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TRANSPLANTATIONSGESETZ: Mediziner streiten über Zeitpunkt der Organentnahme

Neu sollen Ärzte den Hirntod schon nach fünf statt wie bisher nach zehn Minuten feststellen dürfen. Dagegen regt sich Widerstand bei Medizinern und Patientenschützern.

Die Affiche liest sich unspekta­kulär: Mitte Monat tritt das revidierte Transplantationsgesetz in Kraft. Das hat der Bundesrat vor knapp einem Monat so entschieden. Doch nun treibt in letzter Minute ein Streit die Fachleute um. Es geht um die Wartezeit für die Organentnahme nach der Feststellung des Todes.

Die für die einschlägigen Richtlinien zuständige Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat entschieden, dass der Tod nach einem Herzstillstand neu schon nach fünf statt wie bisher nach zehn Minuten festgestellt werden darf. Grund: Mit einem Echokardiogramm könne zu diesem Zeitpunkt einwandfrei diagnostiziert werden, dass das Hirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt ist.

Das sehen die Medizinethiker nicht so. In einem Protestbrief an den Bundesrat sprechen sich die Hippokratische Gesellschaft Schweiz, Human Life Interna­tional, die Schweizerische Ge­sellschaft für Bioethik und die Vereinigung Katholischer Ärzte Schweiz dezidiert gegen die neuen Richtlinien aus. Sie fordern, dass die Revision des Transplantationsgesetzes erst in Kraft gesetzt wird, wenn die SAMW bei der Halbierung der Wartefrist auf ihren Entscheid zurückkommt.

Kürzere Wartezeit, frischere Spenderorgane

Die Kritiker argumentieren, als Kriterium für den Tod eines Menschen sei der irreversible Ausfall sämtlicher Funktionen des Hirns massgebend. Trete der Funktionsausfall des Grosshirns bei einem Herzstillstand nach etwa fünf Minuten ein, überlebe der Hirnstamm bis zu zehn Minuten oder länger. Die Protestierenden argwöhnen, es dränge sich der Eindruck auf, die Wartezeit, die den Organspender schützen sollte, werde zu Gunsten möglichst frischer Spenderorgane verkürzt. Und das dürfe nicht sein.

Ein happiger Vorwurf, den die SAMW nicht gelten lässt. Sie stellt in Abrede, sie wolle mit der Verkürzung der Wartezeit mehr Organe für die Transplantation sichern. Entscheidend sei einzig und allein die sichere Klärung des Todeszeitpunkts, inklusive Hirntod-Diagnostik. Michelle Salathé, stellvertretende Generalsekretärin der Akademie, sieht denn auch «keinen Anlass», auf den Entscheid zurückzukommen. Im Gegenteil: «Die Kritik an den Richtlinien ist nicht berechtigt», sagt sie. Die Änderungen seien von allen Gremien «ausführlich debattiert und verabschiedet worden». Dies, nachdem im Gefolge der öffentlichen Vernehmlassung eine «nochmalige Literaturrecherche und vertiefte Diskussion» stattgefunden habe.

Wissenschaftlicher Nachweis angezweifelt

Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung Patientenschutz (SPO), spricht mit Blick auf die Fünf-Minuten-Regelung nichtsdestotrotz von einem «Skandal». «Was hier abläuft, ist unverantwortlich und wird ein Bumerang für die Organspende», ist ihre Befürchtung. Sie bemängelt insbesondere den wissenschaftlichen Nachweis für den von der SAMW ins Feld geführten Zeitpunkt des Hirntods. Nicht zu reden von den Situationen, die unter dem Zeitdruck im Operationssaal zwischen Patient, Angehörigen und Medizinern entstehen könnten. Denn längst nicht immer sei klar, was der Patientenwille ist.

Stellt sich am Ende die Frage, was mit der Forderung ist, die ­Inkraftsetzung des revidierten Transplantationsgesetzes auszusetzen. Die Antwort fällt einstweilen kurz und bündig aus: «Der Bundesrat wird den Brief entgegennehmen und das Anliegen prüfen», heisst es dazu beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Zeit drängt, weil am 15. November klar sein muss, wann ein Patient tot ist und ihm Leber, Lunge und Nieren entnommen werden können.

Balz Bruder

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