Ukraine-Konferenz
Die ukrainische Spitze reiste mit dem Bundesratsjet an

Am Montag und Dienstag findet die Ukraine-Konferenz in Lugano statt. Die heisse Phase hat jedoch schon am Sonntag begonnen.

Stefan Bühler
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Bundespräsident Ignazio Cassis (l.) und Luganos Bürgermeister Michele Foletti (r.) heissen die ukrainische Delegation willkommen.

Bundespräsident Ignazio Cassis (l.) und Luganos Bürgermeister Michele Foletti (r.) heissen die ukrainische Delegation willkommen.

Alessandro Della Valle / Keystone

In den Strassen röhren die schweren Motorräder der Töff-Fans, die sich ausgerechnet an diesem Sonntag in Lugano zu den Swiss Harley Days versammelt haben. In der Luft rattern die Helikopter der Armee.

Lugano, wo am Montag die zweitägige Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine, die «Ukraine Recovery Conference» (URC), beginnt, befindet sich zwischen sommerlichem dolce far niente und militärischem Ausnahmezustand: Touristen flanieren auf dem Markt am Seeufer, während an allen Ecken schwer bewaffnete Polizistinnen und Polizisten Wache stehen. Die Sonntagszeitung «La Domenica» schreibt es auf der Titelseite: «Verstärkte Kontrollen zur Bekämpfung der terroristischen Bedrohung.» Im Bild zeigt das Blatt patrouillierende Soldaten der Schweizer Armee.

Die offizielle Eröffnung der URC ist zwar erst am Montagmittag im Kongresszentrum. Tatsächlich hat die heisse Phase der Konferenz aber schon am Sonntagnachmittag begonnen: Auf dem Flughafen Agno bei Lugano begrüsste Bundespräsident Ignazio Cassis den ukrainischen Premierminister Denys Schmihal sowie Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk. Die beiden entsteigen auf dem Rollfeld – dem Bundesratsjet. Mit dem Zug reiste die fast hundertköpfige Delegation der Ukraine von Kiew nach Polen, von dort mit einem eigenen Flugzeug nach Zürich. Diese Maschine, heisst es, sei für die Landung in Agno zu gross gewesen, darum der Flugtaxi-Service des Bundes für die zwei Spitzenpolitiker. Der Rest der ukrainischen Delegation überquerte die Alpen derweil per Zug und Auto.

Strikte Abriegelung der Roten Zone

Russland, der Aggressor in dem fürchterlichen Krieg, ist an die Ukraine-Konferenz selbstverständlich nicht eingeladen. Als latente Bedrohung ist das Regime von Wladimir Putin dennoch allgegenwärtig. Entsprechend strikt ist die Abriegelung der Roten Zone, des Kongresszentrums am See und der Villa Ciani, wo sich die Ministerinnen, die Premiers und die Chefs der internationalen Organisationen in den nächsten zwei Tagen versammeln werden.

Hier laufen die letzten Vorbereitungen. Die Fahnen aller Delegationen sind vor dem Eingang aufgezogen, üppige Blumenarrangements sorgen für Farbtupfer im schlichten Kongressgebäude. In der reich dekorierten Villa Ciani aus dem 19. Jahrhundert sind die Tische für ein offizielles Diner bereits gedeckt, im Garten ist das Podest für das Klassenfoto der Teilnehmenden schon aufgebaut.

Corona bereitet mehr Sorgen als russische Hacker

Mitten in dem Gewusel steht Simon Pidoux, der URC-Sonderbotschafter des Aussendepartements. Macht er sich Sorgen wegen eines Anschlags oder einer Hacker-Attacke? Er habe Vertrauen in die Sicherheitsverantwortlichen von Bund und Kanton Tessin: «Was russische Hacker betreffe, verfügten zudem auch unsere ukrainischen Partner über viel Erfahrung.»

Mehr Sorgen bereitet ihm ein anderer, viel kleinerer Gegner: das Coronavirus. «Wir hatten mehrere positive Fälle von angemeldeten Teilnehmenden.» Als Vorsichtsmassnahme wird das Personal, das für das Wohl der Gäste sorgt, deshalb nun mit Maske arbeiten.

Mitten im Gespräch summt Pidoux’ Telefon. Er hört zu, erklärt dann dem Gesprächspartner: «Es braucht sieben Stühle. Die Leute machen ein paar Schritte, werden begrüsst ...» Der Botschafter, der am Sonntag noch in Jeans und T-Shirt unterwegs ist, macht die Schritte selber – wie bei einer Choreografie. Jedes Detail soll sitzen.