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Kommentar

Trumps Wette auf sich selbst

Seit Franklin D. Roosevelt hat kein Präsident mehr derart auf sich selbst gewettet wie aktuell bei den Zwischenwahlen Donald Trump. Damit riskiert er, dass republikanische Verluste im Parlament als Votum gegen ihn verstanden werden.
Patrik Müller
Patrik Müller

Patrik Müller

Erstmals seit Donald Trumps Wahl vor zwei Jahren schreiten die Amerikaner am Dienstag wieder an die Urnen. Sie bestimmen zwar Senatoren, Kongressabgeordnete und Gouverneure, aber eigentlich geht es vor allem um den Mann, der auf keinem Wahlzettel steht: Donald Trump. Er hat die Wahlen zum Referendum über sich selbst gemacht, indem er loyalen Kandidaten per Tweet zur Nomination verholfen und sie dann im Wahlkampf an Veranstaltungen unterstützt hat – nach dem Motto: «Eine Stimme für ihn ist eine Stimme für mich!»

Frühere Präsidenten sind bei Zwischenwahlen vor dieser Ego-Strategie zurückgeschreckt, weil die regierende Partei meistens Sitze einbüsst. Doch Trump, berauscht von seinem unerwarteten Triumph 2016, glaubt, auch Parlaments- und Gouverneurswahlen aus eigener Kraft entscheiden zu können. Historiker sagen, seit Franklin D. Roosevelt, US-Präsident im Zweiten Weltkrieg, habe kein Präsident mehr derart auf sich selbst gewettet.

Damit riskiert Trump, dass republikanische Verluste im Parlament als Votum gegen ihn verstanden werden. Trump («ich hasse Verlierer!») darf am Dienstag also nicht verlieren. Zumindest im Repräsentantenhaus könnte aber genau das geschehen.

Denn Trump mobilisiert seine Gegner – vor allem Frauen und Städter – mindestens so stark wie seine eigene Basis, die Wahlbeteiligung könnte diesmal alle Rekorde sprengen. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Trump, den viele für einen Demokratie-Gefährder halten, scheint die Demokratie in den USA zu beleben.

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