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URTEIL: Kirchenglocken dürfen nachts weiterhin schlagen

Die Glocken der reformierten Kirche Wädenswil ZH dürfen weiterhin auch nachts alle 15 Minuten schlagen. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Stadt und der Kirchgemeinde gutgeheissen.
Kirchenglockengeläut. (Bild: Stefan Kaiser)

Kirchenglockengeläut. (Bild: Stefan Kaiser)

Die Glocken der evangelisch-reformierten Kirche Wädenswil ZH werden auch künftig nachts alle Viertelstunden zu hören sein. Damit haben sich Stadt und Kirchgemeinde vor dem Bundesgericht durchgesetzt. Die Bundesrichter kamen gestern bei einer öffentlichen Beratung zum Schluss, dass es keinen Anlass gibt, von der bisherigen Rechtsprechung abzuweichen.

Sie mussten abwägen, ob das Interesse an der Weiterführung des traditionellen Kirchengeläuts grösser ist als das Ruhebedürfnis der Bevölkerung. Weil durch die Einstellung des Viertelstundenschlages gemäss Berechnungen nur eine halbe von zwei Aufwachreaktionen weggefallen wäre, geht das Gericht von einer geringen Verbesserung für die Betroffenen aus. Im Gegenzug hatten 2000 Personen eine Petition unterschrieben, in der sie sich für die Beibehaltung des Glockengeläutes aussprachen.

Frühere Rechtsprechung

In einem 2010 entschiedenen Fall der Gemeinde Gossau ZH hatte das Bundesgericht festgehalten, dass die dortigen Kirchenglocken nachts jede Viertelstunde erklingen dürfen. Und in einem früheren Leitentscheid wiesen die Lausanner Richter das Begehren ab, dass das Frühgeläut der reformierten Kirche Bubikon ZH nicht vor 7 Uhr ertönen dürfe.

Das Zürcher Verwaltungsgericht wollte diese Rechtsprechung aufgrund einer ETH-Studie reformieren. Diese hält fest, dass es bereits bei Kirchenglockenimmissionen ab 40 bis 45 Dezibel zu Aufwachreaktionen kommen könne.

Im aktuellen Fall störte sich ein im Zentrum von Wädenswil wohnendes Ehepaar an den nächtlichen Viertelstundenschlägen. Messungen ergaben, dass die Lautstärke des Geläuts am Kopfende ihres Bettes rund 43 Dezibel bei gekipptem Fenster und nicht ganz 55 Dezibel bei offenem Fenster beträgt. Das Paar hatte deshalb gewünscht, dass zwischen 22 und 7 Uhr der Viertelstundenschlag abgestellt wird.

Wenig fundierte Studie

Gemäss Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts vom Mai 2016 sollte dies geschehen. Die Lärmstudie, auf die sich das Verwaltungsgericht bei seinem Entscheid stützte, erachtet das Bundesgericht jedoch als zu wenig aussagekräftig und fundiert.

Der Wädenswiler Stadtrat hat das Urteil des Bundesgerichts gestern mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, wie aus einer Stellungnahme hervorgeht. Er schätze das öffentliche Interesse am Kulturgut Kirchenglocken und an der Aufrechterhaltung des in weiten Kreisen der Bevölkerung festverankerten Brauchs hoch ein. (sda)

Hinweis
Sitzung 1C_383/2016 vom 13. Dezember 2017.

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