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Umweltschützer kritisieren Insekten-Petition des Bauernverbands

Der Bauernverband lanciert eine Petition zum Insektensterben – und sticht damit in ein Wespennest. WWF und Pro Natura kritisieren, es brauche gerade von der Landwirtschaft nun endlich Taten.
Maja Briner
Wer oder was ist schuld am Insektensterben? Die Aufnahme zeigt eine Libelle bei der Häutung. (Bild: Andrea Stalder (Wuppenau, 22.August 2018))

Wer oder was ist schuld am Insektensterben? Die Aufnahme zeigt eine Libelle bei der Häutung. (Bild: Andrea Stalder (Wuppenau, 22.August 2018))

Zugegeben, sie nerven: die Wespen, die ums Konfiglas schwirren, die stechenden Mücken, die Ameisen, die sich ins Haus verirren. Aber Insekten sind wichtig. Sie bestäuben Pflanzen und dienen als Nahrungsmittel für Vögel, Frösche und andere Tiere.

Umweltschützer sind daher alarmiert darüber, dass es hierzulande vielen Insekten schlecht geht. Betroffen sind längst nicht nur die Bienen, über die oft berichtet wird: Laut dem Bund sind insgesamt 40 Prozent der Insekten­arten vom Aussterben bedroht.

Nahrungsmittelproduktion gefährdet

Das beunruhigt auch den Schweizer Bauernverband. Er hat kürzlich die Petition «Insektensterben aufklären» lanciert, zusammen mit dem Imkerverband Apisuisse, dem Verband Naturfreunde Schweiz sowie der gegen Lichtverschmutzung kämpfenden Organisation Dark-Sky Switzerland.

Sie warnen, das Insektensterben gefährde die Nahrungsmittelproduktion und ganze Ökosysteme. Mit ihrer Petition wollen sie Bundesrat und Parlament auffordern, die Ursachen und die Tragweite des Insektensterbens wissenschaftlich aufzuklären und Massnahmen dagegen zu ergreifen.

Unehrliches Engagement?


Ausgerechnet die grossen Umweltschutzorganisationen WWF, Pro Natura und Bird Life Schweiz unterstützen die Petition jedoch nicht. Sie werfen insbesondere dem Bauernverband vor, er spiele ein falsches Spiel, sei doch gerade die intensive Landwirtschaft mit ihrem «massiven Pestizideinsatz» eine der Hauptverursacherinnen des Insektensterbens.

Die Präsidentin von Pro Natura, SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel (FR), sagt: «Es wäre begrüssenswert, wenn die Landwirtschaft – anstelle von Petitionen – den Tatbeweis erbringen und weniger Pestizide und Insektizide einsetzen würde.» Ganz ähnlich klingt es beim WWF. «Der Bauernverband als Partner dieser Petition hätte es selbst in der Hand, das Problem politisch und im Feld wirkungsvoll anzugehen», kritisiert WWF-Sprecherin Myriam Stucki.

Die drei Umweltschutzorganisationen finden auch den Inhalt der Petition falsch. Die Gründe für das Insektensterben seien grösstenteils bekannt, betonen sie: Pestizide und schwindender Lebensraum für Insekten etwa. Nun brauche es endlich Massnahmen dagegen – gerade auch von der Landwirtschaft.

«Erstaunt über diese Kritik»

Der Bauernverband hat wenig Verständnis für die Haltung der drei Organisationen. «Wir sind sehr erstaunt über diese Kritik», erklärt Präsident Markus Ritter (CVP/SG). Es sei notwendig, die offenen Fragen wissenschaftlich anzugehen. Der Bauernverband nehme das Insektensterben sehr ernst und wolle einen konstruktiven Beitrag beisteuern, betont er – und holt zum Gegenschlag aus:

«Es ist einfach, hier ein Bauern-Bashing zu betreiben und sich nicht auf eine vertiefte Diskussion einzulassen.»

Dass die Pestizidmenge sinken sollte, sieht inzwischen auch der Bauernverband ein. Die Petition verlangt unter anderem, der Aktionsplan des Bundes zur Reduktion der Pflanzenschutzmittel müsse «unverzüglich und konsequent» umgesetzt werden. An erster Stelle fordert die Petition aber mehr Forschung. Das sei nötig, um die richtigen Massnahmen zu treffen.

Eine Übersicht gibt es nicht

Tatsächlich ist die Entwicklung der Insekten in der Schweiz nicht vollends erforscht. Laut der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, die den Zustand der Biodiversität überwacht, gibt es zwar Untersuchungen. Es existiert aber keine Gesamtschau, welche die Entwicklung der gesamten Insektenvielfalt über eine bestimmte Zeit zeigen würde.

«Wir wissen heute schon einiges, aber wir wissen nicht alles», sagt auch SP-Nationalrätin (SG) Claudia Friedl, Umweltnaturwissenschafterin und WWF- und Pro-Natura-Mitglied. Sie hält die Petition nicht für überflüssig. «Ich persönlich finde alles gut, was dieses wichtige Thema weiter unter die Leute bringt», erklärt sie. Die Petition dürfe aber nicht dazu missbraucht werden, Massnahmen zu verzögern.

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