URNÄSCH: Herr über 109 Kilometer Wanderwege

Wandern ist der Nationalsport der Schweizerinnen und Schweizer. 1500 Freiwillige und unzählige Wanderwegbeauftragte sorgen dafür, dass die Schweiz ein Wanderparadies bleibt. Einer von ihnen ist Andreas Isenschmid aus Urnäsch.

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Andreas Isenschmid, ist für total 109 Kilometer Wanderwege zuständig. (Bild: Keystone)

Andreas Isenschmid, ist für total 109 Kilometer Wanderwege zuständig. (Bild: Keystone)

Würde man alle Schweizer Wanderwege zusammenfügen, könnte man eineinhalb Mal um die Erde wandern. Dieses weltweit einmalige Angebot ist das Verdienst des Dachverbandes Schweizer Wanderwege und seiner kantonalen Wanderweg-Organisationen.

In Appenzell Ausserrhoden ist es der Verein Appenzell Ausserrhoder Wanderwege (VAW) mit 1000 Mitgliedern. In der Gemeinde Urnäsch ist Andreas Isenschmid für die praktische Umsetzung der theoretischen Vorgaben zuständig.

Keine leichte Aufgabe - und eine, die sehr zeitintensiv ist. Rund 400 Stunden ist der 57-Jährige von April bis Oktober unterwegs, mit dem Jeep oder zu Fuss. Im Winter unterhält er zwei Winterwanderwege.

Isenschmid ist ein Allrounder, das zeigt der Blick in das Innere seines Jeeps. Werkzeug aller Art stapelt sich im geräumigen Kofferraum. Schweres Material befördert er mit der eigenen Motorkarette zu Einsatzorten, die mit dem Jeep nicht erreichbar sind.

An diesem Morgen ist Andreas Isenschmid damit beschäftigt, eine Brücke oberhalb des Chräzerenpasses fertig zu stellen. «Die Holzbrücken müssen ungefähr alle zehn Jahre erneuert werden», erklärt Isenschmid. 18 Holzbrücken, 60 Bänkli und sieben Feuerstellen stehen auf seinem Hoheitsgebiet.

Den kurzen Weg von der Passhöhe der Schwägalp durch das Hochmoor bis zur Brücke legt er zu Fuss zurück, in steifen Wanderschuhen und funktionaler Kleidung. Gelernt hat er Lastwagenmechaniker, neben seinem Job als Wanderwegbeauftragter fährt er Postauto. «Ich bin kein Stubenhocker, aber auch nicht gerne unter Leuten», sagt er.

Mit Pinsel und Farbe unterwegs

Immer dabei hat er einen Eimer Farbe und einen Pinsel. Rund ein Drittel der Zeit ist der gebürtige Berner Oberländer mit Markieren beschäftigt. 100 Wegweiserstandorte mit rund 480 Wegweisern wollen periodisch kontrolliert und erneuert werden.

Isenschmid ist darauf bedacht, so wenig Material wie möglich zu vergeuden. Auch dieses Mal konnte er einen Teil der Brücke stehen lassen und das Metallgitter zur Verminderung der Rutschgefahr wiederverwenden.

Schäden an Wegen, Brücken und Wegweisern würden ihm vor allem von Einheimischen gemeldet. «Bei 109 Kilometern Wanderwege kann ich nicht immer überall sein», sagt der 57-Jährige, der seit 21 Jahren im Auftrag der Gemeinde die Wanderwege unterhält.

Wanderer, Biker und Landwirte zufrieden stellen

Jetzt, zur Hauptwanderzeit, ist die Kontrolle der Feuerstellen ein allwöchentliches Ritual. Die Leute liessen nicht mehr so viel Abfall herumliegen wie früher, sagt er. Auch gegen Biker hat er in seinem Wandergebiet nichts einzuwenden.

«Dres» Isenschmid ist überall gerne gesehen. «Die Wanderer schätzen meine Arbeit.» Damit es zu keinen Konflikten mit den Landwirten kommt, werden die Routen der Wanderwege auch einmal verlegt. «Wer hat es schon gerne, wenn der Wanderweg direkt durch den eigenen Garten führt», sagt er auf dem Weg zurück ins Tal.

50'000 Wegweiser müssen jedes Jahr kontrolliert werden

Über 44 Prozent der Schweizer Bevölkerung wandert regelmässig. Beliebte Nationalsportarten sind aber auch das Radfahren, Schwimmen und Skifahren. Wanderer sind zwar nicht auf Sportanlagen angewiesen, sichere und gut beschilderte Wanderwege werden aber vorausgesetzt.

Die Schweiz verfügt über ein Netz von einheitlich markierten Wanderwegen von einer Länge von insgesamt 62'000 Kilometern, davon sind 14'000 Kilometer Hartbelag und 21'000 Kilometer Bergwege.

Auf den Wanderwegen informieren etwa 50'000 Wegweiserstandorte über Wegkategorie, Ziel- und gegebenenfalls Zeitangaben der Routen. Die Wegweiser werden je nach Kanton durch ehrenamtliche Mitarbeitende der kantonalen Wanderweg-Organisationen oder von Gemeindeangestellten montiert und instand gehalten. Alle Wegweiser und Wanderwege werden jedes Jahr begangen und gründlich kontrolliert.

Nathalie Grand, sda