TX Group
Aus zwei wird eins: Berner Zeitungen fusionieren – dabei tönte es vor kurzem noch ganz anders

Die Regionalredaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» werden heute über die Zusammenlegung informiert.

Nina Fargahi
Merken
Drucken
Teilen
Die Lokalredaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund» werden zusammengelegt.

Die Lokalredaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund» werden zusammengelegt.

Keystone

Die Lokalressorts der beiden Berner Zeitungen «Bund» und «Berner Zeitung» verlieren ihre Eigenständigkeit und werden zu einer Redaktion zusammengelegt. Schon heute gleichen sich die beiden Zeitungen. Nun soll auch die regionale Berichterstattung künftig aus einer Hand kommen, während gleichzeitig beide Titel erhalten bleiben. Der Verlag möchte am heutigen Donnerstag über die Sparmassnahmen informieren, die Chefredaktoren Simon Bärtschi und Patrick Feuz werden vor Ort in Bern sein.

Noch im letzten Oktober zeigte sich der Verleger der TX Group, Pietro Supino, zuversichtlich und betonte die demokratiepolitische Bedeutung eines vielfältigen Medienangebots. Er schrieb: «In Bern konnten wir sogar zwei konkurrierende Qualitätszeitungen erhalten, was auch international betrachtet aussergewöhnlich ist.» Es sei seine Ambition, das «erfolgreiche Berner Modell» weiterzuführen. Dies sei jedoch vom Eintritt mehrerer Bedingungen abhängig.

«Der Bund» gilt eher als städtisch, die «Berner Zeitung» (BZ) ist eher ländlich ausgerichtet. Dieses Modell bediente somit zwei unterschiedliche Leserschaften und pflegte eine publizistische Konkurrenz zueinander.

Stellenabbau in grösserem Rahmen erwartet

Doch damit ist jetzt Schluss. Noch im gleichen Monat Oktober informierte die Geschäftsleitung in einer Videokonferenz, dass es ab Frühling 2021 nur noch eine Redaktion für die beiden Tageszeitungen geben soll. Das Berner Modell wird damit beerdigt, neu entsteht das «Team Bern». Die «Bund»-Belegschaft schrieb einen offenen Protestbrief. Man werde mit diesem Schritt nebst Abonnenten in Bern auch die publizistische Glaubwürdigkeit verlieren. Die Redaktion verlangte nach klärenden Worten, doch eine Antwort ist bis heute ausgeblieben.

Auch auf der politischen Ebene tat sich was: Sechs Berner Nationalräte wandten sich in einem Brief an den Berner Regierungsrat, taten ihre Sorge über die schwindende Medienvielfalt kund und forderten ihn zum Handeln auf. Doch was im Oktober angekündigt wurde, wird jetzt vollstreckt. In den Redaktionen herrscht Verunsicherung. Denn diese Zusammenlegung ist mit einem Stellenabbau in grösserem Rahmen verbunden. Die NZZ schreibt, dass rund ein Drittel der siebzig Vollzeitstellen beider Lokalressorts wegfallen dürften.

Auf dem Berner Medienplatz entsteht Neues

Ein Redaktor der Berner Zeitung ist aufgewühlt: «Wir sitzen im Homeoffice und grübeln, wen es treffen könnte.» Und kaum habe man eine Sparrunde überlebt, komme die nächste. Eine Redaktorin beim Bund sagt: «Die Chefredaktoren werden aufgefordert, einen Text zu schreiben und zu sagen, was an dieser Fusion gut sein soll. Aber gut ist daran gar nichts.»

Derweil entsteht auf dem Berner Medienplatz Neues. Rund zwanzig Journalisten haben sich zusammengeschlossen und tüfteln unter dem Arbeitstitel «Neuer Berner Journalismus» an einem neuen Onlinemedium. Im vorerst ehrenamtlichen Vorstand ist auch der bekannte Journalist Jürg Steiner, der seit zwanzig Jahren bei der BZ arbeitet und kürzlich gekündigt hat. «Wir wollen nicht nur jammern und nicken, sondern selbst etwas auf die Beine stellen», so Steiner. Der Verlag wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.