Umstrittener Posten, viele Skandale

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Vorgänger Braucht es überhaupt einen Armeechef? Der Posten ist nicht unumstritten. Grund dafür sind auch frühere Besetzungen. So sorgten Christophe Keck­eis, Roland Nef und André Blattmann für genügend negative Schlagzeilen. Kritiker monieren ausserdem die grosse Machtfülle – der Armeechef ist das Nadelöhr zwischen dem Bundesrat und dem höheren Kader der Armee. Zudem sei es eine Zwitterfunktion zwischen Militär und Politik. Im Jahr 2015 nahm die SVP erfolglos einen Anlauf, den Posten des Armeechefs abzuschaffen.

Was viele nicht wissen: Einen eigentlichen Chef der Schweizer Armee in Friedenszeiten gibt es erst seit dem Jahr 2004. Vorher kannte die Armee mit dem Generalstabschef lediglich einen «Primus inter Pares» in der Kommission für Landesverteidigung, der alle Kommandanten grösserer Verbände angehörten. Der Generalstabschef hatte die militärische, aber nicht die politische Verantwortung inne. Diese lag einzig und allein beim amtierenden Vorsteher des Verteidigungsdepartements.

Christophe Keckeis – Der Schleifer

Christophe Keckeis (73) war der erste Chef der Armee überhaupt, von Anfang 2004 bis Ende 2007. Er war verantwortlich für die Umsetzung der Armee XXI, die unter anderem den Truppenbestand von 320000 auf 120000 Mann reduzieren sollte. Keckeis’ Amtszeit verlief relativ geordnet, erst gegen das Ende seiner Amtszeit kam er ins Gerede. Anlass war das Buch zu seiner Bilanz als Armeechef. Das Verteidigungsdepartement hatte dem Buchverlag zugesagt, 5000 Exemplare für den Preis von 100000 Franken zu erwerben. Das Buch wollte die Armee höheren Offizieren als Geschenk überreichen. Es hagelte Kritik, worauf der damalige Verteidigungsminister Samuel Schmid schliesslich entschied, auf den Kauf zu verzichten. Keckeis konnte den Wirbel um das Buch nicht nachvollziehen. Er klagte, dass «in diesem Land Gutes in den Schmutz gezogen» werde.

Roland Nef – Der Stalker

Es war einer der grössten Skandale der jüngeren Schweizer Politgeschichte. 2008 musste Armeechef Roland Nef (59) nach nur einem halben Jahr seinen Posten räumen. Grund waren Medienberichte über schwere Stalkingvorwürfe seiner Ex-Freundin. Demnach soll Nef seine frühere Partnerin monatelang mit Mails, SMS und Anrufen belästigt haben. Auch soll er in ihrem Namen Sexinserate beantwortet und ihre Telefonnummer sowie Privatadresse bekannt gemacht haben. Politisch brisant daran war: Verteidigungsminister Samuel Schmid war über diese Vorwürfe unterrichtet, erachtete sie aber als unerheblich, da die Ex-Freundin ihre Strafanzeige kurz vor der Wahl – gegen eine Zahlung zur Wiedergutmachung – zurückgezogen hatte. Das heisst: Der Gesamtbundesrat wählte Nef, ohne die leiseste Ahnung der Stalkingvorwürfe zu haben.

André Blattmann – Der Angstmacher

Zuerst übernahm André Blattmann (63) den Chefposten interimistisch, dann offiziell. In seiner Amtszeit von 2009 bis 2016 sorgte er mit Äusserungen immer wieder für Stirnrunzeln. 2010 bezeichnete er in einer Sitzung der sicherheitspolitischen Kommission Staaten wie Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Portugal als «Risikoländer». Zum Gespött der Öffentlichkeit machte er sich in einem Interview, in dem er über seinen persönlichen Notvorrat sprach. Das neue Zivildienstgesetz, das die Gewissensprüfung abschaffte, war für ihn ein «Betriebsunfall». Und SRF-Moderator Sandro Brotz, der interne Dokumente zum Luftabwehrsystem Bodluv publik machte, bezeichnete er vor 150 Militaristen als «Sandro Kotz, äh Brotz». Den Whistleblower wiederum, der die Informationen weitergab, wollte er im übertragenen Sinne «auf die Schlachtbank führen». (rb)