TWITTER: Beamten-Tweet erzürnt Schweizer Buchhändler

Der Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft lobt den Onlinehandels-Riesen Amazon. Das kommt gar nicht gut an.

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Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekratariat für Wirtschaft (Seco). (Bild: Keystone (Archiv) / Peter Schneider)

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekratariat für Wirtschaft (Seco). (Bild: Keystone (Archiv) / Peter Schneider)

fak. Seit August ist Boris Zürcher Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Schon länger ist der 50-Jährige auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unterwegs. Dort teilt er sich in 140 Zeichen der Welt mit: Er gibt Buchstipps, verweist auf die neusten Seco-Konjunkturprognosen, postet Bilder aus den Familienferien. Immer wieder schlüpft Zürcher auch in die Rolle eines Konsumenten, etwa wenn er mitteilt, seit Jahren auf den Gleitschirm Epsilon 3 der Thuner Firma Advance zu vertrauen.

«Unverschämtes Lob»

Am 24. Dezember twitterte Zürcher: «Eine Hymne auf @amazon. Wie versprochen heute Lieferung eingetroffen.» Diese Werbung kommt beim Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband gar nicht gut an: «Dass der oberste Arbeitsmarktverantwortliche öffentlich eine Firma lobt, die in der Schweiz weder Steuern zahlt noch Arbeitsplätze schafft, ist unverschämt», sagt Geschäftsführer Dani Landolf. Auf den Onlinehandels-Riesen sind die Schweizer Buchhändler nicht gut zu sprechen, denn Amazon macht ihnen ebenso zu schaffen wie den Schweizer Verlagen: Das Unternehmen drückt die Preise – zu unfairen Bedingungen, wie Landolf sagt: So könne Amazon mehrwertsteuerbefreit in die Schweiz liefern und werde sogar noch von der Deutschen Post subventioniert. «Wir hingegen bilden junge Leute aus, zahlen ordentlich Steuern und schaffen Arbeitsplätze. Herr Zürcher sollte Werbung für uns machen und nicht für einen marktbeherrschenden ausländischen Konzern», fordert er.

Kein ausdrückliches Verbot

Klare Regeln für den Umgang mit sozialen Medien definiert der Bund nicht. Der entsprechende Leitfaden verbietet den Bundesangestellten nicht ausdrücklich, solche Tweets zu verfassen. Es heisst lediglich: «Veröffentlichen Sie keine Aussagen, Kommentare oder Dokumente, welche die Bundesverwaltung schädigen könnten.» Medienexperten schätzen Zürchers Tweets jedoch als heikel ein. So sagt Manuel P. Nappo, Leiter der Fachstelle Social Media an der Hochschule für Wirtschaft Zürich: «Private und berufliche Identität verschwimmen in sozialen Medien sehr leicht. Um solcher Kritik zu entgehen, sollte Herr Zürcher auf seinem Profil angeben, dass die Tweets seine persönlichen Ansichten wiedergeben.»

Weder Boris Zürcher noch das Seco wollten auf Anfrage Stellung zur Kritik nehmen.