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Neue Biografie zeigt auf, wie Toni Brunner zum Ausnahmepolitiker wurde

Er war der jüngste Nationalrat und einer der erfolgreichsten Parteipräsidenten der Schweiz: Eine Biografie zeigt nun auf, wie der St.Galler SVP-Mann Toni Brunner zum Ausnahmepolitiker avancierte.
Sven Altermatt
TToni Brunner: Bauer und Politiker aus Leidenschaft. Bild: Benjamin Manser (Malbun, 9. Juni 2018)

TToni Brunner: Bauer und Politiker aus Leidenschaft. Bild: Benjamin Manser (Malbun, 9. Juni 2018)

Die vielleicht spannendste Frage kommt ganz am Schluss des Buches: «Wie geht es mit Toni Brunner denn jetzt weiter?» Schicken die St. Galler Stimmbürger den SVP-Nationalrat im Herbst 2019 wieder nach Bern, kann er die Legislatur als Alterspräsident eröffnen – mit 45 Jahren. Offen ist, ob Brunner für den Ständerat kandidiert. Eine Bundesratskandidatur aber schliesst er aus. «Ich kann mir ein Leben ohne Politik ganz gut vorstellen», sagt Brunner. Seinem politischen Ziehvater Christoph Blocher hat er sogar beschieden: Ganz jeden Mist möchte er ihm dann doch nicht nachmachen.

Ob Brunner die Biografie über ihn, die in diesen Tagen erscheint, als eine Art Vermächtnis verstanden haben will, ist nicht bekannt. Geschrieben hat das Buch der Journalist Beni Gafner, langjähriger Bundeshausredaktor der «Basler Zeitung». «Geschichten und Anekdoten» aus Brunners Leben verspricht der Verlag, und dieser Ankündigung wird das Buch gerecht. Wobei vieles über den 44-Jährigen schon bekannt ist, in den Glücksposten dieses Landes hat er manches über sich preisgegeben.

Von der Landschaft geprägt

Gafners Brunner-Buch ist die Geschichte eines Mannes, der früh realisiert hat: Wer in der Politik etwas erreichen will, muss sich auch ungezwungen privat zeigen. Wo andere eine Überhöhung des Persönlichen zum Idyll befürchten, bedient Brunner die Sehnsucht nach Authentizität. Seine Bescheidenheit wirkt nicht gekünstelt, nie anbiedernd und noch weniger abschreckend. Als Toni vom Toggenburg muss er sich nicht erst ins Bild rücken lassen. Er ist der Toni vom Toggenburg.

Wie ein roter Faden zieht sich die Heimaterzählung durch das Buch, das reichlich bebildert ist und zu dem unter anderem der Fernsehmann Hanspeter Trütsch und der Satiriker Andreas Thiel Gastbeiträge beigesteuert haben. «Toni Brunner ist der Beweis, dass die Landschaft den Menschen prägt», schreibt Ex-Bundesrat Blocher in einem Vorwort und giesst damit das narrative Muster: die Herkunft als Kern. Seht her, könnte man Brunners Botschaft umschreiben, Pomp liegt mir fern. Er bevorzugt die Heimeligkeit seines Toggenburgs. Dort, auf seinem Hof Hundsrücken und in seiner Beiz, liegt ihm die Welt zu Füssen.

Brunner wächst oberhalb von Ebnat-Kappel auf, er ist das jüngste von fünf Geschwistern, sein Bruder Andi hat das Downsyndrom. Ihm steht er bis heute sehr nah. «Sie waren als Buben wie Zwillinge», sagt Mutter Brunner. Auch die Primarlehrerin erinnert sich an sein «ausgeprägtes soziales Bewusstsein».

Toni Brunners Passion ist die Politik. Als 17-Jähriger gründet er die SVP St. Gallen mit, der ­Groove der Parteizeitung habe ihm zugesagt. 1995 wird der Jungbauer, gerade mal 21 Jahre alt, jüngster Nationalrat. Selten zuvor ist jemand derart unvermittelt auf die grosse politische Bühne getreten. An seinem ersten Tag im Bundeshaus wird Brunner von einem Männerchor begleitet – im Fernsehen ist sein glucksendes Lachen zu hören. Wer im Buch auch befragt wird, jeder lobt seinen Humor. Brunner, die gmögige Frohnatur: «Ich bin der Unterhaltungschef in der SVP-Fraktion», so sah er seine Rolle selbst. 2008 schliesslich wird der instinktsichere Ausnahmepolitiker, mit 33 Jahren bereits ein alter Hase, richtiger Chef. Als er das SVP-Präsidium 2015 abgibt, ist seine Partei die wählerstärkste der ­jüngeren Geschichte des Landes. ­Exakt auf Parteilinie, vertrat er den Kurs der aussenpolitischen Abschottung und der Skepsis gegenüber Eliten; ja, er verkörpert ihn als bekennender Landbursche förmlich. Parteifreunde attestieren ihm einen «übermenschlichen Einsatz».

Kritische Töne fehlen

Die Buchpassagen sind von Brunner autorisiert, ausserdem öffnete er seinem Biografen Gafner das Familienalbum und liess ihn nah an seine Liebsten. Als ­Geschichten «from the horse’s mouth» bezeichnet man solche Biografien im angelsächsischen Raum. Das Genre birgt die ­Gefahr, dass der Betroffene zur Lichtgestalt verklärt wird.

Kritische Töne zu Brunner dürfen Leser nicht erwarten. Dass er sachpolitisch nie besonders aufgefallen ist, dass er sich selbst als Präsident der St. Galler SVP eher wenig für die Kantonalpolitik engagiert hat: Wer mehr darüber erfahren will, muss andere Quellen beiziehen.

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