UNTWETTER: Bund soll den Warn-Wirrwarr beenden

Diverse Stellen warnen auf unterschiedliche Weise, wenn Unwetter drohen. Dies sorgt für Verwirrung. Der Obwaldner Nationalrat Karl Vogler wird nun aktiv.

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Das überschwemmte Sarnen im Jahr 2005 aus der Luft. (Bild: Archiv Neue OZ)

Das überschwemmte Sarnen im Jahr 2005 aus der Luft. (Bild: Archiv Neue OZ)

Einen guten Teil des Sommers hat Karl Vogler vor dem Computer zugebracht. Der Obwaldner CSP-Nationalrat ist Besitzer eines kleinen Landwirtschaftsbetriebs, den er verpachtet hat – und fürchtete mit jedem Regentag mehr, dass dieser wieder einmal überschwemmt oder von einem Erdrutsch heimgesucht werden könnte. Also schaute er bei den diversen Anbietern von Unwetterwarnungen nach, wie gross sie diese Gefahr einschätzen. Doch statt Gewissheit zu finden, wurde Vogler verwirrt: «Während der eine noch gar kein Problem sah, prophezeite der andere bereits eine grosse Gefährdung.»

Grosse Unterschiede

Nachdem der verregnete Sommer in einen verhältnismässig trockenen Herbst übergegangen ist und sich das Parlament in Bern zur Session versammelt hat, schreitet der Obwaldner jetzt zur Tat: Per Vorstoss fordert er den Bundesrat auf, für eine Vereinheitlichung der Warnungen der öffentlichen Hand sowie der verschiedenen privaten Anbieter zu sorgen. Diese Warnungen seien grundsätzlich ein nützliches Instrument, damit sich die Bevölkerung auf ein Naturereignis vorbereiten könne, schreibt er in dem Postulat. Auch hälfen sie mit, Schäden zu verhindern. Doch das Problem sei die Vielfalt: Leider hätten nicht alle Warnungen das gleiche Erscheinungsbild und verwendeten auch nicht die gleichen Gefahrenstufen, was immer wieder zu Verwirrung und Unklarheiten führe. Die Warnungen des Bundes werden zwar einheitlich dargestellt: Meteo Schweiz, Bundesamt für Umwelt, das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut sowie der Schweizerische Erdbebendienst verwenden seit ein paar Jahren fünf Gefahrenstufen von grün (keine oder geringe Gefahr) bis dunkelrot (sehr grosse Gefahr). Die privaten Anbieter aber haben eigene Gefahrenstufen mit eigener Farbskala und eigenen Bezeichnungen.

Vogler listet die Farbpalette in seinem Postulat auf:

  • Bei der Wetterredaktion von SRF beziehungsweise beim Wetteralarm der Gebäudeversicherungen () sind es vier Warnstufen von grün bis rot.
  • Meteocentrale beziehungsweise Meteogroup (alarm.meteocentrale.ch) umfasst sechs Warnstufen von grün bis violett.
  • Meteonews (meteonews.ch/de/Warnungskarte) bietet sozusagen als Kompromiss fünf Warnstufen von grün bis violett an.

Unterschiede hat Vogler auch bei der räumlichen Ausdehnung der Warnungen und bei der Einstufung ausgemacht. So ist die Regenmenge, ab der eine Warnung ausgegeben wird, nicht bei allen gleich.

Der Bundesrat solle nun schauen, ob man die Regeln nicht an die Praxis der Bundesstellen angleichen könne, verlangt der CSP-Volksvertreter. Wenn nö­-tig, solle er die einschlägigen Gesetze ändern.

Beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) rennt Vogler mit dem Postulat offene Türen ein. Es gebe in der Tat die beanstandeten Unterschiede, die zu Verunsicherung und teilweise sogar zu Verwirrung führen könnten, räumt Josef Hess ein, der für die Gefahrenprävention zuständige Bafu-Vizedirektor. Vergangenen Sommer hätten sich diese bemerkbar gemacht: «Wir erhielten tatsächlich Reaktionen und Rückfragen von kantonalen Behörden und vereinzelt auch aus der Bevölkerung.»

Bis zu 20 Prozent weniger Schäden

Folgerichtig würde Hess eine Vereinheitlichung begrüssen, zumal solche Warnungen gemäss Untersuchungen des Bundes bis zu 20 Prozent der Sachschäden und sogar Todesfälle verhindern könnten. Ihm sei zwar kein Fall bekannt, wo jemand Schaden erlitten hätte, weil er die falsche Unwetterwarnung konsultiert hatte. Doch sei diese Situation zumindest «denkbar», so der Bafu-Vizedirektor.

Auch die privaten Anbieter haben nichts gegen ein gleiches Warnsystem für alle einzuwenden: «Das wäre eigentlich eine gute Idee», sagt Reto Vögeli von Meteonews, dem grössten privaten Wetterdienst der Schweiz. Ebenso wenig opponiert er gegen eine Übernahme der von den Bundesstellen verwendeten Warnstufen: «Wenn alle mitmachen würden, wären wir dafür offen.» Es dürfe aber nicht dazu führen, dass nicht mehr alle Wetterdienste warnen dürften. Das wäre nach Vögeli kontraproduktiv: «Wenn mehr Wetterdienste die Lage überwachen, ist das Risiko geringer, ein Unwetter zu verpassen.»