausanne in Zusammenarbeit mit der ETH Lausanne (EPFL) entwickelter serologischer Test. Die Studien sind Teil des Forschungsprojekts «Corona Immunitas Ticino», das von der Universität der italienischen Schweiz und der Fachhochschule Südschweiz getragen wird.