Ukraine
Warum der Kanton Bern die meisten minderjährigen Flüchtlinge hat

Der Bund bemüht sich darum, die ukrainischen Geflüchteten gerechter auf die Kantone zu verteilen. Bern und Zürich sollen entlastet werden, Wallis und Freiburg müssen aufholen.

Nina Fargahi
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Der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg sagte im Gespräch mit Radio RTS, sein Kanton habe viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMA) aus der Ukraine aufgenommen. UMA sind Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern geflüchtet und besonders schutzbedürftig sind. Im Kanton Bern sind 196 unbegleitete, ukrainische Kinder registriert, die den Schutzstatus S erhalten haben.

Flüchtlinge erhalten eine warme Suppe in Kandersteg.

Flüchtlinge erhalten eine warme Suppe in Kandersteg.

Keystone

Das ist eine hohe Zahl: Gesamtschweizerisch beträgt die Zahl der UMA aus der Ukraine 365. Mehr als die Hälfte wohnt also derzeit im Kanton Bern. Wie kommt das? Gemäss dem Sprecher der Gesundheits- und Sozialdirektion, Gundekar Giebel, verfügt der Kanton Bern über zahlreiche Kollektivunterkünfte. «Wir konnten von einem Tag auf den anderen ganze Winterschullager freimachen.» Das erlaubte es Bern, grössere Gruppen von Waisenkindern aus der Ukraine aufzunehmen.

Die UMA werden im Kanton Bern in je nach Situation geeigneten Unterbringungsarten betreut, wie zum Beispiel in Pflegefamilien, Wohnheimen oder sozialpädagogischen Grossfamilien. «Dies wird individuell für jeden Einzelfall bestimmt», sagt Giebel. Die Standorte seien im ganzen Kantonsgebiet verteilt. Nebst den knapp 200 alleine geflüchteten Kindern und Jugendlichen kamen rund 1000 Minderjährige in Begleitung: Insgesamt sind seit Kriegsausbruch 1200 ukrainische Kinder im Kanton Bern eingeschult worden.

Weil Bern schon viele Flüchtlinge aufgenommen hat, wird der Kanton vorläufig etwas entlastet. Der Bund verteilt die ukrainischen Flüchtlinge neu nach einem Verteilschlüssel in die Kantone. Wallis und Freiburg etwa sollen mehr Geflüchtete aufnehmen, Bern und Zürich weniger. Mittel- bis langfristig müsste das Ungleichgewicht zwischen den Kantonen ausgeglichen werden, heisst es beim Staatssekretariat für Migration (SEM). Auch St. Gallen, Genf und Aargau dürften sich auf mehr Zuteilungen vorbereiten. 40’000 Flüchtlinge aus der Ukraine wurden bis jetzt in der Schweiz registriert. Der Verteilschlüssel besagt, dass die Geflüchteten entsprechend der Bevölkerungszahl auf die Kantone verteilt werden müssen. Die Unterschiede zwischen den Kantonen sollen gemäss den Behörden in ungefähr drei Monaten ausgeglichen sein.