Tourismus
Massnahme gegen Schwarzanbieter: Das Tessin zieht bei Airbnb die Schraube an

Das Tessin prescht vor: Wer über Onlineplattformen oder privat eine Touristenunterkunft vermietet, muss sich ab dem 1. Februar 2022 registrieren lassen.

Gerhard Lob
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Blick auf Ascona am Lago Maggiore - kein Wunder boomt der Ferienwohnungsmarkt im Tessin.

Blick auf Ascona am Lago Maggiore - kein Wunder boomt der Ferienwohnungsmarkt im Tessin.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Lange war es ein Nischenprodukt, inzwischen ist es ein Massenphänomen: Das Vermieten von Wohnungen, Zimmern und Rustici an Urlauber für Ferienzwecke. Im Kanton Tessin werden mittlerweile rund 25 Prozent aller Logiernächte in solchen Privatstrukturen generiert – Tendenz steigend. «Vor allem im Sommer dürfte der prozentuale Anteil noch höher liegen», meint Angelo Trotta, Direktor der kantonalen Tourismusagentur Ticino Turismo (ATT), «dieses Marktsegment wird immer wichtiger». In den beiden Covid-Jahren 2020 und 2021 gab es einen regelrechten Ansturm auf Ferienwohnungen und Rustici.

Eine genaue Übersicht des Angebots gibt es bisher nicht, doch das soll sich ändern. Auf den 1. Februar 2022 führt der Kanton Tessin obligatorisch eine Identifikationsnummer für all diejenigen ein, die ihre Zimmer, Wohnungen oder Häuser privat oder über Onlineplattformen wie Airbnb, Booking.com, Expedia oder e-domizil vermieten. Die ATT setzt an diesem Stichtag eine neue Registrierungsplattform für Vermieterinnen und Vermieter privater Unterkünfte in Betrieb.

Nach der Registrierung wird die Nummer unmittelbar vergeben und der Eintrag der regionalen Tourismusorganisation und der Standortgemeinde eines Mietobjekts mitgeteilt. Die Gemeinde ist ihrerseits wiederum verpflichtet zu prüfen, ob die jeweiligen Objekte als Touristenunterkünfte geeignet sind.

Den schwarzen Schafen auf der Spur

Laut dem Finanzdepartement soll durch diese Neuerung die Qualität und das Image der zu vermietenden Objekte garantiert werden. Dabei bezieht es sich auf eine im März letzten Jahres vom Kantonsparlament einstimmig angenommene Änderung des Tourismusgesetzes, die nun umgesetzt wird.

Bei der Neuerung geht es allerdings auch darum, schwarze Schafe aufzudecken, die ihre aus der Vermietung von Unterkünften generierten Einnahmen bisher dem Fiskus verheimlicht hatten und keine Kurtaxen abführten. Auch die Untervermietung von Zimmern an Dritte soll künftig ohne das Wissen der regionalen Tourismusorganisation und der Gemeinde nicht mehr möglich sein. Dazu kommt, dass bei Vermietung über eine Online-Plattform die Anbieter wie Airbnb direkt die Kurtaxe einziehen und an die ATT überweisen sollen. Die Gebühr ist auf zwei Franken pro Logiernacht festgelegt. Die entsprechenden Gespräche mit Airbnb sind laut ATT-Direktor Trotta momentan in Gang. Anderer Kantone haben solchen Abmachungen schon getroffen, ohne eine ID-Nummer einzuführen. Im Tessin muss nun bei Angeboten auf Online-Plattformen zwingend die ID-Nummer angegeben werden.

Leute geniessen die Sonne an der Seeuferpromenade von Ascona.

Leute geniessen die Sonne an der Seeuferpromenade von Ascona.

Alessandro Crinari / KEYSTONE/Ti-PRESS

Die Vermieterinnen und Vermieter haben nach dem Aufschalten der neuen Onlineplattform sechs Monate Zeit, sich bei der ATT zu melden. Betriebe, die bereits dem kantonalen Hotellerie- und Gastronomie-Gesetz unterstehen, werden automatisch registriert. Während die Gäste die Kurtaxe bezahlen, müssen die Vermieter ihrerseits für jeden Gast eine Tourismusförderungsgebühr direkt an die regionale Tourismusorganisation abführen. Beide Taxen zusammen bringen den Verkehrsvereinen mehrere Hunderttausende Franken Zusatzeinnahmen pro Jahr.

«Wir finden die Neuerung richtig», sagt Lorenzo Pianezzi, Präsident des Tessiner Hoteliervereins, «denn wer vom Tourismus profitiert, soll auch zu seiner Promotion etwas beitragen.» Im Übrigen sei es nötig, mehr Gleichbehandlung zwischen anerkannten Beherbergungsbetrieben und privaten Kleinanbietern zu schaffen. Die Auflagen und Kontrollen für Hotels und Pensionen seien hoch.

System ermöglicht bessere Kontrolle

Das Tessin ist laut dem Finanzdepartement der erste Kanton in der Schweiz, der eine entsprechende Identifikationsnummer nach dem Vorbild grosser europäischer und internationaler Städte verlange. «Das System ermöglicht eine genauere Übersicht über alle Unterkunftsmöglichkeiten im Kanton und dient der Gleichbehandlung privater Angebote mit dem Hotelsektor», heisst es zusammenfassend.

Doch auch ein «Sicherheitsaspekt» wird nicht verschwiegen. Denn durch die Identifikationsnummer ist eine genauere Kontrolle der Betriebe möglich, welche ihre Gäste polizeilich anmelden müssen.

Noch kein Thema ist im Tessin eine Beschränkung des Vermietungsangebots an Touristen, so wie es in Städten wie Barcelona oder Berlin schon der Fall ist. Dort ist Airbnb zum Motor für Gentrifizierung geworden. Die temporäre Nutzung durch Touristen haben Wohnungsnot und Mietanstiege für Einheimische in den Innenstädten ausgelöst.

Ungelöst bleibt im Tessin indes das Problem der Gebühren für kalte Betten, welche Anbieter von Ferienwohnungen und Rustici bezahlen müssen, selbst wenn sie das ganze Jahr kein Bett vermieten. Insbesondere im nördlichen Tessin, etwa im Bleniotal, wird diese Forfait-Taxe heftig bekämpft.