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Todesfalle Wasserkraftwerke: Wo Fische im Fluss verenden

Wasserkraftwerke bedrohen die Fischpopulation in der Schweiz. Bis 2030 müssen die Hindernisse beseitigt sein. Doch das könnte am fehlenden Geld scheitern.
Dominic Wirth
1000 Wasserkraftwerke in der Schweiz müssen saniert werden. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)

1000 Wasserkraftwerke in der Schweiz müssen saniert werden. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)

Fischkörper mit klaffenden Wunden, manche gar regelrecht zerhackt: In den Schweizer Flüssen ist das keine Seltenheit. Philipp Sicher vom Schweizerischen Fischerei-Verband spricht gar von einem «Massaker» in hiesigen Fliessgewässern. Es liegt in der Natur von Aal, Seeforelle oder Äsche, Wanderfische allesamt, unterwegs zu sein. Sie bewegen sich durch die Flüsse. Doch diese Wege sind voller Hindernisse. Hunderte von Wasserkraftwerken gibt es hierzulande. Für viele Wanderfische werden ihre Turbinen zu Todesfallen.

Wie viele es genau sind, kann nicht beziffert werden: Untersuchungen unter Wasser sind sehr schwierig. Trübungen, Strömungen und Treibgut verhindern das Zählen der Fischleichen. «Es geht um Tausende Fische jedes Jahr», schätzt Sicher, der Geschäftsführer des Fischerei-Verbandes. Und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) spricht von einem «sehr relevanten Problem». Verschiedene Wanderfische in der Schweiz sind heute gefährdet, manche von ihnen stark.

1 Milliarde Franken für die Sanierungen

Vor ein paar Jahren rückten die Schweizer Fischer mit ihrer Volksinitiative «Lebendiges Wasser» das Thema Fischrückgang auf die politische Agenda. Das Parlament arbeitete dazu einen Gegenvorschlag aus, der verschiedene Massnahmen zur Renaturierung von Flüssen und Seen vorsieht. Ein wichtiges Element: Die Wiederherstellung der Fischgängigkeit. Wasserkraftwerkbetreiber sind dazu verpflichtet, bis 2030 ihre Anlagen zu sanieren – und so den Weg für die Fische freizumachen, mit Fischtreppen etwa. Schweizweit ist das laut Zahlen des Bafu bei rund tausend Wasserkraftwerken notwendig. Finanziert werden die Sanierungen mit Geld vom Bund, das dieser wiederum über eine Gebühr bei den Stromverbrauchern erhebt. Seit dem Jahr 2012 kommen so jährlich 50 Millionen Franken zusammen. Bis ins Jahr 2030 soll eine Milliarde Franken für sämtliche Sanierungsmassnahmen, darunter die Fischgängigkeit, bereitstehen. Handlungsbedarf gibt es vor allem beim Fischabstieg, wo die Suche nach technischen Lösungen immer noch läuft.

Für den Fischereiverband ist klar, dass die Sanierungsmilliarde bei weitem nicht ausreichen wird. Philipp Sicher sagt, dass bei der Ausarbeitung des Gesetzes die Sanierungskosten kleingerechnet wurden, um ein Referendum zu verhindern. «Jetzt zeigt sich allmählich, dass es viel mehr Geld braucht», sagt Sicher. Er rechnet mit Sanierungskosten von insgesamt vier bis fünf statt nur einer Milliarde Franken. Und fragt sich, wie der Bund diese Lücke stopfen will. «Ich befürchte, dass die Sanierungen endlos hinausgeschoben werden, weil das Geld fehlt», sagt Sicher.

Zusammen mit dem WWF und der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva hat der Fischerei-Verband deshalb eine Petition lanciert, die den Druck auf die Politik erhöhen soll. Über 25000 Unterschriften sind gesammelt; das Ziel sind 50000 Unterzeichner. Die Petition soll während der Herbstsession eingereicht werden. Geplant ist daneben auch ein parlamentarischer Vorstoss. «Der Bund soll darlegen, wie er die Sanierungen fristgerecht bis 2030 finanzieren und umsetzen will», sagt Sicher.

Auch beim Bafu geht man mittlerweile davon aus, dass die Sanierungsrechnung gesalzener ausfallen wird als ursprünglich angenommen. Die strategischen Planungen der Kantone hätten gezeigt, dass viel mehr Anlagen sanierungspflichtig sind als während der parlamentarischen Debatte angenommen. «In diesem Zusammenhang muss ebenfalls die bis anhin angenommene eine Milliarde Franken in Frage gestellt werden», schreibt das Bafu. Für die in den nächsten Jahren vorgesehenen Sanierungen sind jedoch laut Bafu genügend Finanzen vorhanden. Bezüglich des mittel- und langfristigen Zeit- horizonts ist man derzeit daran, «neue Kostenschätzungen zu erstellen und Lösungsvorschläge für die Finanzierungsmöglichkeiten zu erarbeiten». Philipp Sicher vom Fischerei-Verband fordert, dass das schnell passiert: «Uns läuft die Zeit davon. Irgendwann ist es zu spät für unsere bereits stark gefährdeten Schweizer Fische», sagt er.

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