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ÜBERWACHUNG: Neue Wolfsfamilien im Anmarsch

Wolfsnachwuchs im Walliser Augstbordgebiet. Diese Tiere tappten im Herbst 2016 in eine Fotofalle. (Bild: Gruppe Wolf Schweiz)

Wolfsnachwuchs im Walliser Augstbordgebiet. Diese Tiere tappten im Herbst 2016 in eine Fotofalle. (Bild: Gruppe Wolf Schweiz)

Ein Monitoringjahr entspricht einem biologischen Jahr. «Im Wolfsmonitoring dauert eine solche Periode vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres. Das liegt an der Wurfzeit, die meist im Mai liegt. Die Jungtiere sind bis zum Frühjahr ausgewachsen und könnten ihre Familie verlassen», erklärt Wolfsexperte David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. Gemäss der internationalen Artenschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature) werden alle Wölfe des Alpenraumes der gleichen Population zugeordnet. Gerke betont, dass sich zwar die heutige Alpenpopulation vornehmlich aus Wölfen des italienischen Apennin entwickelt habe, jedoch würden in den Ostalpen auch Wölfe der dinarischen Population des Balkans leben. «Am Alpennordrand in Bayern wurden Wölfe aus der mitteleuropäischen Flachlandpopulation nachgewiesen, die aus Nordostdeutschland oder Westpolen stammen.»

Das Wolfsmonitoring wird nicht einheitlich durchgeführt. Es unterscheidet sich im Alpenraum von Land zu Land und oft auch von Provinz zu Provinz. «Auch in der Schweiz bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Kantonen», sagt er.

Im biologischen Jahr 2016/2017 lebten demnach rund 75 Wolfsfamilien im Alpenraum, erklärt Gerke. In der vorherigen Periode 2015/2016 seien es noch deren 50 gewesen. «Diese Zahl war rückblickend zu tief angesetzt und kam insbesondere aufgrund unvollständiger und nicht aktueller Daten aus Italien zustande», merkt er an. Demnach lebten in Frankreich 42, in Italien 33, in der Schweiz drei und in den slowenischen Alpen ein Wolfsrudel. Vier dieser Wolfsfamilien hätten grenzüberschreitend in Italien und Frankreich gelebt und müssten somit doppelt gezählt werden. «Der Schwerpunkt der Verbreitung der Wölfe liege somit weiterhin in den Südwestalpen auf beiden Seiten des Alpenhauptkamms zwischen Italien und Frankreich.

Auffällig sei sowohl die räumliche Ausdehnung der vom Wolf besiedelten Gebiete besonders nach Norden und Westen, aber auch die Verdichtung der Wolfsbestände in den Südwestalpen. In den italienischen Ostalpen hätten sich mehrere neue Rudel gebildet. Gerke: «Es hat sich offensichtlich ein neues Kerngebiet mit einem Schwerpunkt in der Provinz Venetien etabliert, in dem sich weitere Rudel bilden.» Bereits jetzt seien in diesem Gebiet weitere Wolfspaare bekannt, die sich im kommenden biologischen Jahr fortpflanzen dürften.

Die Situation in der Schweiz

An der nationalen Herdenschutztagung stellte Ralph Manz von der Kora (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) fest, dass im ­Monitoringjahr 2016/2017 drei Reproduktionen und somit drei Wolfsfamilien in der Schweiz nachgewiesen werden konnten: Im Calandagebiet, im Valle Morobbia und im Augstbordgebiet. Diesen Sommer, also schon im Monitoringjahr 2017/2018 sind die Wolfsfamilien am Calanda und im Valle Morobbia bestätigt worden. Beide hatten Welpen. Im Mittelwallis wurde ein neues Rudel in den Tälern Anniviers, Réchy und Hérèns nachgewiesen. Über die Identität der Elterntiere sei kaum etwas bekannt, ergänzt Gerke. Er vermutet, dass das Vatertier der Rüde M73 ist, der seit 2016 in diesem Gebiet lebt. Dessen ehemalige Partnerin, die Wölfin F16, ist im Februar 2017 illegal erschossen worden. Deren Tochter F24 ist neu im Mittelwallis nachgewiesen worden.

Die Bildung weiterer Wolfsfamilien ist absehbar. Manz erklärt, dass sich wohl zwei weitere Wolfspaare in der Schweiz gefunden haben: im Nationalpark im Unterengadin und im Waadtländer Jura. Zerstört worden sei das Wolfspaar in den Nordwestalpen der Kantone Bern und Freiburg, weil die Wölfin F13 im Juni vergiftet wurde. Im Berner Oberland seien ausserdem drei männliche Einzeltiere nachgewiesen worden.

Insgesamt seien die Schäden an Nutztieren 2017 geringer ausgefallen als in den Vorjahren, so Gerke. Der Einzelwolf M75, der in wenigen Wochen in den Kantonen Graubünden, Tessin, Thurgau und Zürich über 50 Schafe riss, ist dem bewilligten Abschuss entkommen. Gerke und Manz vermuten, dass das Tier in Richtung Osten weiterwanderte und die Schweiz verlassen hat. (bor)

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