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UNTERKÜNFTE: Airbnb-Erfolg ruft Kritiker auf den Plan

Die Beherbergungsplattform Airbnb wächst und wächst. Was ausländische Touristen freut, ärgert Schweizer Hoteliers, die einen unfairen Wettbewerb beklagen. Städter wiederum befürchten, dass ihr Wohnraum noch knapper wird.
Roger Braun
Eine junge Frau stöbert auf der Seite von Airbnb in den Angeboten für die Schweiz. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (4. September 2014))

Eine junge Frau stöbert auf der Seite von Airbnb in den Angeboten für die Schweiz. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (4. September 2014))

Roger Braun

Neu ist das Geschäft eigentlich nicht. Die Beherbergungsplattform Airbnb vermittelt freie Zimmer und Wohnungen für eine befristete Zeit – so wie das früher Immobilienagenturen mittels Inseraten und Telefonhörer taten. Doch ging es früher um einzelne Ferienwohnungen, hat das Geschäft im Zeitalter des Internets eine ganz andere Dimension angenommen. Wer zu Hause ein freies Bett hat, kann dieses unkompliziert auf der Plattform anbieten. Reisende wiederum können sich schnell einen Überblick über die Angebote verschaffen und online buchen. Weltweit sind auf Airbnb inzwischen über zwei Millionen Betten ausgeschrieben.

Auch in der Schweiz verläuft die Entwicklung rasant: Vor zweieinhalb Jahren waren es 21000 Betten, die angeboten wurden; heute sind es 64000, wie die neuste Studie des Walliser Tourismusobservatoriums zeigt. Projektleiter Robert Schegg geht davon aus, dass das Wachstum in diesem Tempo weitergeht. Der tiefe Preis sowie die Möglichkeit, sich in einer fremden Wohnung im Ausland niederzulassen, seien für viele sehr verlockend. «Das Einzige, was das Wachstum von Airbnb in der Schweiz bremsen könnte, sind staatliche Vorschriften», sagt Schegg.

Steuern dürften die wenigsten bezahlen

Und genau daran arbeitet die Politik. Der Druck kommt vor allem aus der Tourismusbranche, die unlautere Konkurrenz wittert. «Wir fordern, dass die Beherbergungsplattformen denselben Auflagen unterworfen sind wie die Hoteliers», sagt Christophe Hans vom Branchenverband Hotelleriesuisse. Der Bundesrat hingegen sieht vorerst keinen Handlungsbedarf. Die Vermietung eines Zimmers in einer Wohnung könne nicht unbesehen mit einem Hotelbetrieb verglichen werden, hält er im Bericht zur digitalen Wirtschaft fest. Ob bei Hygienevorschriften, Brandschutz oder Behindertenzugang: Es gebe gute Gründe, wieso für Hotelbauten andere Vorschriften gälten wie für Wohnungen. Hotelleriesuisse ist enttäuscht vom Bericht. «Faktisch sagt der Bundesrat, dass es keine Änderungen braucht – das sehen wir überhaupt nicht so», sagt Hans. Vor allem bei den Steuern sieht er dringenden Handlungsbedarf. «Es ist doch offensichtlich, dass viele Airbnb-Anbieter ihre Ab­gaben nicht bezahlen, während Hotelbetriebe jeden Franken versteuern müssen», sagt er.

Das Problem mit den Steuern ist vielschichtig, denn in erster Linie ist nicht Airbnb steuerpflichtig, sondern die einzelnen Vermieter. Die Mieterträge sind bei der Einkommenssteuer anzugeben, allfällige Kurtaxen bei der jeweiligen Gemeinde abzuliefern. Das Problem dabei: Die einzelnen Vermieter sind schwierig zu kontrollieren. Der Präsident des Tourismusverbands und Walliser CVP-Nationalrat Dominique de Buman schätzt, dass rund 35 bis 50 Prozent der Gastgeber die Kurtaxe prellen. Von ihm stammt auch ein Vorstoss, der die Steuereintreibung vereinfachen will. Demnach soll künftig der Bund die Kurtaxen direkt bei der Firma Airbnb einziehen – ähnlich wie das Städte wie Paris, Lissabon oder Amsterdam tun. Während Hotelleriesuisse die Motion unterstützt, lehnt sie der Bundesrat ab. Da die Kurtaxe je nach Kanton und Gemeinde variiere, ergebe ein zentrales Inkasso beim Bund keinen Sinn, argumentiert er. Zuständig sei nicht der Bund, sondern die Kantone.

Neuer Vertriebskanal bietet auch Chancen

Trotz des Interessenkonflikts: Verteufeln will die hiesige Hotelbranche den kalifornischen Web-Giganten nicht. «Airbnb ist auch eine grosse Chance für die Hoteliers», sagt Hans. Die Plattform öffne den Weg zu einer neuen, globalen Kundengruppe. Bereits gibt es Hoteliers, die ihre Ferienwohnungen oder Zimmer auf der Plattform anbieten. Schegg vom Tourismusobservatorium begrüsst diese Zusammenarbeit. «In den Berggebieten leistet Airbnb einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen kalte Betten», sagt er. «Davon profitiert die ganze Tourismusindustrie.»

In den Städten dominiert derweil eine andere Sorge: die Wohnungsnot. Seit Jahren sind Wohnungen in urbanen Zentren knapp und die Mieten hoch. Mit Airbnb droht nun weiterer Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zu verschwinden, da mit Touristen mehr Geld zu verdienen ist. Abschreckendes Beispiel ist Berlin, wo in gewissen Quartieren sieben Prozent der Wohnungen an Touristen vermietet werden. So weit ist die Schweiz noch lange nicht. In Zürich, der Stadt mit den meisten Angeboten, beträgt der maximale Wert eines Quartiers zwei Prozent. Statistisch lässt sich derzeit kein preistreibender Effekt nachweisen, wie Robert Weinert vom Immobilienberatungsbüro Wüst und Partner sagt. Dies könne sich aber ändern, wenn die Entwicklung so weitergehe.

Die Politik steht auf alle Fälle bereit. Eine Koalition aus tourismusfreundlichen und städtischen Politikern dürfte den Druck auf Airbnb hochhalten. Als Nächstes kommt die Motion von de Buman in die Räte. Hängig ist daneben ein Bericht zu den Auswirkungen der digitalen Wirtschaft auf den Tourismus. Diesen hatte der Ständerat im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. Mit 40 zu 0 Stimmen.

Quelle: Walliser Tourismusobservatorium (Bild: Grafik: Janina Noser)

Quelle: Walliser Tourismusobservatorium (Bild: Grafik: Janina Noser)

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