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"Import der billigsten Qualpelze": Tierschützer ärgern sich über neue Pelzregeln des Bundes

Der Bund will die Pelzdeklaration in der Schweiz neu regeln. Tierschützern sind mit den Vorschlägen nicht zufrieden. Sie warnen vor einer Verwässerung – und fordern ein Importverbot.
Dominic Wirth
Pelze aus Farmen – im Bild ein Rotfuchs in Käfighaltung – sind Tierschützern ein Dorn im Auge. (Bild: Erika Parfenova/Getty)

Pelze aus Farmen – im Bild ein Rotfuchs in Käfighaltung – sind Tierschützern ein Dorn im Auge. (Bild: Erika Parfenova/Getty)

«Echt Pelz – echt grausam»: Mit diesem Slogan kämpft der Zürcher Tierschutz gegen Pelze, die etwa Kapuzen zieren. Das Thema treibt Tierschützer schon seit Jahren um. Sie kritisieren die Haltung von Kaninchen, Nerzen oder Füchsen, beispielsweise auf Pelzfarmen in Asien. Jetzt will der Bund die Deklaration der Echtpelze neu regeln. Und das nicht so, wie es den Tierschützern vorschwebt. «Was der Bund vorschlägt, bedeutet eine Verwässerung», sagt Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz (STS).

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLV) hat vor, die Pelzdeklarations-Verordnung anzupassen. Heute läuft die Vernehmlassung dazu ab. Verkaufsstellen von Pelzprodukten sollen künftig etwa verpflichtet werden, Pelze von Tieren mit der Deklaration «Echtpelz» zu kennzeichnen. So sollen auch Laien zwischen Kunst- und Echtpelz unterscheiden können, und natürlich haben dagegen auch die Tierschützer nichts einzuwenden. Ihnen stösst ein anderer Passus sauer auf.

«Herkunft unbekannt» sorgt für rote Köpfe

Es geht dabei um die Herkunftsdeklaration der Pelze. Zu dieser sind die Verkäufer schon heute verpflichtet: Sie müssen angeben, aus welchem Land ein Pelzprodukt stammt. Allerdings ist dies in der Praxis nicht immer einfach umzusetzen. Auf Pelzauktionen, so heisst es in den Erläuterungen zur neuen Verordnung, würden den Einkäufern «nicht konsequent verlässliche Informationen über die Herkunft und Gewinnungsart der Pelze» weitergegeben. Daher will der Bund künftig die Angabe «Herkunft unbekannt» ermöglichen.

Dafür hat Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz kein Verständnis: «Mit diesem Vorschlag öffnet der Bund dem Import der billigsten Qualpelze Tür und Tor», sagt sie. Für Brodmann ist klar: Wenn Konsumenten schon Pelze etwa aus China erwerben können, dann soll ihnen das wenigstens transparent aufgezeigt werden müssen. Auch Helen Sandmeier vom STS kritisiert die angedachte Neuregelung. «Das ist ein Kniefall vor dem Handel, der oft Probleme hat, die Herkunft der Pelze zu klären», sagt sie. Nun weiche der Bund die Deklarationspflicht auf. «Das kann doch nicht die Lösung sein», so Sandmeier.

Tatsächlich bereitet den Verkaufsstellen die korrekte Deklaration Probleme. Bis Ende 2017 hat das BLV 235 von ihnen kontrolliert, wobei in 80 Prozent der Fälle Beanstandungen notwendig waren. Meist handelte es sich laut BLV allerdings «um kleinere administrative Mängel». Tierschützer ärgern sich nicht nur darüber, dass der Bund künftig bei der Herkunftsdeklaration den Verkäufern entgegenkommen will. Sie sähen es am liebsten, wenn die Schweiz den Import von tierquälerisch erzeugten Pelzprodukten ganz unterbinden würde. Ständerätin Pascale Bruderer (SP/AG) hat den Bund 2014 dazu aufgefordert, ein entsprechendes Verbot zu prüfen. Dieser lehnte das Ansinnen in seinem Bericht indes ab – und begründete dies mit «rechtlichen und praktischen Gründen».

Mit einem Verbot wäre die Schweiz alleine

Er warnt etwa vor Handelsstreitigkeiten, weil ein solches Importverbot «in einem Spannungsverhältnis zu den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz stehen». Gemeint sind damit die rechtlichen Leitplanken der Welthandelsorganisation WTO, die vorsehen, dass die Mitglieder ausländische Waren nicht anders behandeln dürfen als inländische. Tierschützer geben sich mit dieser Begründung nicht zufrieden und verweisen auf das Importverbot von Katzen-, Hunde- und Robbenfellen. Allerdings hat die Schweiz diese Reglung von der EU übernommen. Mit einem Importverbot von Pelzprodukten wäre sie allein.

Tierschützer wie Nadja Brodmann pochen auf einen Alleingang. In ihrer Verbotsforderung bestärkt sieht sie sich durch eine Umfrage der Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» von 2018. Damals befürworteten sich 77 Prozent der Teilnehmer ein Importverbot von Pelzprodukten, deren Herstellung nicht dem Schweizer Tierschutzstandard entspricht.

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