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UMWELT: Bauern belasten Gewässer stärker als gedacht

Eine Studie weist nach, dass die Landwirtschaft Bäche stärker verschmutzt als bisher angenommen. Der Schweizer Bauernverband hält die Studie allerdings für nicht repräsentativ.
Richard Clavadetscher
Bauer beim Ausbringen von Schädlingsbekämpfungsmitteln. (Bild: Getty)

Bauer beim Ausbringen von Schädlingsbekämpfungsmitteln. (Bild: Getty)

Richard Clavadetscher

Dass es um die Wasserqualität kleiner Fliessgewässer in der Schweiz nicht zum Besten steht, ist unbestritten. Trotzdem hat die eben veröffentlichte Langzeit­studie (März bis August 2015) der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasser­reinigung und Gewässerschutz (Eawag) das Potenzial, Fachleute wie Laien zu erschrecken: Kleinere Fliessgewässer, so die Studie, sind nicht nur «mit einer Viel­zahlAABB22von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden belastet», der Eintrag von solchen meist aus der Landwirtschaft stammenden Giften ist höher als gedacht.

Nicht weniger als 61 Herbizide, 45 Fungizide und 22 Insektizide aus Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau konnten die Forscher in den Proben nachweisen. In 80 Prozent wurde die Anforderung der Gewässerschutzverordnung (maximal 0,1 Mikrogramm pro Liter) von mindestens einem Stoff nicht eingehalten. Dies in allen untersuchten Bächen während über 60 Tagen, im Thurgauer Eschelisbach etwa praktisch während der gesamten sechsmonatigen Studiendauer. Von einzelnen Substanzen wurden dabei Konzentrationen bis 40 Mikrogramm pro Liter festgestellt. Kurzzeitige Spitzen dürften höher liegen, sagen die Forscher.

Um ein Vielfaches überschritten

An den Ergebnissen gebe es nichts zu deuteln, so die Wasserfachleute: In allen untersuchten Gewässern sei der Schwellenwert, ab dem die Konzentration dieser Substanzen als für die Umwelt schädlich gilt, «teilweise um ein Vielfaches überschritten». In einigen Gewässern seien gar höhere Konzentrationen gemessen worden als jene, die reichten, um empfindliche Organismen zu töten. So zeige an diesen Orten etwa der Bachflohkrebs, soweit nicht schon zu Tode gekommen, «ein lethargisches Verhalten».

Doch nicht nur für Bachflohkrebse sind diese toxischen Konzentrationen lebensbedrohlich, sondern auch für andere Wasserlebewesen – etwa für Fische, da solche Gewässer für sie oft Rückzugsort und «Kinderzimmer» sind. Dass solcher Schadstoffeintrag am Ende auch das Trinkwasser gefährden kann, versteht sich von selbst.

Nun ist es nicht so, dass in der Schweiz gar nichts geschieht, um die Verschmutzung kleinerer Fliessgewässer zu verringern. Da ist etwa der «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel» des Bundes, den der Bundesrat noch in diesem Jahr verabschieden soll und der den Eintrag solcher Stoffe massiv senken will. Die Frage aber ist, ob dies genügt. Umweltorganisationen jedenfalls nennen die Resultate der Eawag-Studie «skandalös». «Wieder einmal zeigt sich, dass das propagierte Bild der ‹naturnahen› Schwei­zerAABB22Landwirtschaft mehr Marketing ist als Realität», sagt Philippe Schenkel, Agrarexperte bei Greenpeace. Und Daniela Hoffmann vom WWF doppelt nach: «Die Schweizer Landwirtschaft muss sich endlich aktiv für eine Reduktion der Pestizidrisiken einsetzen.» Der Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes gehe dabei zwar in die richtige Richtung, aber noch seien weder Finanzierung noch Umsetzung klar. Weil der Aktionsplan bis 2026 lediglich die Halbierung der Einträge vorsieht, wird dann laut Schenkel «im Vergleich zu heute nur noch halb so drastisch gegen das Gesetz verstossen».

Anders sieht man es beim Bauernverband. Dass die Landwirtschaft beim Gewässerschutz gefordert sei, bezeichnet Präsident Markus Ritter zwar als unbestritten. So gelte bei den Pflanzenschutzmitteln: «So wenig wie möglich, so viel wie nötig – und dies professionell handhaben.» Darüber hinaus geschehe aber nicht nichts. Ritter erwähnt etwa den Aktionsplan Pflanzenschutz. Auch verweist er auf ein Berner Projekt, das in den nächsten Jahren eruieren will, welche Sub­stanzen auf welchen hauptsächlichen Eintragspfaden in die Umwelt gelangen. Noch wisse man hier noch nicht genug.

Druck auf Landwirtschaft steigt

Was schliesslich die Eawag-Studie anbelangt, weist Ritter darauf hin, dass dafür gezielt Gewässer in Gebieten mit Spezialkulturen gesucht worden seien. Zweifel an der Aussagekraft für alle kleinen Fliessgewässer seien deshalb angebracht.

Wie auch immer, bei zu hoher Schadstoffkonzentration in Gewässern steigt der Druck auf die Landwirtschaft. So sammelt ein Verein «Sauberes Wasser für alle» zurzeit Unterschriften für eine Volksinitiative. Sie verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen, in der Tierhaltung ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommen und nur so viele Tiere halten, wie sie ohne Futtermittelimporte ernähren können. – Fortsetzung folgt.

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