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US-Sanktionen gegen Teheran bringen auch den Irak in Bedrängnis

Die USA versuchen seit Jahren, den Irak zu stabilisieren. Doch nun könnte Washington mit den neuen US-Iran-Sanktionen das Zweistromland ungewollt erneut in eine Krise stürzen. Immerhin sind der Irak und der Iran Nachbarländer.
Ammar Karim und Salam Faraj, AFP
Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi. (Bild: AP Photo/Hadi Mizban, 15. Juli 2014)

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi. (Bild: AP Photo/Hadi Mizban, 15. Juli 2014)

Die Finanz- und Handelsbeschränkungen, die nach dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran am Dienstag in Kraft getreten sind, drohen die irakische Wirtschaft hart zu treffen, ist sie doch in vielen Bereichen abhängig von Importen aus dem Iran.

"80 Prozent der Produkte auf dem Markt sind im Iran produziert. Wenn die Grenze schliesst, stürzt das uns alle in eine Krise", sagt Ali Adschlan, der in seinem Laden in Bagdad Haushaltsgeräte verkauft. Im vergangenen Jahr hat der Irak Waren im Wert von 6,5 Milliarden Franken aus dem Nachbarland eingeführt, mit dem es seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003 intensive wirtschaftliche und politische Beziehungen unterhält.

US-Präsident Donald Trump hat nach Verhängung der Sanktionen gewarnt, dass wer mit dem Iran Geschäfte mache, keine Geschäfte mit den USA machen könne.

Ministerpräsident: Strategischer Fehler

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi sagte widerwillig zu, sich an das neue Embargo zu halten. "Wir unterstützen die Sanktionen nicht, weil sie ein strategischer Fehler sind, doch wir werden uns daran halten", sagte Al-Abadi, der auf die Unterstützung der USA ebenso wie des Irans angewiesen ist.

Der irakische Geschäftsmann Abbas Muchailef kann sich aber nicht einmal vorstellen, woher er seine Waren bekommen soll, wenn nicht aus dem Iran. "Jedes Jahr importieren wir zwischen 200'000 und 300'000 Klimaanlagen", sagt er. "Wir sind bei den meisten Waren abhängig vom Iran."

Im Automobilsektor wurde bereits der Import von Autos und Autoteilen gestoppt, weshalb laut einem Vertreter des Sektors im Irak nun 5000 Jobs auf dem Spiel stehen.

Für irakische Waren ist der Iran kein wichtiger Markt - vergangenes Jahr beliefen sich die Exporte lediglich auf 77 Millionen Dollar. Allerdings fürchtet die Regierung einen Rückgang der iranischen Pilger in den heiligen Städten Nadschaf und Kerbela.

"Die zwei oder drei Millionen iranischen Pilger, die jedes Jahr kommen, sind ein wichtiger Wirtschaftszweig, den der Irak nicht verlieren sollte", sagt der Regierungsberater Mushar Mohammed Salah.

Über 1000 Kilometer gemeinsame Grenze

Am Ende, so vermutet der Bagdader Geschäftsmann Adschlan, wird vor allem der Schwarzmarkt von den Sanktionen profitieren. "Die Importe werden weitergehen, selbst wenn sie offiziell verboten sind", sagt er. Der Irak verfügt über eine mehr als 1000 Kilometer lange Grenze zum Iran, die vielfach durch schwer zu überwachende Bergregionen führt. Besonders in der nordirakischen Kurdenregion hat Grenzschmuggel eine lange Tradition.

Ebenso wie der Iran hat der Irak viel Erfahrung mit Sanktionen - und wie man sie umgeht. Denn das Land an Euphrat und Tigris unterlag selbst zwölf Jahre einem internationalen Embargo, nachdem Saddam Hussein 1990 Kuwait besetzt hatte.

Den Machthaber zwang das Embargo nicht in die Knie, doch hatte es katastrophale humanitäre Folgen. Heute sagt Ministerpräsident Al-Abadi daher, "allgemein sind Sanktionen ungerecht."

Der Regierungschef ist schon seit einem Monat mit wütenden Protesten wegen der miserablen Wirtschaftslage, der hohen Arbeitslosigkeit, der verbreiteten Korruption, der ständigen Stromausfälle und der katastrophalen Trockenheit im Süden konfrontiert. Wenn nun auch noch die billigen Importe aus dem Nachbarland wegfallen, droht die ohnehin kriselnde irakische Wirtschaft weiter einzubrechen. Ohne Folgen für die politische Stabilität des Landes wird das nicht bleiben.

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