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TRESOR: Fünf Tonnen Geheimnis

Täglich fahren Autofahrer durch Rickenbach TG und staunen über den Tresor in einem Garten. Yves Senn und ein Kollege haben den Safe im Internet für einen Franken ersteigert. Das Problem: Der Koloss geht nicht auf.
Roland P. Poschung
In diesem Tresor vermutet der (Bild: PD)

In diesem Tresor vermutet der (Bild: PD)

Roland P. Poschung

«Eigentlich war es eine Bieridee», sagt Yves Senn. «In einer Bar in Winterthur stiess ich mit einem Kollegen bei einem Internetauktionshaus auf diesen Tresor. Wir machten uns einen Spass und investierten beide je 50 Rappen in das Angebot.» Zu ihrem Erstaunen bot sonst niemand mit. So wurde Yves Senn, 41-jähriger Bijoutier aus Winterthur, Mitbesitzer eines riesigen, rostigen Safes. Da Senn sich oft bei seiner 77-jährigen Mutter in Rickenbach TG aufhält, hat er den Antiktresor auf dem Autoabstellplatz neben ihrem Haus abstellen lassen.

Die Transportkosten vom Standort des Tresors in einem aargauischen Dorf nach Rickenbach konnten die beiden neuen stolzen Besitzer noch verkraften: «Ein Schwertransporter übernahm für 450 Franken die Überführung. Erst hiess es, der Tresor wiege rund drei Tonnen. Doch der Inhaber des Transportunternehmens bestätigte dann das Gewicht mit fünf Tonnen. Diese Gewichtsdifferenz ermunterte uns, positiv zu denken: Könnten sich darin allenfalls Goldbarren befinden?», sagt Senn.

Über einen Schrotthändler zum Internetauktionshaus

Der Tresor trägt die Aufschrift des einstigen Herstellers: Bauer AG, Zürich, einst eine Firma der heutigen Kaba AG. Seit der Gründung der Schlosserei und Kassenfabrik Franz Bauer im Jahr 1862 und später, im Jahr 1915, der Bauer AG, baut Kaba Tresore und Tresoranlagen für den Hochsicherheitsbereich.

Yves Senn wollte mehr über die Geschichte des Tresors erfahren und fuhr zum letzten Standort ins Aargauische und fand heraus, dass der Tresor ursprünglich einer Fabrik gehört hatte, die geschlossen und deren Gebäude abgebrochen werden musste. So kam das Ungetüm zu einem Schrotthändler. Dort blieb der Safe ebenfalls lange ungebraucht im Freien stehen. Vor rund drei Jahren starb der Schrotthändler, und sein Haus wurde verkauft.

Der neue Hausbesitzer fand für den Tresor keine weitere Verwendung und bot ihn auf Ricardo, dem schweizweit grössten Online-Marktplatz, an. Da kamen Yves Senn und sein Kollege ins Spiel.«Mein Kollege und ich haben uns lange Gedanken gemacht, was wohl im Tresorinneren lagert. Wir haben Offerten für eine Öffnung eingeholt, aber die Kosten waren uns zu hoch.»

Beim Gedanken daran, was wäre, wenn sie einmal im Altersheim wären, und eine andere Person öffnete den Tresor und fände darin ein millionenschweres Vermögen, fanden sie: Ja, dies würde sie ärgern. «Also mussten wir selber aktiv werden», sagt Yves Senn. Zuerst boten sie einen Kollegen aus der Baubranche mit Bohrer und einer kleinen Kanalreinigungskamera auf. Dieser gab bald auf: Tiefer als zwei Zentimeter drang der Bohrer nicht in den Koloss ein.

Geld sammeln für die Öffnung

Vom Schlüssel- und Safe-Spezialisten Kaba in Rümlang bekam Senn einst eine Offerte für eine «Notöffnung» über rund 5000 bis 6000 Franken inklusive Öffnung mit Schweissgerät und Entsorgung. Nun möchte Yves Senn mit einer Sammelaktion auf der Crowdfunding-Plattform 100-days.net unter dem Titel «Panzerknacker-Investor» einen neuen Anlauf nehmen und sich so die Öffnung von Interessierten mitfinanzieren lassen. Teil der Aktion soll sein, dass der Tresor bei einem «Happening» gemeinsam mit den Geldspendern in Rümlang in der Werkanlage von Kaba geknackt wird.

Senn erinnert sich an den Hotelbrand in Arosa im letzten Winter. Ein Gast hatte im Hotel-Safe Schmuck seiner Frau gelagert. SRF übertrug das Knacken des Safes in der Sendung «Schweiz aktuell» live. Ob mit oder ohne TV: Senn freut sich über Unterstützung. Die Frage der Erfolgsbeteiligung lässt er allerdings offen. Und auch die Sammelaktion ist noch nicht freigeschaltet – möglicherweise irritiert die Betreiber das Wort Panzerknacker ...

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