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TOURISMUS: Mit Detektiven gegen Abgabenpreller

Viele Airbnb-Vermieter schummeln bei den Steuern. Den Gemeinden und Städten fällt es jedoch schwer, dagegen vorzugehen. Airbnb kooperiert nur teilweise, und der Schweizer Föderalismus verunmöglicht eine effiziente Lösung.
Roger Braun
Symbolbild: Zimmervermietung über Airbnb. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Symbolbild: Zimmervermietung über Airbnb. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

«Bestes Schlafzimmer im Zentrum von Zürich», preist Tanja ihr Angebot auf der Online-Beherbergungsplattform Airbnb an. Sie ist eine von schweizweit Tausenden Gastgebern, die Zimmer in ihren Wohnungen befristet vermieten. Wohnzimmer, Küche und Badezimmer stehen frei zur gemeinsamen Benutzung. Eine Nacht kostet 71 Franken.

Tanja ist gesetzlich verpflichtet diese Einkünfte zu versteuern, inklusive der Kurtaxe. Doch ob sie dies tut, weiss niemand. Branchenkenner gehen davon aus, dass bis die Hälfte der Airbnb-Gastgeber keine Steuern bezahlen. Dagegen vorzugehen, ist allerdings schwierig.

In der Walliser Berggemeinde Zermatt durchforsten ortskundige Detektive die Internetplattform und kontrollieren, ob alle Anbieter die Kurtaxe von 3 Franken pro Nacht abliefern. Diese Methode eignet sich jedoch nur für kleine Gemeinden, wie der Vizedirektor der Tourismusregion Freiburg, Christian Monney, sagt. «Die Stadt Freiburg zum Beispiel ist bereits zu gross, um die Wohnungen lokalisieren zu können.» Das Problem: Airbnb gibt auf der Plattform nicht die exakte Adresse an, sondern lediglich einen Umkreis von etwa 500 Metern. Monney hat Airbnb deshalb aufgefordert, die genauen Adressen herauszugeben. Allerdings weigert sich der kalifornische Internetgigant – angeblich, um die Daten seiner Kunden zu schützen.

In Basel könnte es bald zum Durchbruch kommen

Einen anderen Weg fürs Inkasso haben Grossstädte wie Paris, Lissabon oder Amsterdam eingeschlagen. Für sie zieht Airbnb die Kurtaxe automatisch bei den Vermietern ein. Inzwischen gibt es weltweit über 200 Städte und Gemeinden, die so verfahren. Wieso tut das Airbnb nicht auch hierzulande? Mediensprecherin Isabelle Witzleben versichert, dass Airbnb auch in der Schweiz dazu beitragen wolle, dass die Gemeinden unbürokratisch zu ihren Kurtaxen kämen. «Wir sind dazu mit einer Reihe von Kantonen und Gemeinden in konstruktivem Austausch», sagt sie. Mit wem verhandelt wird, will Witzleben nicht ausführen. Das habe man mit den Gesprächspartnern so abgemacht.

Die Städte Basel und Zürich bestätigen Gespräche mit Airbnb. «Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Monaten eine Vereinbarung unterzeichnen können», sagt Samuel Hess vom Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit. Weniger positiv klingt es in Zürich. «Die Verhandlungen laufen schleppend», sagt der Direktor von Zürich Tourismus, Martin Sturzenegger.

Tourismusverband fordert nationale Lösung

Sowieso ungenügend ist dieser Ansatz für den Schweizer Tourismusverband, wie Verbandsdirektorin Barbara Gisi sagt. «Es ist weder effizient noch realistisch, dass Airbnb mit 2300 Gemeinden eine separate Lösung findet», sagt sie. CVP-Nationalrat und Verbandspräsident Dominique de Buman hat deshalb ­einen Vorstoss eingereicht, der die Grundlagen für das Inkasso einer einheitlichen Kurtaxe für die ganze Schweiz durch Airbnb schaffen will. Dies brächte dem Schweizer Tourismus einen zusätzlichen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe ein, schätzt Gisi.

Der Bundesrat steht der Idee allerdings kritisch gegenüber, da sich die Höhe der Kurtaxe je nach Gemeinde unterscheidet.

Roger Braun

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