Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TODESFALL: Mit Tschäppät verliert Bern seinen grössten Fan

Bern trauert um Alexander Tschäppät. Der ehemalige Stadtpräsident und SP-Nationalrat verstarb im Alter von 66 Jahren. Mit ihm verliert die Bundesstadt einen ebenso populären wie polarisierenden Politiker.
Alexander Tschäppät, fotografiert am 7. Dezember 2015 in Bern. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Bern, 7. Dezember 2015))

Alexander Tschäppät, fotografiert am 7. Dezember 2015 in Bern. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Bern, 7. Dezember 2015))

Humorvoll, volksnah, charismatisch und nicht immer ohne Fehl und Tadel: So dürfte alt Stadtpräsident Alexander Tschäppät wohl vielen Bernern in Erinnerung bleiben. Vier Jahrzehnte lang prägte der Sozialdemokrat die Stadtberner Politik mit, zuerst als Stadtrat, später als Gemeinderat und schliesslich zwölf Jahre lang als Stadtpräsident.»

«Tschäppu» wie ihn die Berner liebevoll nannten, brauchte keine Umfragen, um die Stimmung in der Bevölkerung zu spüren. «Er ging einfach ins Tram», wie Bundesrätin und Parteikollegin Simonetta Sommaruga vor etwas mehr als einem Jahr bei Tschäppäts Verabschiedung als Stadtpräsident sagte. Tschäppät selber bezeichnete sich oft und gerne als «grössten Bern-Fan» und seine Stadt als «die schönste der Welt». Mit Witz und Leidenschaft verstand er es, die Vorzüge der Bundesstadt ins beste Licht zu rücken.

Und der Stadtvater wusste genau, was seine Bernerinnen und Berner mochten: verkehrsberuhigte Quartiere, urbanes Lebensgefühl in den Gassen, Kultur, Sport und natürlich im Sommer sich in der grünen Aare treiben lassen und «chillen». «Man muss Bern nicht toll finden», sagte Tschäppät im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA kurz vor seinem Abgang als Stadtpräsident Ende 2016. «Aber man muss anerkennen, dass wir ein hoch attraktiver Wirtschaftsstandort sind. Wir sind einer der Wirtschaftsmotoren des Kantons und vielleicht die attraktivste Arbeitsstadt der Schweiz. 185 000 Arbeitsplätze auf 140 000 Einwohner, das kann keine andere grosse Schweizer Stadt vorweisen!»

Was auch keine andere Stadt vorweisen kann: eine Familie, die seit 1948 praktisch ununterbrochen in der Stadtpolitik aktiv war. Um Vater Reynold Tschäppät ranken sich viele Legenden, zuletzt war er Stadtpräsident bis zu seinem Tod 1979. Sein Sohn Alexander schaffte 1980 den Sprung ins Parlament. Er war damals Richter und verbrachte die Donnerstagabende im Stadtrat. Wenn er dort einem Journalisten neckisch ein Täfeli zusteckte («Gäu, schribsch es paar Zyle über mi»), war manch einem klar: Der Sohn wird auch mal Stapi.

2004 war es soweit. Zweimal bestätigten ihn die Berner später im Amt – das beste Resultat erreichte er bei der letzten Wiederwahl 2012. Im Erlacherhof leistete Tschäppät wohl weit mehr Knochenarbeit als die meisten Berner ahnten. Er beherrschte aber auch den Medienauftritt, war ein vereinnahmender Redner und ein langjähriger Nationalrat – all das verschaffte ihm landesweite Bekanntheit. Wobei man sagen muss: Nicht jede Schlagzeile war positiv. Den einen oder anderen Skandal leistete sich Tschäppät auch. Sein Hang zur Selbstdarstellung verlangte der Bevölkerung und selbst den Genossinnen und Genossen mitunter schon einiges an Nachsicht ab. Gerade die Frauen in seiner Partei fanden seine manchmal machohaften Sprüche daneben.

Am Schluss wurde es selbst den Genossen zu viel

Dass Bern seit einem Vierteljahrhundert stramm auf rot-grünem Kurs ist, hat nicht zuletzt auch mit Tschäppät zu tun. Doch vor den letzten städtischen Wahlen 2016 wurde das SP-Powerplay selbst Eingefleischten zu viel. Als Tschäppät seine Parteikollegin, Ursula Wyss, als seine Nachfolgerin in Position brachte, goutierten viele diese «Erbmonarchie» nicht. Prompt entschied sich die Wählerschaft für den von den Bürgerlichen ins Gespräch gebrachte Nationalrat Alec von Graffenried. Tschäppät erlag am Freitag mit 66 Jahren einem Krebsleiden.

Therese Hänni und Christian Zingg (sda)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.