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TIERE: Der Luchs gerät wieder unter Beschuss

Urner Jäger schiessen immer weniger Gämsen – und machen den Luchs dafür verantwortlich. Der verantwortliche Jäger beim Bund spielt den Ball jetzt zurück.
Eva Novak
Dieser junge Luchs tappte am vergangenen Dienstag im Baselbiet in die Fotofalle, als er zum Fressen zu seiner Beute zurückkehrte. (Bild: PD/Kanton Basel-Landschaft)

Dieser junge Luchs tappte am vergangenen Dienstag im Baselbiet in die Fotofalle, als er zum Fressen zu seiner Beute zurückkehrte. (Bild: PD/Kanton Basel-Landschaft)

Eva Novak

«Luchse setzen Gämsbestand zu», titelte die «Neue Urner Zeitung» letzte Woche. Ausgelöst hat die Meldung Bruno Planzer, der Präsident des Urner Jägervereins, der die stark sinkenden Gamsabschüsse vor allem auf zwei Gründe zurückführt: auf Störungen durch Schneeschuh- und anderen Tourismus, aber auch auf die zunehmende Zahl der Raubkatzen. Die rund 15 Luchse, die zurzeit das Urnerland durchstreifen, seien zu viel. Wenn man diese Zahl nicht reduziere, gebe es «irgendwann keine Gämsen mehr».

Nun trifft es sehr wohl zu, dass den Jägern seit ein paar Jahren immer weniger Gämsen vor die Flinte kommen. Wobei das für das ganze Land gilt. Die Zahl der Abschüsse, die sich bis in die 1990er-Jahre auf knapp 20 000 erhöhte, nimmt seit 2000 kontinuierlich bis auf 12 000 Tiere ab.

Ähnliches spielt sich im ganzen Alpenraum ab. Das erfuhren Schweizer Jäger und Vertreter von Bund und Kantonen vom österreichischen Wildbiologen Hubert Zeiler. Dieser referierte vor zwei Monaten an einer Tagung zur Lage der Gämse, zu welcher Jagd Schweiz, die Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz sowie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) geladen hatten. Die parallele Entwicklung sei «frappant», befand der Experte und lieferte eine Erklärungsmöglichkeit: Offensichtlich spiele das Klima eine wesentliche Rolle. Andere Fachleute weisen auf andere Faktoren hin, etwa die steigende Konkurrenz von Steinbock und Hirsch. Diese beiden Arten machen der Gämse das Leben schwer, weil sie den gleichen Lebensraum beanspruchen. Durch die Klimaerwärmung werde sich das Problem noch zuspitzen, da dieser Lebensraum schrumpfen werde, prophezeite Flurin Filli vom Schweizerischen Nationalpark an der Tagung. Als weitere Gründe für den Rückgang der Gamspopulation wurden Krankheiten wie die Gämsblindheit sowie strenge Winter genannt.

«Auch der Luchs hat einen Einfluss», sagt Reinhard Schnidrig, Leiter der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität im Bafu. Der Luchs sei aber nur einer von vielen Faktoren und stehe in der Zentralschweiz nicht im Vordergrund. Wichtiger seien die Vorgaben für die Jagd durch die Kantone und das Verhalten der Jäger, erklärt Schnidrig.

Unnatürlicher Zustand

Der Luchs erwische zuerst die schwachen, kränklichen Tiere. Die Jäger hingegen hätten gerne Trophäen: «Die schiessen am liebsten die starken Böcke mit den grossen Hörnern», so Schnidrig. Diese Tiere fehlen dann bei der Brunft, um die jungen Gämsböcke zur Ordnung zu rufen, die sich viel zu sehr in Kämpfen verausgabten und ihre Fettreserven zu früh verlören, und überdies die Geissen unnötig herumjagten. Dermassen geschwächt hätten die Gämsen dann Probleme, durch einen strengen Winter zu kommen. Mit Vorschriften könne man die Jäger dazu bringen, reife Böcke zu schonen. Gerade in Uri bestehe diesbezüglich Verbesserungspotenzial. Schnidrig warnt vor Schwarzmalerei. Die Abschusszahlen beim Schalenwild seien nach wie vor historisch hoch.

Oder wie es Christoph Jäggi, Präsident der Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz, an der Tagung formulierte: «Vielleicht hatten wir während Jahren Überbestände, trauern einem unnatürlichen Zustand nach – und merken hierbei nicht, dass sich der Bestand wieder der natürlichen Kapazitätsgrenze annähert.»

Abschuss ist möglich

In das gleiche Horn wie der Präsident der Urner Jäger bläst der Luzerner CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger, der seit 25 Jahren mit einem Dutzend anderer Jäger im Entlebuch ein Revier pachtet – und immer weniger Gämskitze zu Gesicht bekommt, seit sich der Luchs da auf die Pirsch macht. Der ehemalige Nationalratspräsident setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Jäger auch Luchse schiessen dürfen. Er weist darauf hin, dass das Parlament vor fünf Jahren eine ganze Reihe von Motionen überwiesen habe, die eine Lockerung des Luchsschutzes forderten. Doch diese Aufträge des Parlaments seien bis heute nicht konsequent umgesetzt. Dafür macht Lustenberger das Umweltamt des Bundes verantwortlich: «Das Bafu wendet eine Verzögerungstaktik an, welche einer eigentlichen Auftragsverweigerung gleichkommt.»

Öffentlicher Druck zu gross

Die rechtlichen Möglichkeiten seien geschaffen worden, kontert der zuständige Bafu-Sektionschef Reinhard Schnidrig. Er verweist auf die Revision der Jagdverordnung, welche der Bundesrat 2012 in Kraft gesetzt habe. Diese gibt den Kantonen die Möglichkeit, die Luchsbestände unter bestimmten Bedingungen durch Abschüsse zu regulieren, wozu sie allerdings zuvor ein Gesuch ans Bafu stellen müssen. Aus dem Kanton Luzern sei bisher kein entsprechendes Gesuch eingetroffen. Frühere Gesuche aus den Kantonen Solothurn und Waadt wurden bewilligt. Die Abschüsse wurden aber wegen öffentlichen Drucks nicht vollzogen.

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