Abstimmung
Uni-Rektoren kämpfen gegen Ecopop-Initiative

Die Hochschulrektoren greifen zum ersten Mal aktiv in einen Abstimmungskampf ein: Sie stellen sich geschlossen gegen die Ecopop-Initiative. Sie befürchten, dass die Schweizer Universitäten bei einer Annahme in die Bedeutungslosigkeit verfallen.

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Antonio Loprieno, Vorsteher der Rektorenkonferenz, warnt vor den Folgen bei einem Ja zur Ecopop-Initiative

Antonio Loprieno, Vorsteher der Rektorenkonferenz, warnt vor den Folgen bei einem Ja zur Ecopop-Initiative

Keystone

Es ist ein Novum in der 550-jährigen Geschichte der Schweizer Universitäten. Wie die „Schweiz am Sonntag“ berichtet, greifen die Hochschulrektoren zum ersten Mal aktiv in einen Abstimmungskampf ein: Sie stellen sich geschlossen gegen die Ecopop-Initiative. Darauf hat sich die Rektorenkonferenz (CRUS) an einer Vorstandssitzung diese Woche geeinigt.

Grund für den Paradigmenwechsel sind die drohenden Nachteile gegenüber anderen europäischen Hochschulen. Antonio Loprieno, Präsident der CRUS und Rektor in Basel, findet in der „Schweiz am Sonntag“ klare Worte: «Die Schweizer Universitäten werden in die Bedeutungslosigkeit verfallen, sollte die Initiative angenommen werden», warnt er. Der potenzielle Schaden sei immens.

Die Ecopop-Initiative will die jährliche Nettozuwanderung auf 0,2 Prozent der Bevölkerung beschränken, was 16'000 Personen im Jahr entspricht. Heute wandern jeweils über 80'000 Menschen ein. Es würden viel weniger Studierende, Doktorierende und Professoren aus dem Ausland an die Schweizer Hochschulen kommen, sagt Loprieno. Besonders die Anstellung von Spitzenforschern dürfte dann zum Problem werden.

Derzeit stammen über die Hälfte aller Professoren aus dem Ausland. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass Schweizer diese Posten problemlos füllen könnten, sagt Loprieno. Bei gleicher Qualifikation beriefen alle Universitäten bereits heute die einheimischen Kandidaten. Nur ein offenes System sichere den Verbleib in der Weltspitze.

Die Folgen der Ecopop-Initiative seien um ein vielfaches schlimmer als jene der Masseneinwanderungsinitiative. Nicht nur die Rektoren, darunter beide ETH-Präsidenten, werden in den Abstimmungskampf. Alle Mitarbeiter der Universitäten sind aufgefordert, ihre Meinung zu äussern, sei es in den Medien, auf Podien oder in Diskussionen.

«Wir haben unsere Lektion gelernt», sagt Loprieno über das Ja zur SVP-Zuwanderungsinitiative am 9. Februar. Davor agierten die Rektoren betont neutral. Man wolle auch künftig keine Parteipolitik betreiben, sagt er. Doch den Schweizer Forschungsplatz würden sie in Zukunft kampfbetont verteidigen.

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