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UELI MAURER: «Ich bin froh, dass es vorüber ist»

Der scheidende Bundespräsident blickt auf ein anstrengendes Jahr zurück. Er erklärt, warum er trotzdem im Bundeshaus bleiben möchte. Und wieso er früher einmal Journalist werden wollte.
Interview Kari Kälin
Die Freude an der Politik ist ihm nicht vergangen: der scheidende Bundespräsident Ueli Maurer gestern in Adelboden. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Die Freude an der Politik ist ihm nicht vergangen: der scheidende Bundespräsident Ueli Maurer gestern in Adelboden. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Ueli Maurer, sind Sie froh, dass das Parlament im Frühling entschieden hat, es beim einjährigen Bundespräsidium zu belassen?

Ueli Maurer: Ein Jahr ist die absolut beste Lösung für die Schweiz. Wir ertragen im Inland niemanden, der über mehr Rechte verfügt als andere. Deshalb passt das einjährige Präsidium zu unserem Land. Und ich bin froh, dass es vorüber ist.

Bleiben Sie trotzdem noch so lange im Amt, dass Sie vielleicht noch einmal ein Präsidialjahr bestreiten können?

Maurer: Momentan habe ich Lust, noch einige Jahre anzuhängen – aber nicht wegen des Bundespräsidiums, sondern wegen der Arbeit im Verteidigungsdepartement und der Freude an der Politik. Ein Präsidialjahr ist spannend. Unter dem Strich aber bedeutet es mehr Bürde als Würde.

Weshalb?

Maurer: Der Aufwand ist grösser, allein schon wegen der längeren Präsenzzeiten. Daneben gibt es protokollarische Verpflichtungen und Formalitäten, die mir nicht sehr behagen.

Was war Ihre grösste Leistung als Bundespräsident? Was gelang Ihnen weniger gut?

Maurer: Die wichtigsten Ziele habe ich erreicht: Die Sitzungen verliefen effizient, der Bundesrat wurde als Team wahrgenommen, er verhält sich kollegial. Die Journalisten bekundeten verglichen mit früheren Jahren mehr Mühe, Indiskretionen zu verbreiten. Verbessern könnte man viele Details. Jeden Abend kann man sich fragen, ob man dies oder jenes nicht anders hätte machen können. Im Grossen und Ganzen kann ich behaupten: Ich habe als Bundespräsident den roten Faden gefunden.

Impfen Sie mit Ihren Reden lieber den Schweizern Selbstvertrauen ein oder ziehen Sie es vor, vor der UNO-Vollversammlung in New York zu sprechen?

Maurer: Ich mache beides gleich gerne. Die direkten Kontakte von Ministern mit dem Volk sind einmalig, das zeichnet unser Land aus. Die Aussagen, dass die Schweiz mit Selbstvertrauen auftreten und ihre Stärken betonen soll, sind ausserordentlich wichtig. Auch im Ausland konnte ich einige Akzente setzen. Nach meiner Rede vor der UNO-Vollversammlung erhielt ich vor allem von afrikanischen Staaten viel Zustimmung, weil ich auf das Recht von kleineren Staaten gepocht habe.

Haben Sie für Ihre Worte mehr Zustimmung erhalten als zu jenen Zeiten, in denen Sie noch als SVP-Parteipräsident für eine starke, unabhängige Schweiz warben?

Maurer: Ja. Ich habe Tausende von zustimmenden Briefen und E-Mails erhalten, über alle Parteigrenzen hinweg. Diese fast ausschliesslich positiven Reaktionen haben mich überrascht. Offenbar denkt auch ein grosser Teil des Volks, dass wir uns vom Ausland nicht mehr alles bieten lassen sollen.

Sind Sie erleichtert, dass Sie anders wie als SVP-Präsident nicht mehr von einem Teil der Bevölkerung stark angegriffen werden?

Maurer: Ich war gerne SVP-Präsident. In dieser Rolle muss man Positionen markieren, scharf formulieren, Forderungen stellen, in 15 Sekunden für die «Tagesschau» die Welt erklären. Entsprechend heftig fielen teilweise die Reaktionen aus. Ich selber hielt das immer gut aus, aber für meine Familie war das schwer erträglich. Als Bundesrat muss man eher auf einen Ausgleich achten.

Als Höhepunkt Ihres Präsidialjahres haben Sie die Tatsache bezeichnet, dass Sie beim Verlegerkongress für Ihre Rede ausgepfiffen wurden. Erklären Sie bitte Ihre Freude über die Pfiffe.

Maurer: Die Medien nehmen im Staat eine eminent wichtige Rolle für die Demokratie ein. Sie sind die vierte Macht, sie üben eine Kontrollfunktion aus und bieten ein Podium für politische Auseinandersetzungen. Wenn wie jetzt ein Einheitsbrei dominiert, nehmen sie ihre Funktion nicht mehr richtig wahr. Die Medien haben gewisse Tabuthemen. Jahrelang haben sie zum Beispiel kaum über Ausländerkriminalität geschrieben, weil es politisch nicht korrekt war. Ich vermisse auch tiefgründige Analysen und Kommentare. Wenn nun die Verleger meine zwar pointierte, aber faire Kritik derart auspfeifen, disqualifizieren sie sich selber. Ich habe eine riesige Genugtuung erlebt. Ich werde seit 25 Jahren kritisiert. Sobald ich einmal den Spiess umdrehe, werde ich flugs ausgepfiffen. Peinlicher hätten sich die Verleger nicht verhalten können.

Sie haben die Journalisten gestern zum Eisstockschiessen nach Adelboden eingeladen. Für den «Zürcher Oberländer» berichteten Sie in Ihren jungen Jahren einst über die Schweizer Meisterschaften im Eisstockschiessen, um Ihr Sackgeld aufzubessern. Wären Sie gerne Journalist geworden?

Maurer: Das war einmal mein Traumberuf. Während vieler Jahre habe ich für Lokalzeitungen über Sportanlässe berichtet, über Turnerkränzli oder die GV des Samaritervereins. Das fand ich ausserordentlich spannend, man lernt dabei ganz viele Leute kennen.

Würden Sie gerne das Departement wechseln und anstelle von Doris Leuthard Medienminister werden?

Maurer: Mich interessieren sämtliche anderen Departemente sehr. Aber das VBS finde ich das spannendste.

Wie lautet Ihr grösster politischer Wunsch für das neue Jahr?

Maurer: Dass wir das Verhältnis zur EU klären – zu Gunsten von Eigenständigkeit und Souveränität für unser Land.

Das ist wichtiger als ein Ja zum neuen Kampfjet Gripen?

Maurer: Ja.

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