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UMFRAGE: Mit den Drohnen steigt der Ärger

Eine Umfrage zeigt: Drohnen werden von einem Grossteil als Bedrohung angesehen. Und der Ruf nach einer drastischen Einschränkung ist laut.
Francisco Klauser und Silvana Pedrozo
Drohnen werden immer leistungsstärker und billiger. Der Staat wird als legitimer Überwacher angesehen, nicht aber Private. (Bild Pius Amrein)

Drohnen werden immer leistungsstärker und billiger. Der Staat wird als legitimer Überwacher angesehen, nicht aber Private. (Bild Pius Amrein)

Francisco Klauser und Silvana Pedrozo

Rund 22 000 Drohnen bevölkern den Schweizer Himmel. Kamerabestückte Drohnen werden immer leistungsstärker und immer billiger. Der Blick von oben, lange das Monopol und Privileg des Staates, wird heute zunehmend demokratisiert. Big Brother war gestern, unzählige Little Sisters sind es heute. Nur, was hält die Bevölkerung von dieser Entwicklung? Welche Chancen und Risiken werden mit der zivilen Drohnennutzung assoziiert? Eine Bevölkerungsbefragung der Universität Neuchâtel liefert erstmals Antworten.

Lieber Polizeidrohnen

Das Fazit: Drohne ist nicht gleich Drohne. Nur 23 Prozent der Befragten stehen der kommerziellen Nutzung positiv gegenüber. Im Gegensatz dazu befürworten 65 Prozent, respektive 72 Prozent den Einsatz von Militär- und Polizeidrohnen. Diese unterschiedliche Wahrnehmung mag auf den ersten Blick zwar überraschen. Sie bezeugt jedoch vor allem eines: Der Staat wird als legitimer Überwacher angesehen, nicht aber Private. Übrigens, eine ähnliche Tendenz lässt sich im Bereich der Videoüberwachung beobachten, das heisst im Zusammenhang mit fix in­stallierten Kameras.

Hohes Bedrohungspotenzial

Interessanterweise werden auch nur Drohnen von Privaten als Bedrohung der Privatsphäre angesehen. Über 60 Prozent der Bevölkerung sind dieser Meinung. Im Gegensatz dazu denken nur 28 Prozent, dass Militärdrohnen diesbezüglich ein Problem darstellen. Auch hier gilt wieder: lieber vom Staat überwacht als von seinem Nachbarn. Dies speziell auch, weil private Drohnen als Sicherheitsrisiko angesehen werden. 54 Prozent der Befragten machen sich Sorgen um Unfälle mit Hobby-Drohnen, 68 Prozent befürchten sogar einen terroristischen Anschlag. Dies vor allem auch deshalb, weil zurzeit terroristische Drohnen aufgrund der Mobilität und Flexibilität der Technologie kaum abgefangen werden können. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Zivilluftfahrt kommt zu eben diesem Schluss.

Dabei können Hobby-Drohnen auch schlicht Spass machen. Ein paar Bilder vom Familien-Picknick, vom Hochzeitsfest oder vom neuen Eigenheim, wer könnte da Nein sagen? Und doch sieht eine beeindruckende Mehrheit von 87 Prozent der Befragten in Hobby-Drohnen nichts anderes als mobile Überwachungskameras. Der Blick von oben wird als diffuse Bedrohung wahrgenommen und nicht als geteilte Freude.

Nun wird sich dieses Bild in den nächsten Jahren zweifelsohne wandeln. Auch Überwachungskameras wurden vor 15 Jahren noch kritisch betrachtet. In Biel zum Beispiel gab es nach der Expo.02 Demonstrationen, als die Verkehrskameras im Innenstadtbereich installiert werden sollten. Heute dreht kaum noch jemand den Kopf wegen ein paar fix installierter Kameras. Drohnen werden sich ebenfalls weiter verbreiten, es sei denn, der rechtliche Rahmen wird deutlich verschärft.

Unklarer rechtlicher Rahmen

Aus Sicht der Bevölkerung ist von dieser Entwicklung vor allem der Gesetzgeber gefordert. Mehr als die Hälfte aller Befragten findet den aktuellen Gesetzesrahmen im Bereich der Drohnen als ungenügend. 87 Prozent möchten über Drohneneinsätze besser informiert sein. Dabei fällt allerdings auch auf, dass nur die wenigsten mit den gesetzlichen Bestimmungen überhaupt vertraut sind. Für Diskussionspotenzial ist also gesorgt. In welchen Bereichen sollen Drohnen in Zukunft eingesetzt werden? Wollen wir Drohnen im Bereich der Landwirtschaft, um den Pflanzenwuchs aus der Luft zu kontrollieren? Laut einer Studie der Association for Unmanned Vehicle Systems International, einer Lobbyorganisation zur Verbreitung der Drohnentechnologie, werden in zehn Jahren 80 Prozent des Drohnenmarktes den Bereich der Landwirtschaft betreffen. Davon profitieren könnte auch die Schweiz. Auf der anderen Seite werden kritische Stimmen laut, die Drohnen am liebsten ganz verbieten würden. So möchten 72 Prozent der Befragten die kommerzielle Drohnennutzung schlicht und einfach untersagen.

Zur Studie

Umfrage 3000 Einwohner des Kantons Neuenburg wurden im Rahmen der erwähnten Fragebogen-Umfrage kontaktiert; die Rücklaufquote betrug 15 Prozent. Die Studie wurde mit Unterstützung der Geografie-Masterstudenten der Universität Neuchâtel erstellt. Die Untersuchung ist Teil eines grösseren Forschungsprogramms zu den Chancen und Risiken der zivilen Drohnennutzung in der Schweiz. Unterstützt wird das Projekt vom Nationalfonds.

Hinweis

Francisco Klauser ist Professor der Humangeografie an der Universität Neuchâtel. Silvana Pedrozo ist Doktorandin der Geografie an der Universität Neuchâtel.

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