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TOURISMUS: Der Bundesrat spart bei der Sicherheit

Der Bundesrat will das Gesetz über Risikosportarten abschaffen. Bergführer und Experten laufen Sturm.
Sermîn Faki
Risikosportarten wie etwa Canyoning sind vom sogenannten Risikoaktivitätengesetz erfasst. Dieses will der Bundesrat nun aus Spargründen wieder ausser Kraft setzen. (Bild: Getty)

Risikosportarten wie etwa Canyoning sind vom sogenannten Risikoaktivitätengesetz erfasst. Dieses will der Bundesrat nun aus Spargründen wieder ausser Kraft setzen. (Bild: Getty)

Sermîn Faki

Es war im Juli 1999, als beim bisher schwerwiegendsten Canyoning-Unglück im Berner Oberland 21 Menschen ums Leben kamen, die meisten australische Touristen. 15 Jahre später trat nach einem harten politischen Kampf ein Gesetz in Kraft, das solch tragische Unfälle verhindern soll: Gemäss dem sogenannten Risikoaktivitätengesetz benötigen professionelle Anbieter von Risikosportarten eine kantonale Bewilligung, die beispielsweise einen Ausbildungsnachweis voraussetzt. Zudem müssen Bergführer, Skischulen, aber auch Anbieter von Bungeejumping, Canyoning- und Raftingtouren über eine Haftpflichtversicherung mit ausreichendem Deckungsgrad verfügen.

150 000 Franken Sparpotenzial

18 Monate nach Inkrafttreten dieser Bestimmungen will der Bundesrat das Gesetz nun wieder einstampfen. Eigentlich keine grosse Überraschung, hatte sich die Regierung doch immer gegen das Gesetz gestellt, welches nur auf massiven Druck aus dem Parlament zu Stande kam. Als Vorwand muss jetzt das Sparprogramm herhalten, denn genau in der Botschaft dazu versteckt der noch zuständige Sportminister Ueli Maurer die Annullierung. «Das Risikoaktivitätengesetz soll aufgehoben werden», heisst es dort. «Der Bund und die Kantone werden dadurch von administrativen Aufgaben entlastet. Die Einsparung beim Bund beläuft sich auf 150 000 Franken.»Weniger Sicherheit gebe es deswegen nicht, findet die Regierung. «Da mit dem Risikoaktivitätengesetz keine zusätzliche Sicherheit geschaffen werden konnte, (...) sind keine negativen Einflüsse zu befürchten.» Die Branche sei selbst an der Weiterführung der erarbeiteten Standards interessiert.

«Völlig unverständlicher Entscheid»

Das sieht man in der Branche dezidiert anders. «Ohne das Gesetz haben wir keine Kontrolle mehr über Ausbildung und Qualität von ausländischen Anbietern», sagt Pierre Mathey, Präsident des Schweizer Bergführerverbands. «Das können wir uns als Tourismusdestination von internationalem Rang nicht leisten.» Der Bundesrat behaupte, dass das Gesetz keine zusätzliche Sicherheit geschaffen habe. «Wie will er das wissen?», fragt Mathey. «Es gibt noch gar keine Evaluation.» Für die Bergführer habe das Gesetz durchaus Verbesserungen gebracht. So gebe es heute eine Pflicht zum Besuch von Fortbildungskursen, an denen überlebenswichtiges Wissen, etwa zum Verhalten bei Lawinenabgängen, aufgefrischt und erweitert werde. Ausserdem könne der Konsument die Qualität seines Bergführers oder Skilehrers in einem Register überprüfen. Das nun einzustellen, um 150 000 Franken zu sparen, sei befremdlich. «Der Entscheid des Bundesrats ist völlig unverständlich», sagt Pierre Mathey.

Support erhalten die Bergführer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), welche dem Gesetz einen Sicherheitsgewinn für die Kunden attestiert. «Eine Aufhebung wäre zu bedauern – zumal das Sparpotenzial eher gering ist – und würde die bereits erfolgte Präventionsarbeit auf dem Gebiet in Frage stellen, so BfU-Sprecher Daniel Menna.

Parlament kämpft wieder für Gesetz

Aufgeschreckt von den Verbänden reagiert nun auch die Politik. In der Wintersession wurden gleich zwei Vorstösse zum Thema eingereicht. Einer stammt von CVP-Vizefraktionspräsidentin Viola Amherd. Die Walliserin bezweifelt wie der oberste Bergführer Mathey, dass es möglich ist, nur ein Jahr nach Inkraft­treten des Gesetzes bereits seriöse Aussagen über dessen Wirksamkeit zu machen. Sie verweist auf die Zertifizierungsstelle «Safety in Adventures», die das Gesetz unterstützt, weil sich eine freiwillige Zertifizierung nicht durchgesetzt habe. Noch weiter geht die neue Walliser CVP-Nationalrätin Géraldine Marchand-Balet. Sie verlangt vom Bundesrat, am Gesetz festzuhalten. Es lege minimale Sicherheitsstandards fest und sorge dafür, dass diese in allen Kantonen einheitlich seien. «Wir dürfen nicht auf die nächsten tödlichen Unfälle warten, um die Abschaffung zu bedauern», schreibt sie. Das meint auch Pierre Mathey: «Was, wenn wir wieder einen grossen Unfall hätten wie jenen auf dem Saxetbach?», fragt der Bergführer und warnt: «Der Bundesrat geht da unnötig ein grosses Risiko ein.»

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