Mysteriöse Morde an zwei Männern: Um die Leiche verschwinden zu lassen, mieteten sie einen Bagger

Ein Ehepaar und ein Komplize liessen offenbar zwei Menschen ersticken, nur um ihnen Fahrzeuge zu stehlen.

Pascal Ritter
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Das Berner Ehepaar soll eine Leiche vergraben haben. Bild: Alexia Papadopoulos

Das Berner Ehepaar soll eine Leiche vergraben haben. Bild: Alexia Papadopoulos

Als die Sonne untergegangen war, begann Thomas K. zu graben. Am Nachmittag hatte er extra einen Bagger gemietet. Als das Loch zwei Meter tief war, ging er zurück zum Haus, wo seine Frau Corine wartete. Mit vereinten Kräften trugen sie den Toten zum improvisierten Grab auf dem Gelände ihres abgelegenen Bauernhofes im Kanton Bern und warfen ihn hinein.

Dann schaufelte Thomas K. das Loch wieder zu. Es sollte nicht die letzte Leiche bleiben, welche das Paar verschwinden lässt.

Wegen 43 000 Franken musste er sterben

Ab Montag stehen der heute 29-jährige Thomas und seine Ehefrau Corine K. vor dem Bezirksgericht Bülach. Er arbeitete früher als Lastwagenchauffeur, sie als Verkäuferin. Ebenfalls angeklagt ist ihr mutmasslicher Komplize Markus N., 36, ebenfalls ein Lastwagenfahrer.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio Mord, Raub, Körperverletzung, Urkundenfälschung, Erpressung, Betrug und weitere Delikte vor, die sie in verschiedenen Konstellationen begangen haben sollen. Die Anklageschrift gibt Einblicke in menschliche Abgründe, die auch durch die Tatsache, dass Anklageschriften naturgemäss nur die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft und nicht die Argumente der Verteidiger enthalten, kaum relativiert werden. Die Verteidiger wollten sich auf Anfrage nicht äussern. Die detailreiche Schilderung der Anklage und frühere Äusserungen der Staatsanwaltschaft weisen aber darauf hin, dass die Angeschuldigten zumindest teilweise geständig sind. Trotzdem gilt auch hier bis zu einem rechtskräftigen Richterspruch die Unschuldsvermutung.

Der Trick mit dem Smartphone

Es sollte noch eine Weile dauern, bis die Leiche, die das Paar Ende April 2016 mithilfe des Baggers vergraben hatte, entdeckt würde. Erst nach einem zweiten Verbrechen flogen die mutmasslichen Täter auf.

Anfang Juni 2016 stiess Thomas K. im Internet auf das nächste Opfer. Der damals 36-jährige Spediteur Fabian A.* aus dem Zürcher Bezirk Dielsdorf bot einen Lastwagen zum Verkauf an. K. zeigte sich interessiert.

Schliesslich trafen sich Thomas K. und dessen Kollege Markus N. bei der Einstellhalle von A. für eine Probefahrt. Corine K. folgte ihnen unauffällig mit ihrem Subaru Legacy und einem Anhänger. Bei einem Halt auf einem Parkplatz zückte Thomas K. laut Anklageschrift plötzlich eine Pistole, überwältigte und fesselte Fabian A. mithilfe von Markus N.. Während die beiden Männer das Opfer im Anhänger an den Wohnort des Ehepaares K. im Kanton Bern entführten, brachte Corine K. das Mobiltelefon von A. wieder zurück zur Einstellhalle im Bezirk Dielsdorf. Offenbar sollte so der Eindruck entstehen, als wäre A. von der Probefahrt unversehrt zurückgekehrt.

Zur Unterschrift gezwungen

In Wahrheit befand sich A. in der Gewalt seiner Entführer. Seine Augen und sein Mund waren mit mehreren Lagen Klebeband umwickelt. In diesem Zustand soll ihn Thomas K. gezwungen haben, einen Kaufvertrag für den Lastwagen zu unterzeichnen.

Nachdem er dies getan hatte, klebte ihm sein Peiniger mit Klebeband auch noch die Nase zu, worauf er «langsam und qualvoll erstickte», wie es in der Anklageschrift heisst. Offenbar wurde er auch geschlagen, denn als man seinen Körper fand, wies er Quetschungen und ein gebrochenes Nasenbein auf. Die Staatsanwaltschaft schreibt von einem besonders grausamen Vorgehen.

Noch in der gleichen Nacht transportierte Thomas K. den Toten im Kofferraum des Subaru Legacy zurück in den Kanton Zürich und deponierte die Leiche in einem Waldstück zwischen den Gemeinden Boppelsen und Regensberg.

Das Geld war für den Alltag bestimmt

Wenige Tage später versuchte das Trio den Lastwagen einem deutschen Händler zu verkaufen. Den Erlös aus dem Verkauf, der sich auf 43 000 Franken belaufen hätte, wollte das Trio unter sich aufteilen. Ein Mord für 43 000 Franken. Die Staatsanwaltschaft bewertet das als enorme Geringschätzung des Opfers.

Mit dem Geld wollten die mutmasslichen Täter, die früher schon versucht hatten, durch verschiedene Betrügereien an Geld zu kommen, offenbar ihre täglichen Ausgaben bestreiten.

Kurze Zeit nach dem Verkaufsversuch in Deutschland flog das Trio auf.

Sie überwachten ihr Opfer mit dem Babyphone

Bei den Ermittlungen zum «Mord in Boppelsen», wie der Fall in den Medien wegen des Fundortes der Leiche genannt wurde, flog offenbar die erste Tötung auf. Am Wohnort des Ehepaars K. wurde in zwei Metern tiefe die Leiche eines 25-jährigen Serben gefunden.

Gemäss Anklageschrift musste er sterben, weil das Ehepaar K. der Meinung war, ihr Opfer schulde ihnen Geld und Drogen. Unter einem Vorwand hatte man den Serben an den Wohnort des Paares gelockt und überwältig. Eine Zeit lang liess er ihn gefesselt im Kinderzimmer liegen und überwachte ihn mit der Kamera eines Babyphones. Die K.s haben zwei Kinder. Das Paar versuchte ihn offenbar dazu zu bewegen, das Geld und die Drogen aufzutreiben. Als dies nicht klappte, klebte Thomas K. ihm mit Klebeband Mund und Nase zu. Er erstickte. Vorher hatten sie ihm noch den Mercedes seines Vaters abgenommen. Dann mietete K. einen Bagger. Als die Sonne untergegangen war, begann er zu graben.