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Überfüllte Züge: Sollen Billette teurer werden zu Stoss- und Ferienzeiten?

Pannen auf der Bahn-2000-Strecke und Überlastung auf Nord-Süd-Achse regen Gedanken zu neuen Preis-Berechnungen an. Verkehrspolitiker sind skeptisch.
Pascal Ritter und Patrik Müller
Der Bahnhof Mellingen-Heitersberg mit dem Tunneleingang zum Heitersbergtunnel. Aufgenommen am 1. Februar 2013.

Der Bahnhof Mellingen-Heitersberg mit dem Tunneleingang zum Heitersbergtunnel. Aufgenommen am 1. Februar 2013.

Und wieder Verspätungen bei den SBB, und das ausgerechnet auf der Paradestrecke. Am Montag brach eine Schiene bei Rothrist AG. Die Bahn-2000-Strecke zwischen Olten und Bern musste gesperrt werden. Es kam im Morgenverkehr zu Verspätungen. Die immer proppenvollen Züge von Zürich nach Bern mussten über die alte Strecke fahren, was rund eine Viertelstunde länger dauert.

Ein Schienenbruch sei eine seltene Angelegenheit, sagt ein SBB-Sprecher. Es ist schon das zweite seltene Ereignis innert weniger Tage: Erst am Freitag hatte ein Zug, der bei Bauarbeiten Öl verlor, zu Verspätungen und Zugausfällen auf der gleichen Strecke geführt. Die Häufung der Vorfälle zeigt sich auch in der Statistik. Gemäss dem Portal Pünktlichkeit.ch, das SBB-Daten aufbereitet, waren in den letzten sieben Tagen 39 Prozent der Intercity-Züge auf der Strecke Bern–Olten mehr als drei Minuten verspätet. Auf der Strecke Zürich–Bern waren es 36 Prozent, zwischen Lausanne und Fribourg 43 Prozent.

Reisende ins Tessin mussten aussteigen

Am Wochenende traf es auch den Freizeitverkehr. Passagiere, die von Zürich ins Tessin fuhren, wurden in Arth Goldau darum gebeten, den Zug zu verlassen und auf eine spätere Verbindung umzusteigen. «Das Problem entstand, weil wir wegen einer Störung einen Zug verkürzt führen mussten. Mit nur einem statt zwei Zugsteilen fehlten auf einer Verbindung 500 Sitzplätze, was einen Dominoeffekt über den ganzen Tag auslöste», erklärt ein SBB-Sprecher. Allerdings zeigen Meldungen von weiteren Betroffenen auf der Redaktion von CH Media, dass es schon ähnliche Vorfälle gab: Bereits am Freitag vergangener Woche war es Passagieren nicht möglich, einen geplanten Zug zu nehmen, weil dieser überfüllt war. Der Ärger ist gross, auch weil offenbar die Informationen nicht so flossen, dass die Passagiere wussten, wohin die Reise geht.

Die Ereignisse auf der Nord-Süd-Achse verleihen einer alten Idee neuen Schub: Analog zu den Flugtickets sollen auch Zugbillette zu besonders beliebten Zeitpunkten teurer werden, um die Passagiereströme besser zu verteilen. So schlug es am Dienstag die «NZZ» vor. Gemäss CH-Media-Informationen gibt es in der SBB-Führung Fürsprecher dieser Idee. Eine erste Klausur zu abgestuften Preisen hat der SBB-Verwaltungsrat bereits vor zwei Jahren durchgeführt. Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar sagte in einem Interview mit dieser Zeitung: «Technisch gibt es ganz neue Möglichkeiten der Preisdifferenzierung. Das Smartphone eröffnet neue Perspektiven.» Die SBB-Ideen kommen bei kleineren im Verband öffentlicher Verkehr organisierten Betriebe aber schlecht an – und allein können die SBB die Flexibilisierung nicht einführen. Doch angesichts des hohen prognostizierten Passagierwachstums gebe es gar keine Alternative zu «Stosszeiten-Zuschlägen», glauben SBB-interne Stimmen, die diesen Begriff aber nicht öffentlich in den Mund nehmen, da er «toxisch» sei.

Mehr Bezahlen am Ferienanfang?

Was sagen Verkehrspolitiker zu flexiblen Preisen? Der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber: «Betriebswirtschaftlich ist das sinnvoll, und bei den Flügen ist das Prinzip ja breit akzeptiert.» Allerdings sei ein solcher Wechsel kaum umzusetzen, weil die Passagiere Preiserhöhungen nicht akzeptieren würden. Die Frage müsse von den Verkehrsbetrieben entschieden werden.

Bei Verkehrspolitikern kommt diese Forderung unterschiedlich gut an. Der Luzerner Ständerat Konrad Graber etwa, findet ein solches Preis-Modell grundsätzlich eine gute Sache. «Betriebswirtschaftlich ist das sinnvoll und bei den Flügen ist das Prinzip ja breit akzeptiert», sagt er. Allerdings sei ein solcher Wechsel kaum umzusetzen, weil die Passagiere Preiserhöhungen nicht akzeptieren würden. Zudem gibt Graber zu bedenken, dass diese Frage von den Verkehrsbetrieben entschieden werden sollte.

Ablehnend reagiert der Aargauer FDP-Nationalrat Thierry Burkart: «Der Vorschlag der NZZ ist nicht durchdacht. Will man die Reisenden über den Preis steuern, funktioniert das nur über eine erhebliche Preiserhöhung. Das wäre weder sozial noch politisch durchsetzbar».

Kurt Fluri (FDP/SO) betont, eine solche Massnahme müsste mit der Strasse abgestimmt sein, sonst würden die Leute einfach mit dem Auto ins Tessin fahren.

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