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Touristen-GA: Fehde ist vorbei – der Ärger bleibt

Der Streit hat mehr als ein Jahr gedauert, nun ist er entschieden. Die Bergbahnen am Schilthorn, am Stanserhorn und am Brunni dürfen das Touristen-GA künftig nicht mehr akzeptieren.
Roger Braun
Touristen blicken von der Bahn aus aufs Schilthorn. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Touristen blicken von der Bahn aus aufs Schilthorn. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Das Reisen in der Schweiz ist eine teure Sache. Deshalb haben sich die Transportunternehmen der Schweiz zusammengetan und ein Spezialangebot für ausländische Touristen entwickelt: den Swiss- Travel-Pass. Für 232 Franken erhalten die Reisenden drei Tage lang Zugang zum öffentlichen Verkehr der Schweiz. Für 15 Tage werden 513 Franken fällig.

Dieses Touristen-GA ist äusserst populär, und doch stand es jüngst vor dem Aus. Grund war ein erbitterter Streit unter den Bergbahnen, wer das Abonnement akzeptieren darf und wer nicht. Vor gut einem Jahr verbot die Tarifgemeinschaft «Direkter Verkehr Schweiz» den Bahnen am Schilthorn, dem Stanserhorn und dem Brunni, das Touristen-GA anzuerkennen.

Urheber dieser Aktion waren die Jungfraubahnen sowie die Titlisbahnen, die sich unfair konkurrenziert sahen, wenn die Touristen gratis – für einen Pauschaltarif – die Bergbahnen in derselben Region nutzen konnten. Sie beklagten Dumpingpreise und warfen ihren Mitbewerbern vor, den Markt kaputtzumachen.

Die Vertreter des Schilthorns, des Stanserhorns sowie des Brunni schlugen mit einer erfolgreichen Einsprache beim Bundesamt für Verkehr zurück, worauf die Gegenseite wiederum das Bundesverwaltungsgericht anrief. Sogar das Bundesparlament erreichte die Fehde.

Basisbefragung stützt Titlis und Jungfrau

Nun ist der Streit entschieden. Eine Abstimmung bei den 250 Transportunternehmen des Tarifverbunds hat ergeben: Das Schilthorn, das Stanserhorn und das Brunni dürfen das Touristen-GA nicht mehr anerkennen, so wie sie es heute tun. Der Entscheid sei klar ausgefallen, sagt der Mediensprecher des Tarif­verbunds «Direkter Verkehr Schweiz», Thomas Ammann. Demnach dürfen Transportunternehmen das Touristen-GA ab nächstem Jahr nur noch anerkennen, wenn sie gleichzeitig das reguläre GA akzeptieren. Für das Stanserhorn und das Schilthorn ist dies kein gangbarer Weg. Die Einnahmenverluste wären zu gross, der Ansturm der vielen GA-Besitzer kaum verkraftbar. Sie steigen deshalb aus dem Touristen-GA aus.

Der Geschäftsführer der Titlisbahnen, Norbert Patt, begrüsst den Ausgang der Abstimmung.

«Damit ist sichergestellt, dass das Erfolgsprodukt Swiss-Travel- Pass nicht ruiniert wird, indem immer mehr Bergbahnen beim Tarif mitmachen.»

Er findet es auch wichtig, «dass die hohe Zahlungsbereitschaft der ausländischen Kundschaft nicht mehr zum Nulltarif befriedigt wird».

Die unterlegenen Bahnen akzeptieren den Entscheid. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl zurück. «Die grossen Anbieter haben ihre Muskeln spielen lassen», sagt Jürg Balsiger von den Stanserhornbahnen. «Dieser Machtpoker wird mir in unguter Erinnerung bleiben.»

In Engelberg bleibt die Lage verfahren

Noch viel zu reden geben wird der Entscheid am Brunni. Als einzige der drei unterlegenen Bahnen überlegen sie sich, das reguläre GA anzuerkennen, damit die Touristen mit dem Swiss-Travel- Pass weiterhin kostenlos auf den Berg kommen. Noch ist der Entscheid nicht gefallen. Die Zeit drängt indes. Bis spätestens Ende Monat müssen sich die Brunnibahnen entscheiden.

Sowieso bleibt in Obwalden die Lage angespannt. Von Engelberg aus erreicht man nicht nur das Brunni, sondern auch den Titlis. Die Titlisbahnen stören sich daran, dass die Brunnibahnen zunehmend internationale Gäste ansprechen – nicht nur mit dem Swiss-Travel-Pass, sondern beispielsweise auch durch ein indisches Gastronomieangebot bei der Talstation.

Kürzlich haben die Titlisbahnen den Zusammenarbeitsvertrag zwischen den beiden Betreibern gekündigt, womit es für den kommenden Winter keinen gemeinsamen Skipass mehr geben wird. Die Brunnibahnen hatten das immer bedauert. Geschäftsführer Thomas Küng sagt:

«Nun nachdem sich der Konflikt um den Swiss-Travel-Pass entspannt hat, erhoffe ich mir ein Entgegenkommen der Titlisbahnen.»

Für die Titlisbahnen hat das eine allerdings nicht mit dem anderen zu tun, wie Norbert Patt sagt.

Auffällig ist indes: Im Berner Oberland sind die Jungfraubahnen gegen das Schilthorn genau nach demselben Muster vorgegangen. Auch sie ärgerten sich über die Anerkennung des Swiss- Travel-Passes – und auch dort machten die Jungfraubahnen Schluss mit dem gemeinsamen Skipass. Auch wenn das niemand so sagen will: Die Titlisbahnen dürften ihren Kooperationswillen auch davon abhängig machen, ob die Brunnibahnen künftig das GA anerkennen oder nicht.

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