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TROCKENHEIT: Der Kampf gegen die Dürre

In gewissen Regionen der Schweiz wird das Wasser künftig häufiger knapp werden. Das führt zu Konflikten zwischen den Nutzern. Experten fordern, die Schweiz müsse sich besser darauf vorbereiten.
Michel Burtscher
Wasser als Mangelware: Der Sihlsee bei Euthal war im Mai 2011 ziehmlich weit abgesunken. (Bild: Sigi Tischler/Keystone)

Wasser als Mangelware: Der Sihlsee bei Euthal war im Mai 2011 ziehmlich weit abgesunken. (Bild: Sigi Tischler/Keystone)

Es sind alarmierende Nachrichten: Im Jahr 2050 wird die Hälfte der Weltbevölkerung laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Gebieten leben, in denen «Wasserstress» herrscht – die Nachfrage nach Wasser also nicht nachhaltig erfüllt werden kann. Die Schweiz befindet sich diesbezüglich in einer privilegierten Lage: Sie ist bereits heute das Wasserschloss Europas – und das wird sie gemäss Experten auch in Zukunft bleiben. Trotzdem steht auch die Schweiz vor Herausforderungen: Zwar wird es über das ganze Jahr gesehen auch künftig genug Wasser geben, in gewissen Regionen der Schweiz wird die Wasserknappheit saisonal aber markant zunehmen. Betroffen sind vor allem das Mittelland und der Jura. Dafür verantwortlich ist nicht nur der Klimawandel, sondern beispielsweise auch das Siedlungswachstum.

Gegen Ende des Jahrhunderts müsse man im Durchschnitt etwa alle zwei bis drei Jahre mit einem Hitzesommer wie im Jahr 2003 rechnen, sagt Rolf Weingartner, Hydrologe an der Universität Bern. Die Niederschläge könnten im Sommer um bis zu 50 Prozent zurückgehen bei gleichzeitig zunehmenden Temperaturen. Und das wird vermehrt zu Konflikten zwischen den verschiedenen Anspruchsgruppen und Nutzern führen. So wollen beispielsweise Landwirte ihre Felder während langen Trockenperioden mit Wasser aus den Flüssen bewässern. Gleichzeitig wehren sich die Umweltschützer dagegen, dass den sowieso schon trockenen Fliessgewässern noch mehr Wasser entzogen wird. Auch die Trinkwasserversorgung, die Flusskraftwerke und die Schifffahrt sind betroffen. Grund für Alarmismus besteht laut Weingartner aber nicht. «Entscheidend ist, dass man sich gut auf solche Situationen vorbereitet.»

Eine bessere Vernetzung und Planung sind nötig

Doch genau damit hapert es hierzulande im Moment noch. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine bisher wenig beachtete Studie des Gottlieb-Duttweiler-­Instituts (GDI), die dieses Jahr veröffentlicht wurde. Demnach braucht es in der Schweizer Wasserwirtschaft eine bessere Zusammenarbeit, damit die künftigen Probleme gelöst werden können. Heute würden viele Akteure mitmischen, die unterschiedliche Ziele und Interessen verfolgten. Das Gebilde sei kompliziert und intransparent, schreiben die Auto­rinnen der GDI-Studie. Sie schlagen darum die Einführung eines sogenannten «integralen Einzugsmanagements» vor: Gewässer müssen demach als Gesamtsystem verstanden werden und auch als Einheit bewirtschaftet werden. Die Strukturen müssten an die Natur der Gewässer angepasst werden. Ähnlich sieht das auch Weingartner: Nötig seien künftig eine bessere Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteuren, ein regionales Wassermanagement sowie eine Notfallplanung. «Es muss geklärt werden, wer während solcher Trockenperioden wie viel Wasser erhält.»

Bund will keinen ­zentralistischen Ansatz

Eine bessere Planung für den Ernstfall fordert auch der Schweizer Bauernverband (SBV). «Für die Landwirte ist es wichtig, dass sie sich auf solche Situationen vorbereiten können. Sie sollen wissen, wie viel Wasser sie bekämen», sagt Alexandra Cropt vom SBV. Gleichzeitig sensibilisiere der Bauernverband die Landwirte auch, die Wasserressourcen effizient einzusetzen.

Der Bund hat das Problem erkannt: Es wurden in den letzten Jahren mehrere Strategien dazu erarbeitet, die zurzeit umgesetzt werden, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) auf Anfrage mitteilt. Zudem unterstütze der Bund die Kantone fachlich. Heute liegt die Wasserbewirtschaftung in ihrer Kompetenz. Kaum sinnvoll ist es laut dem Bafu, die Wasserressourcen künftig zentralistisch vom Bund aus zu steuern. Dafür würden sich die Probleme von Region zu Region zu stark unterscheiden. Das Bafu hält es darum für sinnvoller, die bestehenden Planungsinstrumente der Kantone auch künftig zu nutzen – und wenn nötig gezielt zu erweitern.

Rolf Weingartner stellt den Konzepten des Bundes ein gutes Zeugnis aus. Den Vollzug in gewissen Kantonen und Gemeinden bemängelt er jedoch. «Wichtig ist, dass man jetzt handelt und nicht erst, wenn die Notsituation schon eingetroffen ist.»

Michel Burtscher

Blick auf den Bodensee während einer lange andauernden Trockenperiode im Frühjahr 2011. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Arbon, 5. Mai 2011)

Blick auf den Bodensee während einer lange andauernden Trockenperiode im Frühjahr 2011. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Arbon, 5. Mai 2011)

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