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TRADITION: Altbundesräte wollen neue Landeshymne

Die amtierende Landesregierung sieht keine Notwendigkeit für eine neue Landeshymne. Vier ehemalige Magistraten hingegen schon – zur Freude der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft.
Noch ist am 1. August jeweils der Schweizerpsalm der Hit. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone)

Noch ist am 1. August jeweils der Schweizerpsalm der Hit. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone)

Kari Kälin

Jetzt, sagt alt Bundesrat Moritz Leuenberger (SP), könne er es ja zugeben. Dass er am Schluss nur noch die Lippen bewegt habe. Dass er die schwülstigen Teile nicht auswendig lernen mochte. Dass er sich auf eine neue Nationalhymne freue, die alle Sportlerinnen, Sportler und Bundesräte von A bis Z auswendig und mit Freude singen werden.

Der frühere Verkehrsminister ist nicht der einzige Altbundesrat, der den Schweizerpslam («Trittst im Morgenrot daher») zu einem historischen Relikt degradieren möchte. Auch Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), Ruth Metzler (CVP) und Ruth Dreifuss (SP) bekennen sich öffentlich zur Landeshymne mit alter Melodie, aber neuem Text (siehe Kasten).

Zur Erinnerung: Die Initiative für eine moderne Hymne stammt von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), bekannt als Verwalterin der Rütliwiese. In den letzten vier Jahren hat sie 700000 Franken investiert, um die aktuelle Version, welche die SGG als nicht mehr zeitgemäss erachtet, durch eine neue zu ersetzen. Im September 2015 wurden die Zeilen von Werner Widmer («Weisses Kreuz auf rotem Grund») in einem Wettbewerb zum Siegerbeitrag erkoren. Seither versucht die SGG, diese Variante unters Volk zu bringen. Im letzten Jahr, beim Lackmustest am 1. August, blieb die Resonanz bescheiden, obwohl die SGG alle rund 2350 Schweizer Gemeinden dazu eingeladen hatte, die neuen Zeilen zu intonieren. Nur gut 20 Gemeinden folgten dem Aufruf.

Auch Roger Federer angefragt

Nun sollen die vier Altbundesräte, die politischen Aushängeschilder in einem prominent besetzten 70-köpfigen Unterstützungskomitee, dem SGG-Projekt frischen Schub verleihen. Amtierende und ehemalige Regierungsräte sowie Vertreter aus Sport, Wissenschaft und Kultur konnte die SGG ebenfalls für ihr Anliegen gewinnen. «Wir waren positiv überrascht, dass die meisten Angefragten zugesagt haben», sagt SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger. Mit an Bord sind unter anderem auch die Kabarettisten Emil Steinberger und Simon Enzler, Rapper Greis, Opernsängerin Noëmi Nadelmann, Beat W. Zemp, der Präsident des Schweizer Lehrerverbandes, und der Luzerner Zigarrenfabrikant Heinrich Villiger.

Auch volkstümliche Kreise weibeln ebenfalls für die neue Hymne, zum Beispiel Jakob Freund, ehemaliger SVP-Nationalrat und Volksmusiker aus Appenzell Ausserrhoden, und Schwingerkönigin Sonia Kälin. Die Rückmeldung von Wimbledon-Rekord­sieger Roger Federer steht noch aus. Das Hymnenprojekt stand politisch von Anfang an im Gegenwind. Vor allem eidgenössische Parlamentarier aus den Reihen der SVP und CVP kritisieren das Vorhaben. Der Tenor: Die SGG sei nicht legitimiert, eine neue Hymne zu lancieren. Alle Anti-SGG-Vorstösse scheiterten aber. Auch die Strafaktion, der SGG die Verwaltung der Rütliwiese zu entziehen, fand keine Mehrheit. Der Bundesrat seinerseits erachtet eine neue Hymne nicht als Notwendigkeit, taxiert das Vorgehen der SGG aber auch nicht als illoyal.

Die SGG will den politischen Prozess zur Installation der neue Hymne lancieren, «wenn der Text genügend bekannt und beliebt im Volk ist», wie Lukas Niederberger sagt. Das könne Jahre oder Jahrzehnte dauern. Niederberger wünscht sich letztlich eine Volksabstimmung. Um ihr Ziel zu erreichen, brauche die SGG ­einen langen Atem.

Kurzen Prozess machen will die CVP des Kantons Luzern: Sie verlangt abermals einen Übungsabbruch. Altnationalratspräsident Ruedi Lustenberger (CVP) fordert sogar den Bundesrat dazu auf, «ein Machtwort zu sprechen und das Projekt zu stoppen». Der Bundesrat sei die einzig legitimierte Behörde, die Landeshymne festzulegen. Und: «Es zeugt von wenig staatspolitischem Sensorium, wenn ehemalige Bundes- und Regierungsräte mithelfen, diesen unnötigen innenpolitischen Zwist zu befeuern.»

Niederberger betont derweil, es gehe der SGG nicht darum, dass der Text möglichst rasch zur offiziellen Hymne werde. Vielmehr sollen landesweit Diskussionen geführt werden über die Frage, was inhaltlich in einer Hymne stehen solle, «und welche Werte uns heute und morgen leiten sollen».

Der Hymnentext

Weisses Kreuz auf rotem Grund,
unser Zeichen für den Bund:
Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden.
Offen für die Welt, in der wir leben,
lasst uns nach Gerechtigkeit
streben!
Frei, wer seine Freiheit nützt,
stark ein Volk, das Schwache stützt.
Weisses Kreuz auf rotem Grund,
unser Zeichen für den Schweizer Bund.

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