TESTKÄUFE: Sanktionen für das Verkaufspersonal

Wer Teenagern Alkohol und Tabak verkauft, muss bei Grossverteilern mit einer Kündigung rechnen. Das verunsichert die Angestellten.

Sermîn Faki
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Die Mitarbeiterin in einem Coop-Pronto-Shop nimmt ein Zigaretten-Päckli aus dem Regal. (Bild: Keystone/Martin Rüetschi)

Die Mitarbeiterin in einem Coop-Pronto-Shop nimmt ein Zigaretten-Päckli aus dem Regal. (Bild: Keystone/Martin Rüetschi)

Für Jugendliche ist es noch immer einfach, an Alkohol und Zigaretten zu gelangen. Das haben erst kürzlich schweizweite Testkäufe ergeben. Wie unsere Zeitung kürzlich berichtete, haben die Innerschweizer Kantone besonders schlecht abgeschnitten; in 22 Prozent der Fälle konnten die jugendlichen Käufer in Tankstellenshops problemlos an alkoholische Getränke gelangen.

Für die Verkaufsunternehmen hat das keine Folgen: Nach einem Bundesgerichtsurteil gelten Testkäufe als verdeckte Ermittlungen und dürfen daher nicht mehr zu Bussen oder Verzeigungen führen. Immerhin ist das Parlament gerade daran, dies zu ändern. Das revidierte Alkoholgesetz wird wohl 2015 in Kraft treten.

Nicht zulässig

Beim Tabakverkauf hingegen ist keine Besserung in Sicht: Auf nationaler Ebene gibt es kein Gesetz, das den Verkauf an Minderjährige verbietet. In 21 Kantonen ist der Verkauf an unter 18- oder 16-Jährige verboten, von den Zentralschweizer Kantonen gehören bis auf Obwalden alle dazu. Die Behörden können jedoch oft keine Bussen ausstellen, weil Testkäufe als nicht zulässig bewertet werden, wie Daniel Bach vom Bundesamt für Gesundheit sagt: «Solche verdeckten Ermittlungen sind nur bei schweren Delikten zulässig.» Viele Betriebe hielten sich daher nicht an die Verbote.

Die Unternehmen kommen also ungeschoren davon. Anders ergeht es deren Angestellten: Wie Coop und die Kioskbetreiberin Valora erstmals zugeben, müssen Mitarbeiter, die beim Verkauf von Zigaretten und Alkohol an Minderjährige erwischt werden, mit Kündigungen rechnen. «Wir schulen unsere Mitarbeiter regelmässig, damit sie den Jugendschutz befolgen, und sanktionieren Verstösse auch», sagt Valora-Sprecherin Stefania Misteli. «Das reicht von einer Verwarnung bis zur Kündigung.»

Grossverteiler Coop führt selbst regelmässig Testkäufe durch, «in denen Jugendliche das Verkaufspersonal auf die Probe stellen», wie Sprecher Ramon Gander sagt. «Bei absoluter Unbelehrbarkeit könnte ein wiederholtes Fehlverhalten eine Kündigung nach sich ziehen», bestätigt er. «Dies ist aber klar eine Ausnahme.» Ob und wie häufig Coop bereits Mitarbeitern aus diesem Grund gekündigt hat, will das Unternehmen aber nicht sagen.

Fehler mit Folgen

Coop-Mitarbeiter fühlen sich unter Druck gesetzt, wie aus Gesprächen zu erfahren ist. Sie haben Angst, schon bei einem Fehler auf die Strasse gesetzt zu werden. Dass der Druck auf die Angestellten zugenommen hat, bestätigt man auch bei den Gewerkschaften. «Testkäufe haben zugenommen, wie auch die Videoüberwachung. Wichtig ist, dass die Arbeitgeber dabei die Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz respektieren», sagt Natalie Imboden von der Unia.

Nachweispflicht

Sind Kündigungen wegen des Verkaufs von Alkohol und Tabak an Minderjährige rechtens? Im Prinzip schon, sagen die Gewerkschaften. Man müsse jedoch jeden Fall einzeln anschauen. «Ein einziger Fehler reicht sicher nicht», so Imboden. «Ausserdem muss der Arbeitgeber nachweisen, dass er seine Angestellten entsprechend ausgebildet und instruiert hat.»

Das aber sei nicht immer der Fall, wie es beim Bundesamt für Gesundheit heisst: «Oft kennen ihre Angestellten die gesetzlichen Vorgaben nicht oder nur ungenau», sagt Sprecher Daniel Bach. «Sie sind meist auch nicht darin geschult, Ausweise zur Überprüfung des Alters zu verlangen.»